KolumneDanke, Mario Draghi!

EZB-Chef Mario Draghi: Seine Amtszeit neigt sich dem Ende zu
EZB-Chef Mario Draghi: Seine Amtszeit neigt sich dem Ende zuGetty Images

„German Angst“ steht im englischen als Begriff für die Zaghaftigkeit der Deutschen. Man könnte es auch übersetzen mit Feigheit oder Verlustängsten vor allem Möglichen. Wer als Deutscher auf Mallorca ein Auto leiht, schließt lieber noch eine Zusatzversicherung für kaputte Reifen ab, obwohl man im Schnitt alle zehn Jahre mal einen platten Reifen hat auf europäischen Straßen. Bei der Geldanlage wollen die Deutschen immer solide Zinsen auf dem Sparbuch und bloß keine Aktien.

Der aus dem Amt scheidende Chef der Europäischen Zentralbank Mario Draghi hinterlässt als Vermächtnis nicht nur Nullzinsen, er könnte die Deutschen sogar in den Aktienmarkt zwingen. Und das wäre gut so. Denn für Amerikaner ist der Kauf von Aktien völlig selbstverständlich bei der Altersvorsorge, Spanier oder Italiener erwerben auf Kredit Wohnungen und Häuser. Hierzulande wurde viel zu lange auf Lebensversicherungen oder Festgeld gesetzt. Das wird nie wieder Erfolg bringen.

Denn am vergangenen Donnerstag um 13.45 Uhr konnten die Anleger einmal mehr sehen, wohin die Reise geht. Den Kurs des Euro zum US-Dollar indizierte der Broker Etoro Sekunden nach der Pressemitteilung der EZB schon unter 1,13 Dollar. Die zehnjährige Bundesanleihe bringt so gut wie nichts und für fünfjährige muss man sogar Geld mitbringen. Nirgends auf dieser Welt gibt es ein verbrieftes Recht auf Zinsen und wenn sich Konjunktur nur noch mit Geld stimulieren lässt, Bevölkerungen wie in Japan oder der Eurozone nicht mehr wachsen – dann bleibt der Zins ewig bei null. Nimmt man die Inflation dazu erleidet also jeder, der es nicht kompensiert, reale Vermögensverluste.

Ohne Aktien geht nichts

Wie das geht, zeigt der Dax. Die Daten des Börsenplatzes Gettex bei der Börse München spucken für den Dax eine durchschnittliche Dividendenrendite von mehr als drei Prozent aus. An Aktien führt kein Weg vorbei und der deutsche Kleinsparer muss ob er will oder nicht in den Risikoapfel Aktie beißen. Das Schöne daran – er kann sich vom devoten und ausgesprochen kleinmütigen Begriff „Kleinsparer“ freimachen und Mario Draghi hat geholfen, diesen Weg anzustoßen. Mit Aktien, die man im Übrigen heutzutage bei Brokern fast kostenfrei handeln kann, ist der deutsche Sparer dann Eigentümer an Unternehmen. Nichts anderes ist die Aktie.

In der Auswahl sollte man sich jedoch auf das Aktiendirektinvestment, Indexzertifikate, ETFs oder Sparpläne auf eben solche Vehikel konzentrieren. Aktive Fonds werden zwar immer wieder brillant vermarktet, sie fressen durch ihre hohen Gebühren aber reichlich Rendite auf und schlagen, wie 2018 wieder einmal zu sehen war, in der großen Masse nicht den Gesamtmarkt. Das Geld für den aktiven Fondsmanager kann man sich bis auf wenige Ausnahmen also sparen.

Danke von den Häuslebauern

Übrigens gibt es noch eine Gruppe, die Mario Draghi herzlich Danke sagen kann – Immobilienbesitzer oder Häuslebauer auf dem Land. Denn wer mutig war und frühzeitig Eigentum erworben hat, der freut sich über Wertzuwachs. Wer es jetzt aktuell noch tun will, der freut sich über niedrige Zinsen. „Die effektiven Zinsen für einen Baukredit über 20 Jahre liegen unter zwei Prozent“, bestätigt Matti Greenspan vom Broker Etoro. Bei einem Kredit über fünf Jahre liegt man unter einem Prozent. Da braucht es dann nur noch italienische Gelassenheit und Mut statt „German Angst“.