KommentarDax 13.000 – jetzt einsteigen? Oder lieber bei 14.000?

Dax-Kursverlauf an der Frankfurter Börse
Der Dax knackte am Donnerstag kurzfristig die Marke von 13.000 Punktendpa

Vor einigen Jahren fragte mich ein Freund, ob er auf noch in den Aktienmarkt einsteigen könne. Ich sagte: klar. Er meinte: Ich warte lieber, bis es eine Korrektur gibt. Ich: Das kannst Du machen. Aber Du wirst nie den perfekten Zeitpunkt finden.

Das war zu einer Zeit, als der Dax in etwa bei 8000 stand.

Das kann doch auf Dauer nicht so weiter gehen, sagte er.

Schau nicht die ganze Zeit auf den Dax, sagte ich. Er ist nur ein Index.

Als der Deutsche Aktienindex diese Woche die 13.000-Marke überschritt, musste ich wieder daran denken. Seit Donnerstag schwirrt die Finanzgemeinde um diese Zahl: Was heißt das nun? Nichts geht mehr? Noch schnell einsteigen? Brennen wir bald im Fegefeuer der Spekulanten?

Marken werden überbewertet

Vielleicht schauen Sie am besten auf die Kommentierungen, als der Dax die 12.000 erklommen hat. Oder die 10.000. Auch da gab es jede Menge Analysen, Meinungen Warnungen und Kommentare, dass der Markt heiß gelaufen sei und es bald einen Crash geben werde (für manche ist er sogar „die Lösung“) – während andere euphorisch die Kursmarke 15.000 oder 20.000 ausgaben. Genauso gut könnten Sie in ein Kasino gehen und sich beraten lassen, ob man besser auf Schwarz oder Rot setzt.

Diese Marken haben immer etwas Symbolisches, so wie unser Gehirn auf ein Jubiläum oder Meilenstein („Wir haben eine Milliarde Umsatz“!) reagiert. Und deshalb werden sie zwar zelebriert, aber auch überbewertet. Die Strategie, die Sie am Aktienmarkt verfolgen, sollte aber keine andere sein als bei einem Dax von 12.500 oder 13.500. Genauso wie ein Unternehmen seine Strategie nicht ändern würde, wenn es die eine Milliarde Umsatz geknackt hat. Zumal der Dax auch nur ein Index unter vielen ist und als alleiniger Richtwert für Ihre Anlagenentscheidung, ob Sie gut performt haben oder nicht, völlig untauglich ist.

Das muss uns klar sind: Wir steigen bei der Börse nicht ein oder aus, weil ein Index eine gewisse Größe erreicht hat. Sondern weil wir systematisch Vermögen aufbauen wollen, am besten über zehn bis fünfzehn Jahre.

Warum gibt es dann diese ganzen technischen Analysen, Empfehlungen und Stopp-Loss-Kurse werden Sie fragen, wenn man eh immer nur kaufen und halten soll? Nun, das ist der Unterschied zwischen Taktik und Strategie. Natürlich kann und soll man zwischendurch Gewinne mitnehmen, Aktienquoten reduzieren oder Positionen absichern. Als Privatanleger wird es einem aber auf Dauer kaum gelingen, dauernd das beste Timing zu finden.

Die Aussichten für Aktien sind eher gut als schlecht

Wenn Bekannte mich also fragen, ob sie an der Börse investieren sollen und in welche Papiere, gebe ich keine Antwort, sondern stelle zunächst immer drei Fragen:

  1. Was ist Dein Anlageziel (Vermögenserhalt, Vermögensaufbau, Spielerei nebenher)?
  2. Was ist Dein Anlagehorizont?
  3. Auf welchen Teil Deines Geldes könntest Du bei einem Einbruch der Märkte um 50 Prozent zur Not mehrere Jahre verzichten, ohne die Nerven zu verlieren?

Tatsache ist: Die Aussichten für den Aktienmarkt sind trotz hoher Stände eher gut als schlecht. Der Fondsmanager und Capital-Kolumnist Christian Bruns spricht gar von einer Jahrhunderthausse. Was nicht bedeutet, dass der Dax auch wieder auf 11.000 Punkte oder tiefer runter gehen kann. Wir wissen es schlicht nicht.

Was ebenfalls Konsens ist: Die hohen Kurse sind derzeit nicht Ausdruck einer Euphorie, oder eines „irrationalen Überschwangs“. Sie sind hoch, weil oft die Alternativen fehlen. Sie sind aber auch Ausdruck der guten wirtschaftlichen Lage.

Deutschland feiert weiter Rekorde

Neben den 13.000 gab es in dieser Woche nämlich eine weitere, weitaus kleinere, aber ebenso wichtige Zahl: zwei. Deutschland steuert 2018 erneut auf ein wirtschaftliches starkes Jahr zu, die Prognosen wurden auf zwei Prozent Wachstum angehoben. Mit Folgen für den Arbeitsmarkt: Die Regierung rechnet mit 660.000 mehr Erwerbstätigen in diesem und weiteren 500.000 im kommenden Jahr – die Gesamtzahl würde auf 44,8 Millionen steigen und die Arbeitslosigkeit auf 5,5 Prozent sinken. Deutschland feiert also weiter Rekorde.

Klar, da kann immer noch ein harter Brexit, ein wilder Trump oder ein verrückter Nordkoreaner dazwischenkommen. Auch der Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik könnte holpriger verlaufen, wenn die Notenbanken beim Timing kein glückliches Händchen haben. Aber wer dauernd auf eine mögliche schlechte Zukunft wartet, verpasst womöglich die gute.

Sollten Sie also immer noch hadern, ob man noch einsteigen kann, kann man nur sagen: natürlich. Sie können auch bei einem Dax von 14.000 noch einsteigen. Wenn Sie dran bleiben und eine Strategie haben – und nicht bei einem Einbruch des Dax auf 11.000 panisch verkaufen.