Capital erklärtWas Sie über den Run auf Staatsanleihen wissen müssen

Der Trend um Staatsanleihen hat eine neue Dimension erreicht
Der Trend um Staatsanleihen hat eine neue Dimension erreichtPixabay


In unserer Reihe Capital erklärt geben wir einen komprimierten Überblick zu aktuellen Wirtschaftsthemen. Diesmal: der jüngste Run auf Staatsanleihen – mit Capital-Finanzredakteurin Nadine Oberhuber


Warum gelten Staatsanleihen unter Anlegern als so sicher?

Viele Anleger mögen Staatsanleihen, weil sie damit einem Staat ein verzinstes Darlehen geben und die Wahrscheinlichkeit, dass ein ganzes Land pleite geht und damit als Schuldner ausfällt, im Normalfall sehr gering ist. Daher ist das Ausfallrisiko, dass diese Papiere über die Jahre wertlos werden, im Vergleich zu anderen Wertpapieren extrem gering. Das gilt zumindest für Staaten, die aktuell eine gute Bonitätsnote von den Ratingagenturen bekommen. Dazu gehört vor allem die Bundesrepublik, klassischerweise aber auch die Schweiz und Japan.

Außerdem werfen Staatsanleihen regelmäßig sichere Zinsen ab, Rentenpapiere heißen sie deswegen auch. Das ist ebenfalls ein Argument dafür, sie lange zu halten. Inzwischen sind die Zinsen allerdings winzig – oder vielfach sogar negativ – insbesondere für Staatsanleihen, die als sehr sicher eingestuft werden.

Was bedeuten die Negativzinsen auf besonders sichere Staatsanleihen?

Die Negativzinsen bedeuten zunächst einmal, dass diejenigen, die solche Anleihen kaufen, gar keine Zinsen mehr bekommen, sondern im Gegenteil ein Minusgeschäft damit machen – jedenfalls zum jetzigen Stand.

Minusrendite: Bundesanleihe mit zehnjähriger Laufzeit


source: tradingeconomics.com

Warum kaufen die Leute solche Papiere trotzdem?

Momentan ist viel flüssiges Geld an den Kapitalmärkten vorhanden, dass die Investoren irgendwie anlegen wollen – aber die Aussicht für die Aktienmärkte und die Konjunktur ist nicht mehr so rosig wie in den vergangenen Jahren. Außerdem schwelen nun seit Monaten die Handelsstreitigkeiten zwischen Amerika und China, die der Weltwirtschaft einen gehörigen Dämpfer verpassen könnten. Also suchen die Anleger nach sicheren Papieren, die wenig von einem Börsencrash betroffen wären – und kaufen Anleihen. Wenn das massenhaft geschieht, dann treibt das die Anleihenkurse in die Höhe.

Außerdem senken zurzeit die Notenbanken ihre Zinsen, das treibt die Anleihenkurse noch weiter, denn: Neue Anleihen werden nun mit schlechteren Zinsen auf den Markt gebracht. Dadurch sind die alten Papiere wertvoller und noch mehr Anleger reißen sich um sie. So kommt es zum typischen Anleihenmuster: Der Kurs des einzelnen Papiers steigt bei größerer Nachfrage, der zugesicherte Zinssatz – der Kupon – bleibt aber über die Laufzeit gleich, also sinkt die Rendite, die das Papier abwirft. Das ergibt die Negativrendite.