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Erst Amazon, bald Tesla Das müssen Sie über Aktiensplits wissen

Amazon Tesla Aktiensplit Stock Split
Amazon-Lager im kanadischen Montreal
© IMAGO / ZUMA Press
Amazon hat jüngst einen lang angekündigten Aktiensplit durchgezogen, andere Tech-Unternehmen wie Tesla wollen nachziehen. Was der Kniff für Privatanleger bedeutet

Apple und Amazon haben es bereits getan, Tesla und Alphabet wollen es noch tun: einen Aktiensplit. Die US-Tech-Konzerne haben nach dem Hype der vergangenen Jahre und zum Teil großzügigen Aktienrückkaufprogrammen so hohe Kurse, dass es für viele Privatanleger kaum noch möglich ist, einzusteigen, ohne dass sich ein Klumpenrisiko im Depot bildet. Ein Aktiensplit macht den Kurs optisch attraktiver.  

Doch was bedeutet das Teilen von Aktien eigentlich für Privatanleger und Unternehmen? Antworten auf die fünf drängendsten Fragen:

Was passiert bei einem Aktiensplit?

Um den Aktiensplit zu verstehen, können Anleger sich den Börsenwert eines Unternehmens als eine Pizza vorstellen. Jeder Anleger hält über seine Aktie ein kleines Stückchen dieser Pizza in seinem Depot. Als Amazon am 6. Juni seine Aktien im Verhältnis 1 zu 20 splittete, zerschnitt der Online-Einzelhändler jedes dieser Stückchen in zwanzig noch kleinere Stückchen. Anleger mit einer Aktie halten nach der Teilung also zwanzig Aktien. Der Kurs verringert sich entsprechend. Beispiel Amazon: Der Split fand bei einem Kurs von 2447 Dollar statt, danach stand der Kurs bei einem Zwanzigstel, also bei 122,35 Dollar. Die Datenanbieter passen die Kurse jedoch im Idealfall so an, dass ein Aktiensplit nicht aussieht wie ein krasser Absturz, sondern optisch nahtlos weiterläuft.

Was verändert sich bei einem Aktiensplit?

Außer, dass der Börsenwert in kleinere Stückchen aufgeteilt ist, verändert sich fundamental nichts. Die Bewertung, etwa nach dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), bleibt gleich. Im Falle der Tech-Aktien ist diese nach der Rally der vergangenen Jahre meist hoch. Obwohl die Aktie wieder erschwinglich wirkt, ist sie also immer noch teuer. Bei Amazon steht das KGV nach wie vor über 50, als günstig gilt ein Stand von etwa 20. Die Dividenden werden künftig ebenfalls kleiner gestückelt, Anleger erhalten also unterm Strich bei der Ausschüttung die gleiche Summe.

Lohnt sich der Einstieg nach einem Aktiensplit?

Ob eine Aktie mehrere tausend oder doch nur ein paar hundert Euro kostet, macht vor allem für Privatanleger einen großen Unterschied. Viele können sich den Einstieg dann überhaupt erst leisten. Deshalb kommt es meist unmittelbar nach dem Aktiensplit zu einem Kursanstieg. Das Beispiel Amazon zeigt aber auch, dass sich das Unternehmen deshalb nicht dem derzeit grundsätzlich negativen Börsentrend entziehen kann. Nach der Teilung stieg etwa der Amazon-Kurs um zwei Prozent und damit mehr als der US-Tech-Index Nasdaq, der gleichzeitig lediglich 0,4 Prozent zulegte. Auch das Handelsvolumen lag höher als sonst. Doch danach gab der Kurs wieder nach, seit dem 7. Juni ist er sogar um rund 13 Prozent gefallen. Ein Aktiensplit sagt also nichts darüber aus, ob aktuell ein guter Einstiegszeitpunkt ist.

Was versprechen sich Unternehmen von einem Aktiensplit?

Der Wall-Street-Trend zum Aktiensplit hat eine klare Motivation: Die Unternehmen sichern sich damit einen Platz im US-Index Dow Jones, einer der wenigen Aktienlisten weltweit, die nach Preis und nicht nach Marktkapitalisierung gewichtet. Unternehmen, deren Preis im Verhältnis sehr hoch ist, haben deshalb einen enormen Einfluss auf den Gesamtindex, bricht ihr Kurs ein, rauscht der Index mit in die Tiefe. Weil eine Aufnahme in das vor 126 Jahren aufgelegte Aktienbarometer jedoch als Ritterschlag gilt, hat vor Amazon bereits Apple regelmäßig Aktiensplits durchgeführt, um nicht zu dominant zu werden.

Tesla jedoch begibt sich mit der Ankündigung eines Aktiensplits lediglich ins Fahrwasser der Technologiegiganten. Ein Einstieg in den Dow Jones steht beim Elektroautobauer wahrscheinlich – der Indexbetreiber äußert sich offiziell nicht dazu – noch gar nicht an. Die Tesla-Aktie ist zudem mit einem Kurs von aktuell 624 Dollar längst nicht auf dem Preisniveau von Amazon vor dem Split oder der Google-Mutter Alphabet, die bei 2075,50 Euro notiert. Das legt den Verdacht nahe, dass Tesla-Chef Elon Musk mit dem Split, über den die Aktionäre Anfang August auf der Hauptversammlung abstimmen sollen, vor allem Kurspflege betreiben möchte. Dass er damit den allgemein negativen Trend nachhaltig drehen kann, ist jedoch nicht zu erwarten.

Wären Aktienrückkäufe besser für den Kurs?

Amazon hat zeitgleich mit dem Split im Frühjahr zum ersten Mal seit 2016 ein Aktienrückkaufprogramm über 10 Mrd. Dollar angekündigt. Dabei kauft das Unternehmen Aktien vom Markt. Da sich die Zahl der Wertpapiere so verringert, steigt der Wert einzelner Aktien an. Mit solch einem Programm wollen Unternehmen beweisen, dass sie bereit sind, den Kurs in schlechten Zeiten zu stützen und senden so ein positives Signal an die Aktionäre. Auch wenn ein Aktienrückkaufprogramm nicht an einem fixen Termin zu einem Kursanstieg führt, ist es doch das stärkere Einstiegssignal als ein Aktiensplit.

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