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  • Mein digitales Leben

Papierloses Dasein

, Georg Dahm

Wir alle brauchen ständig neue Technik. Georg Dahm lotst uns durch den digitalen Dschungel. Diesmal: ein Leben ohne Papier

Büro
Ein Traum: Schreibtisch ohne Papierstapel

Georg Dahm ist Journalist und Gründer des Wissenschaftsmagazins „Substanz“


Georg Dahm ist Journalist und Gründer des Wissenschaftsmagazins "Substanz". Für Capital schreibt er die Kolumne "Mein digitales Leben"


Die Dunkelheit gegen das Licht. Apple gegen Samsung. Schalke gegen Dortmund. Der Highlander gegen diese ganzen anderen Knallchargen: Die Geschichte der Menschheit ist voll von epischen Schlachten, die die Äonen überdauern.

Eine der größten Schlachten allerdings ist die des mobilen Menschen gegen das Papier. Durchaus gibt es hier Zwischensiege zu vermelden: Nie werde ich das Triumphgefühl vergessen, als ich meinen Wust zerfledderter Notizzettel samt dem sie beherbergenden Taschenkalender in meinen ersten Palm Pilot überführte (für die jüngeren Leser: Das war so etwas wie ein Smartphone, mit dem man nicht telefonieren konnte).

Der Triumph war kurz: Das Papier schlug zurück, zum Beispiel mit zerknitterten Bewirtungsbelegen auf Thermopapier, die vor der Spesenabrechnung verbleichten. Es schlug zurück mit wichtigen Visitenkarten, die im entscheidenden Moment im anderen Sakko steckten. Es schlug zurück mit verlorenen Formularen, die die Behörde nicht zum Download bereitstellte.

Ja, das Papier ist stark. Viele Waffen wurden uns angeboten, es zu bändigen. Handscanner, mit denen wir Dokumente bahnweise abfahren können, um am Computer ein halbwegs intaktes Ganzes daraus zu machen. Apps, mit denen sich kleinere Papiere leidlich abfotografieren lassen. Spaß macht das nicht. Bewährt hat sich dagegen mein kleiner batteriebetriebener DIN-A4-Scanner Doxie Go, der auch Bons und Visitenkarten problemlos durchzieht. Noch besser gefällt mir der neue Fujitsu ScanSnap iX100, der für 30 Euro mehr WLAN, Tablettauglichkeit und sehr gute Verarbeitungssoftware mitbringt.

Zur Bändigung der Notizen preist man uns elektronische Stifte an, die mithilfe eines an den Schreibblock geklemmten Sensors alle Notizen in den Computer übertragen, das Resultat erinnert an expressionistische Radierungen.

Die Notizbücher von Moleskine gibt es in einer Variante, bei der sich die Seiten zum Einspeisen in die Online-Ablage Ever­note gut abfotografieren lassen. Man soll auch bunte Sticker auf die Seiten kleben können, damit Evernote automatisch Schlagworte zuweist (ja, das ist so nervig, wie es klingt). Das Evernote-Siegel trägt auch der Digitalstift Adonit Jot Script, mit dem man auf iOS-Geräten in papierartiger Präzision schreiben kann. Meine Assoziationen gingen allerdings eher in Richtung Faustkeil.

Wer das Papier überwinden will, muss anerkennen: Es schreibt sich darauf einfach besser. Weswegen ich sehr angetan bin von den Livescribe-Digitalstiften: Hier nimmt eine Kamera in der Spitze auf, was ich mit der Kugelschreibermine notiere, und überträgt es präzise auf Computer oder Tablet. Bei Interviews und Vorlesungen kann ich eine Tonaufzeichnung machen und hinterher nachhören, was genau bei welcher Notiz gesprochen wurde. Ja, dafür ist Spezialpapier nötig. Aber hier zahle ich den Aufpreis wenigstens dafür, dass ich mir Arbeit erspare, anstatt mir neue aufzuhalsen. Wenn ich Sticker einkleben will, kaufe ich mir ein Panini-Album.

Allesfresser

Fujitsu

Der batteriebetriebene A4-Scanner Fujitsu ScanSnap iX100 verbindet
sich per WLAN mit Rechner, Tablet oder Smartphone
(220 Euro, fujitsu.com)

Tafeldienst

Tabletstift

Der Tabletstift Adonit Jot Script Evernote Edition koppelt sich
per Bluetooth mit iOS-Geräten
(70 Euro, evernote.com)

Backup

Livescribe

Beim Livescribe 3 verarbeitet
eine App Notizen und Tonaufzeichnungen, braucht Papier
mit einem Spezialraster
(140 Euro, livescribe.com)

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