GastbeitragZwingt die Konzerne, ihre Rechnungen zu zahlen!

Markus VäthPR

In der Corona-Krise geht es für viele Unternehmen ums Überleben. Manche haben ein finanzielles Polster, die meisten mögen auch gut aufgestellt sein. Aber letztlich wird ein längerer Shutdown auch für das robusteste Unternehmen existenzbedrohend. Daher wird viel diskutiert über KfW-Kredite, ob sie jetzt zu bürokratisch vergeben werden oder ob die Höhe angebracht ist. In sozialen Netzwerken werden Links gepostet zu den Soforthilfe-Seiten der Landesregierung, und es werden Solidaritätsaktionen ins Leben gerufen.

Das ist alles gut gemeint und sicher nicht verkehrt. Trotzdem bleibt in dem ganzen Hin und Her um Unternehmenskrisen und staatliche Eingriffe eine Sache bemerkenswert unerwähnt: die Zahlungsmoral großer Unternehmen, vor allem von Konzernen gegenüber ihren kleineren Lieferanten und Dienstleistern.

Lieferanten müssen lange auf ihr Geld warten

Gerade Konzerne haben gegenüber ihren kleineren Lieferanten oft ein Zahlungsziel von 60, 90 Tagen oder mehr. Manchmal spielen sie sogar extra auf Zeit oder erpressen ihre Lieferanten mit der Macht des Stärkeren. Fragt man dann nach zwei Monaten als (kleiner) Mittelständler nach, wo denn das Geld bliebe, verweist der Mensch aus der Konzernbuchhaltung auf die „internen Prozesse“, die nun mal so lange bräuchten.

Mit Verlaub: Das ist – und war schon immer – eine Frechheit. Man möchte solchen trägen Tankern zurufen: Dann bringt mal eure Prozesse in Ordnung! Denn im Grunde sind die hinausgezögerten Gelder nichts anderes als zinslose Darlehen der kleinen Mittelständler an die Konzerne. Diese arbeiten mit dem Geld, das sie eigentlich ihren Lieferanten zahlen müssten. Oder glauben Sie, in den 60, 90 oder mehr Tagen schlummern diese Beträge unter irgendeiner Vorstandsmatratze?

Sind überlange Zahlungsziele von zwei, drei Monaten oder mehr schon in guten Zeiten im Grunde eine Frechheit, sind sie es in der aktuellen Krise, in der vor allem kleine und mittlere Unternehmen ums Überleben kämpfen, schlicht unanständig und unsolidarisch. KfW-Kredite, Soforthilfen, Solidaritätsaktionen: alles hilfreich und okay, aber nutzen wir doch zuerst das selbstverständlichste Instrument der Wirtschaft überhaupt: dass man seine Rechnungen zeitnah bezahlt.

Bessere Zahlungsmoral per Gesetz

Darum hier ein Vorschlag für die aktuelle Krisensituation: Warum zwingt man nicht Konzerne per Gesetz, sagen wir bis zum 20. April, alle offenen Rechnungen ihrer Zulieferer zu bezahlen? Denn Konzerne haben den langen Atem, sich das Geld vom Staat zurückzuholen. Die kleineren Firmen nicht. Denen wird der Stecker gezogen, während Konzerne in der Regel als „too big to fail“ angesehen werden. Darüber hinaus könnte man zum Beispiel ein Gesetz verabschieden, das Zahlungsziele von mehr als vierzig Tagen im B2B-Bereich grundsätzlich verbietet.

Als Unternehmer, als Mensch und als Ehrbarer Kaufmann erwarte ich gerade von Konzernen, die die deutsche Wirtschaft nach innen und außen verkörpern, dass sie ihren kleineren Partnern und Lieferanten gegenüber eine bessere Zahlungsmoral an den Tag legen und nicht auf das Recht des Stärkeren setzen. Das wäre tatsächlich einmal ein Zeichen für wirtschaftliche Solidarität und für die vielzitierte „Partnerschaft auf Augenhöhe“, die so viele Konzerne für das Verhältnis zu ihren Lieferanten reklamieren.

 


Markus Väth ist Co-Founder und Geschäftsführender Gesellschafter der Humanfy GmbH. Als einer der profiliertesten New-Work-Coaches im deutschsprachigen Raum begleitet er Unternehmen zu den Themen New Work, Management und Führung. Er ist Initiator der New Work Charta und hat darüberhinaus mehrere Bücher zu New Work verfasst