Kolumne Zurück zu den guten alten Zeiten bei Daimler

Capital-Kolumnist Bernd Ziesemer
Capital-Kolumnist Bernd Ziesemer
© Martin Kress
Bei Mercedes läuft es viel besser als erwartet. Die Strategie des Daimler-Vorstandsvorsitzenden Ola Källenius funktioniert. Nur eine Gefahr wächst

Der Daimler-Konzern präsentiert für das erste Quartal dieses Jahres Zahlen , die besser kaum sein könnten. Mit fast 5 Mrd. Euro übertrifft das bereinigte Betriebsergebnis (EBIT) die Erwartungen der Finanzanalysten um 1 Mrd. Euro. So etwas passiert in der Autowelt in diesen Zeiten selten. Vor allem im Bereich Mercedes-Benz Pkw läuft derzeit alles wie geschmiert. Die Umsatzrendite steigt dort auf 14,3 Prozent.

Die neuen Modelle verkaufen sich gut, die weltweite Nachfrage zieht an. Das allein kann die positiven Zahlen aber noch nicht erklären. Der Stuttgarter Konzern weist stolz auf einen verbesserten „Produktmix“ hin. Will sagen: Die Kunden entscheiden sich vermehrt für die teureren Limousinen, vor allem E-Autos. An diesen Fahrzeugen verdient Mercedes deutlich mehr als an der A- oder B-Klasse. Wichtig ist aber vor allem das, was Daimler mit dem schönen bürokratischen Wort „Preisdurchsetzung“ beschreibt: Es gelingt dem Konzern wieder viel besser als in den letzten Jahren, sich aus den Rabattschlachten der Branche herauszuhalten.

Daimler setzt höhere Preise durch

Mercedes kehrt damit in die guten alten Zeiten der Vergangenheit zurück. Wer vor 30 Jahren die Limousine mit dem Stern kaufen wollte, erntete nur ein müdes Lächeln, wenn er nach einem Rabatt auf den Listenpreis fragte. Allenfalls gab es ein paar Gummimatten umsonst – das war es aber auch schon. Mit der Verbreiterung der Produktpalette ging danach die Kraft zur Durchsetzung der Listenpreise Schritt für Schritt verloren. Bei der A-Klasse sah sich Mercedes schon bald im Wettlauf mit VW und japanischen Massenherstellern – und musste bei den Rabattrunden regelmäßig mitziehen.

Der neue Vorstandschef Ola Källenius will raus aus dem Rattenrennen. Mercedes fokussiert sich unter seiner Ägide wieder auf Luxuskarossen und verlangt deutlich höhere Preise als die Konkurrenz. Diese Strategie scheint sich nun auszuzahlen. Und weil Källenius gleichzeitig auch noch die Ineffizienzen in der Produktion angeht, schlägt jeder mehr verdiente Euro auch unmittelbar auf die Gewinne durch.

Risiko China

Natürlich gibt es noch viele Baustellen im Konzern. Bei Lastwagen und Bussen gelten ganz andere Gesetze als im Pkw-Geschäft. Daimler kommt dort nur auf eine Umsatzrendite von sechs Prozent – verdient also pro Fahrzeug weniger als die Hälfte als mit den Luxuslimousinen. Auch dort übertrifft der Konzern im ersten Quartal allerdings leicht die Konsensschätzungen. Gelöst sind die Probleme damit noch lange nicht.

Die größte Gefahr für den Konzern aber lauert woanders: in China . Jahr für Jahr macht sich der Konzern mehr abhängig von diesem Absatzmarkt. Auch die jetzigen guten Quartalsergebnisse gehen vor allem auf das Konto der „vorteilhaften Absatzdynamik“ in China, wie es in der Pressemeldung vom Freitag letzter Woche heißt. In den Planungen geht der Konzern davon aus, dass es auf längere Sicht so herrlich weiter geht. Umgekehrt gilt: ein Absatzeinbruch in China ließe sich kaum kompensieren. Man sollte nicht vergessen: Rund um das Reich der Mitte braut sich gerade ein veritabler geopolitischer Sturm zusammen. Die USA zeigen unter ihrem neuen Präsidenten Joe Biden eine bisher ungekannte Entschlossenheit, China in die Schranken zu weisen. Und auch in Europa kippt die Stimmung gegen China. Man würde sich als Daimler-Aktionär wohler fühlen, wenn sich der Konzern nicht noch weiter von diesem Markt abhängig machen würde.

Bernd Ziesemerist Capital-Kolumnist. Der Wirtschaftsjournalist war von 2002 bis 2010 Chefredakteur des Handelsblattes. Anschließend war er bis 2014 Geschäftsführer der Corporate-Publishing-Sparte des Verlags Hoffmann und Campe. Ziesemers Kolumne erscheint regelmäßig auf Capital.de. Hier können Sie ihm auf Twitter folgen.


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