ImpfstrategieWo es bei der Impfstoff-Produktion hakt

Die Auslieferung des Impfstoffes läuft nicht so wie geplant.imago images / Future Image

Die Welt wartet auf die Corona-Impfung. Und Impfstoffe wurden erstaunlich schnell gefunden: Schon im Dezember gab es eine Zulassung für den Biontech-Impfstoff in der EU, Anfang Januar folgte das Okay für den US-Konzern Moderna. Alles schien schnell zu gehen, doch jetzt läuft die Produktion der Impfstoffe schleppender als erhofft.

Seit dem 27. Dezember wird in Deutschland geimpft, bisher haben rund zwei Prozent der Bundesbürgerinnen und -bürger ihre erste Impfdosis erhalten. Um eine sogenannte „Herdenimmunität“ zu erreichen, müssten 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung immun gegen das Coronavirus sein. Die Impfzentren stehen vielerorts, werden aber bislang kaum genutzt – weil es noch nicht genügend Impfstoff gibt. Es hagelt Kritik, die Bundesregierung und die EU hätten früher mehr Impfstoff bestellen müssen. Doch auch die bestellten Dosen kommen derzeit nicht zuverlässig an.

Infografik: Das Wettrennen der Corona-Impfungen | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Lieferschwierigkeiten bei mehreren Herstellern

Erst teilte Pfizer – der Partner von Biontech – mit, zeitweise weniger Impfstoff an die EU liefern zu können als versprochen. Grund seien Umbauarbeiten im belgischen Werk von Pfizer. Wie Biontech mitteilt, soll das aber keine Auswirkungen auf die zugesagte Menge an Impfstoffen im ersten Quartal haben, denn schon ab dieser Woche soll wieder zum ursprünglichen Zeitplan zurückgekehrt werden. Und ab dem 15. Februar sollen die Auslieferungen sogar erhöht werden.

Wenig später folgten schlechte Nachrichten von AstraZeneca, dem britisch-schwedischen Konzern hinter dem sogenannten „Oxford-Impfstoff“: AstraZeneca reduzierte die gegenüber der EU zugesicherten Liefermengen massiv. Das soll an Produktionsproblemen beim belgischen Auftragsfertiger Novasep liegen. Die Folgen sind gravierend: Wie ein EU-Vertreter gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters sagte, falle die Zahl der Impfdosen im ersten Quartal mit 31 Millionen Stück rund 60 Prozent niedriger aus als geplant.

Ärger bei Politikern

Die Probleme sorgen für Unmut bei den Regierungen der betroffenen EU-Staaten: „Wir erwarten, dass die von den Pharmaunternehmen bestätigten Verträge eingehalten werden“, sagte EU-Ratspräsident Charles Michel gegenüber dem französischen Sender Europe 1 – und erwähnte auch „juristische Mittel“.

Italiens Ministerpräsident Guiseppe Conte schrieb auf Facebook gar von „schweren Vertragsverletzungen“ durch die Verlangsamungen der Lieferungen, die Italien und anderen europäische Ländern „enorme Schäden“ zufügten. Man werde alle rechtlichen Mittel nutzen, um die Einhaltung der vertraglichen Verpflichtungen durchzusetzen.

Wie der „Deutschlandfunk“ berichtet, war eigentlich vereinbart, dass AstraZeneca bereits vor der EU-Zulassung mit der Produktion des Impfstoffes beginnt, also schon im vierten Quartal des vergangenen Jahres. Daher stellt sich nun die Frage, wo die bereits produzierten Impfstoffdosen sind. Laut „Deutschlandfunk“ scheint die Kürzung zudem nur die EU zu betreffen – nicht Großbritannien, was von einem anderen Werk aus beliefert wird.

Komplizierte Produktion

Doch warum gibt es überhaupt Probleme bei der Impfstoff-Produktion? Insgesamt ist die Impfstoff-Produktion ein komplizierter Prozess, der nicht einfach beliebig ausgelagert werden kann. AstraZeneca nutzt einen sogenannten Vektor-Impfstoff, eine Technologie, die bereits bei Impfungen gegen Ebola eingesetzt wurde. Die Herstellung dieses Impfstoffes ist komplex, unter anderem, weil er in lebenden humanen Zellen hergestellt werden muss.

Biontech und Pfizer – und auch Moderna – verwenden einen mRNA-Impfstoff. Diese Hersteller stehen vor einer zusätzlichen Herausforderung, da sie kaum auf Erfahrungswerte zurückgreifen können. Denn bislang gab es schlicht keine Massenproduktion von mRNA-Impfstoffen – der Corona-Impfstoff ist der erste seiner Art. So gibt es eben auch keine eingespielte Zuliefererkette und kein etabliertes Produktionsnetz.

Für den Biontech-Impfstoff ist aber Besserung in Sicht: Der Impfstoff darf nun auch in einem Biontech-Werk in Marburg hergestellt werden – im Februar soll es losgehen.

 


Kennen Sie schon unseren Newsletter „Die Woche“? Jeden Freitag in ihrem Postfach – wenn Sie wollen. Hier können Sie sich anmelden