Global Wealth ReportCorona bremst Wachstum von Privatvermögen

Binnen 20 Jahren ist die weltweite Zahl der Millionäre auf 24 Millionen Menschen angewachsen. Die meisten von ihnen stammen aus den USAimago images / Levine-Roberts

Auf 226,4 Billionen US-Dollar beläuft sich das weltweite Privatvermögen Ende 2019, bilanziert der „Global Wealth Report 2020“ des Beratungsunternehmens Boston Consulting Group. Auf Millionäre entfiel mehr als die Hälfte dieser Summe. Damit besaßen im vergangenen Jahr 24 Millionen Menschen weltweit ein Privatvermögen von mindestens 1 Mio. US-Dollar. Bis zur Corona-Krise standen für sie und ihr Vermögen alle Zeichen auf Wachstum: Seit 1999 hat sich sowohl die Zahl der Millionäre als auch das weltweite Privatvermögen verdreifacht.

Daran haben auch die geplatzte Dotcom-Blase und die Finanzkrise nicht viel geändert. „Trotz mehrerer Krisen entwickelte sich das Vermögenswachs­tum robust“, sagt Anna Zakrzewski, BCG-Partnerin und Autorin der Studie. Grund für den jahrelangen Auftrieb sei vor allem die positive Entwicklung an den Kapitalmärkten gewesen. Besonders steil nach oben ging es dabei im vergangenen Jahr. 2019 stieg das weltweite Privatvermögen währungsbereinigt um 9,6 Prozent. Den letzten Anstieg dieser Form gab es zuletzt vor 15 Jahren – vor der Finanzkrise.

In ihrem „Global Wealth Report“ untersucht BCG seit 20 Jahren die Entwicklung des weltweiten Privatvermögens. Die Analyse berücksichtigt 97 Märkte. Zum Privatvermögen zählen dabei Aktien, Fonds, Anleihen, Bankkonten und Lebensversicherungen.

Vermögen in Deutschland wächst moderat

In Deutschland stieg das Privatvermögen um 6,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mit einem Gesamtwert von 7,7 Billionen US-Dollar liegt die Bundesrepublik damit weltweit auf Platz fünf hinter den USA (94,2 Billionen US-Dollar), China (23,8 Billionen US-Dollar), Japan (17,6 Billionen US-Dollar) und Großbritannien (9,7 Billionen US-Dollar). „Der Anstieg ist zum einen auf die starke Entwicklung des Dax zurückzuführen“, sagt Zakrzewski. „Zum anderen auf das erfolgreiche volkswirtschaftliche Jahr 2019 mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukt zum zehnten Mal in Folge.“

Im Vergleich zu den USA sei das Wachstum beim Privatvermögen aber eher moderat ausgefalleb. Auch in den aufstrebenden Märkte sei das Vermögen in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. 2019 entfällt rund ein Viertel des weltweiten Privatvermögens auf Schwellenländer – fast die Hälfte davon auf China.

Konservative Anlagen könnten in Corona-Zeiten von Vorteil sein

Das mäßige Vermögenswachstum in Deutschland hängt aber auch mit der Anlagestrategie hierzulande zusammen. 40 Prozent des deutschen Privatvermögens besteht aus Spareinlagen und Bargeld. Das ist ein Zehntel mehr als im Durchschnitt Westeuropas. „2019 haben Deutsche eine gute Chance der Vermögenssteigerung verpasst. In Zeiten von Corona, wo eine höhere Volatilität der Märkte zu erwarten ist, kann ein konservatives Anlageverhalten allerdings auch von Vorteil sein“, so Zakrzweksi.

Zwar wächst das Privatvermögen auch nach der Corona-Krise weiter, dem bisherigen Aufwärtstrend verpasst die Pandemie aber einen erheblichen Dämpfer. Weltweit rechnet der Bericht mit einem weltweiten Vermögenswachstum von 4,5 Prozent im besten und 1,4 Prozent im schlechtesten Fall. Damit bremst die Pandemie das Wachstum im Privatvermögen so stark wie zuletzt vor elf Jahren.

In Deutschland könnte das Vermögen um 2,5 bis 4,2 Prozent zulegen und auf einen Gesamtwert zwischen 8,8 und 9,5 Billionen US-Dollar wachsen. Zum Vergleich: Prognosen in 2019 hatten noch mit einem weltweiten Vermögenswachstum von 5,7 Prozent pro Jahr und von 4,6 Prozent in Deutschland gerechnet.

 


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