AktiensplitApple und Tesla - mehr Aktien fürs Geld

Die Tesla-Aktie ist rasant nach oben geschossenGetty Images

Es klingt wie die größte Rabattaktion der Börse: „Kaufe eine Aktie – und erhalte gleich vier!“ Oder sogar fünf. Das ist das Versprechen, dass ein paar Börsenkonzerne derzeit ihren Anlegern machen. Und natürlich schlägt das Hirn vieler Anleger auf diesen Slogan an. Zumal es beileibe keine Ladenhüter sind, die hier unters Aktionärsvolk gebracht werden sollen, sondern ganz im Gegenteil zwei der beliebtesten Konzerne der Welt: Es sind Apple und Tesla, die ihren Anteilseignern ab kommender Woche mehr Aktien fürs Geld versprechen.

Und wer weiß, vielleicht folgen ja Amazon und Netflix bald nach? „Alle reden jedenfalls derzeit darüber“, heißt es an der Wall Street – gemeint ist der Aktiensplit, den die Börsendickschiffe Apple und Tesla vollziehen. Und viele andere Unternehmen denken offenbar ebenfalls darüber nach, also über die Aufteilung ihrer Aktien in kleinere Stückelungen.

Doch richtige Rabattaktionen sind das natürlich nicht, denn der Aktiensplit bedeutet: Jeder Anleger, der bisher eine Apple-Aktie besitzt, hat Anfang nächster Woche vier Stück im Depot, bei Tesla sind es dann fünf Stück, allerdings wird auch der Aktienkurs dementsprechend geviertelt beziehungsweise gefünftelt. Damit ist die Apple-Aktie nicht mehr rund 400 Euro wert, wie derzeit, sondern nur noch gut 100 Euro. Und Tesla notiert dann nicht mehr bei rund 1920 Euro (in Dollar notiert Tesla jetzt über der 2000er Marke), sondern steht dann bei rund 385 Euro.

Auch der Gesamtanteil jedes Aktionärs bleibt also exakt derselbe. So gesehen ist der Aktiensplit eher ein Nullsummenspiel für die Aktionäre. Für die Firmen übrigens auch: Sie vervielfachen damit zwar die Zahl der im Umlauf befindlichen Aktien, aber auch an ihrer Marktkapitalisierung ändert sich dadurch im Grunde gar nichts.

Die Aktie wirkt nach dem Split billiger

Warum machen die Unternehmen es dann trotzdem? Weil so ein Aktiensplit natürlich eines bewirkt: Jeder Anteilsschein wird günstiger für neue Käufer. Und wenn eine Apple-Aktie künftig nur noch 100 Euro kostet statt 400, dann steigen vermutlich mehr Privatanleger ein, die sich die Erfolgsaktie als Einzelwert ins Depot legen wollen. Gerade bei Tesla wird das wohl noch eher der Fall sein: Viele Interessenten wird zuletzt wohl der enorme Kurs abgeschreckt haben: Mindestens 2000 Dollar auf ein einzelnes Unternehmen setzen, dessen Aktien so stark auf und abrotiert sind wie zuletzt? Das Risiko werden viele gescheut haben. Aber wenn es „nur“ knapp 400 Euro sind, dann kann man schon eher einen Kauf wagen.

Das Kalkül der Firmen ist also: Der niedrigere Preis vergünstigt optisch die Aktien und spricht eine größere Zahl von Kleinaktionären an, die sich das Papier ins Depot legen. Die Schar der Anteilseigner wird für die Streubesitzaktien also breiter. Es stabilisiert auch eher die Kurse, wenn nicht bloß wenige Großinvestoren die Anteile halten. Zumindest nach dem Split.

Im Vorfeld der Teilung kommt es dagegen häufig zu größeren Kursausschlägen – nach oben. Das heißt: Allein die Ankündigung eines Splits löst oft eine kleine Sonderrally aus. Es sind also vor allem die Altaktionäre, die erst einmal vom Split profitieren.

Die Apple-Aktie stieg allein auf Wochensicht um sechs Prozent von 400 Euro auf 423 und legte direkt nach Ankündigung des Splits zwischenzeitlich 35 Euro zu. Auch Tesla nahm nach Ankündigung des Splits Mitte August noch einmal mächtig Fahrt auf: Am 11. August stand der Kurs noch bei 1170 Euro. Zehn Tage später waren es 1600 Euro, inzwischen strebt die Aktie auch in Euro auf die 2000er Marke zu. Sie verdoppelte also beinahe auf Monatssicht ihren Wert. Es dauerte zuerst zehn Jahre, bis Tesla bei 300 Euro stand. Dann knapp ein Jahr bis zur Verdopplung auf 600, dann weitere drei Monate zur weiteren Verdopplung auf 1200 und seitdem nur einen guten Monat bis auf die „beinahe 2000“. Der Kurs explodiert geradezu. Wenn es so weitergeht, wird schon bald der nächste Split fällig sein.

Tesla Aktie

Tesla Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Nun mag Tesla ein Sonderfall sein. Immerhin schaffte die Aktie, was wohl keinem anderen Großkonzern an der Börse gelang: Das Papier verfünffachte seit Jahresbeginn seinen Wert. Auf Jahressicht legte der Elektroautobauer sogar um satte 880 Prozent zu. Grund dafür sind die guten Produktionszahlen, derzeit produziert Elon Musks Firma rund eine halbe Million Elektroautos pro Jahr, das hatten vor einiger Zeit noch die wenigsten kritischen Branchenbeobachter für möglich gehalten. Und der Bau neuer Fabriken sowie der angedachte Einstieg ins Energiegeschäft verleihen den Kaliforniern weiteren Auftrieb. Inzwischen wird das Unternehmen an der Börse so teuer gehandelt wie die weltgrößten Autobauer Toyota, Volkswagen, Daimler und BMW zusammen.

Auf die Fundamentaldaten kommt es an

Aber auch Apple – einer der bisher eifrigsten Aktiensplitter – hat rückblickend immer schneller seinen Wert gesteigert: Im Jahr 1999 teilte der Computergigant zum ersten Mal seine Anteile, damals war er noch weniger als 80 Dollar wert und fürchtete die Dreistelligkeit. Bis 2015 war die Apple-Aktie weniger als 100 Euro wert und erst 2019 stieß sie an de 200-Euro-Marke. Inzwischen ist sie weit darüber hinausgeschossen und hat sich auf Jahressicht mehr als verdoppelt. Wer 1986 bereits auf den Microsoft-Rivalen setzte und 100 Aktien kaufte (für weniger als 8000 Euro), der hätte nach fünfmaligem Split nächste Woche satte 22.400 Aktien im Depot. Die dann immerhin rund 2,24 Mio. Euro wert wären.

Solche Zahlen sind es, die vielen Kleinanlegern nun den Mund wässrig machen, zu den kleineren Kursen doch noch bei diesen beiden Werten einzusteigen. Und noch einmal: Es ist wohlgemerkt nicht der Split, der die Kurse auch tatsächlich langfristig steigen lässt. Aber es sind gerade jene Unternehmen, deren Kurse recht unkontrolliert in die Höhe schießen, die gern zum Split greifen.

Letzten Endes müssen Anleger immer die Fundamentaldaten betrachten, um abschätzen zu können, ob sich ein Einstieg bei dieser Aktie lohnt. Im Falle dieser beiden Börsengiganten aber kann man zu den kleineren Preisen durchaus den Kauf wagen. Auch wenn man dann ab nächster Woche für 100 oder 400 Euro jeweils nur eine Aktie bekommt – und nicht vier oder fünf.

 


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