FinanzevolutionWo bleibt der Turbo für P2P‑Zahlungen?


Dirk Elsner (Foto: Sebastian Berger, Stuttgart)Dirk Elsner ist bei der DZ Bank Senior Manager Innovation und Digitalisierung. In dieser Kolumne äußert er seine private Meinung. 2008 hat er das private Wirtschaftsblog BlickLog gegründet, das mehrfach ausgezeichnet wurde.


Als ich in das Bankgeschäft einstieg, wurden als Finanzinnovationen vor allem neue Produkte im Investmentbanking gefeiert, wie Futures, Floating Rate Notes, Swaps oder Zero Bonds. Heute interessiert das nur noch Spezialisten. Der Begriff der Finanzinnovation wird derzeit vor allem mit digitaler Finanztechnologie (Fintech) verbunden. Aber auch die heutigen Finanzinnovationen sind selten revolutionäre Durchbrüche, die als spontane Idee entstanden sind und sich wie ein Phönix aus der Asche über alles bisher Dagewesene erheben, wie der Innovationsforscher Steven Johnson in seinem Buch “Wo gute Ideen herkommen” schreibt.

Nach Johnson entstehen gute Ideen meist aus vorhandenen Einzelteilen und Fähigkeiten. Er schreibt: „Ideen sind wie Basteleien, zusammengebaut aus ebenjenen angestaubten Überresten des schon immer Dagewesenen. Wir übernehmen bereits vorhandene Ideen oder welche, über die wir zufällig gestolpert sind, und fügen sie zu etwas Neuem zusammen.“ Johnson sieht in den Innovationsmustern der Wirtschaftspraxis eine Analogie zur biologischen Welt, „denn auch in der Natur entstehen Innovationen aus Ersatzteilen. Die Evolution bedient sich der zur Verfügung stehenden Ressourcen und verbindet sie zu etwas Neuem“. Johnson spricht vom „Nächstmöglichen“:

„Dieser Ausdruck spiegelt sowohl die Grenzen als auch das schöpferische Potenzial von Veränderung und Innovation wider. … Das Nächstmögliche sagt uns, dass die Welt sich zwar jeden Moment verändern kann, aber nicht auf beliebige Art. Das Geheimnisvolle und zugleich Wunderbare am Nächstmöglichen ist, dass sich seine Grenzen erweitern, je mehr wir sie erforschen. Jede Neukombination rückt weitere Kombinationen in den Bereich des Nächstmöglichen.“

Damit bewegt sich Johnson auf dem Pfad von Erik Brynjolfsson und Andrew McAfee, über die ich in einer Kolumne über „Die Macht der Neukombination“ geschrieben hatte.

Bisher kein Massengeschäft in Deutschland

In der Welt des Bezahlens von Leistungen kann man die Evolution aus Neukombination und Schaffung neuer Produkte aus dem Nächstmöglichen derzeit hervorragend beobachten, wenn man zum Beispiel auf das Anwendungsfeld der P2P-Zahlungen schaut. Hier probieren zahlreiche nationale und internationale Akteure derzeit viel aus. P2P-Payments steht dabei für Peer-to-Peer oder verständlicher Person-zu-Person-Zahlung per digital vernetztem Gerät (etwa Smartphone oder Uhr) zwischen Privatpersonen oder zwischen Personen und Unternehmen.

Im Juni hatte ich in der Kolumne Messenger-Apps drängen in den Zahlungsverkehr zuletzt über P2P-Zahlungen per Kommunikationsprogrammen wie Whatsapp, Wechat und anderen geschrieben. Daneben stehen Stand-alone Lösungen mit einer eigenen App für Smartphones. Hier haben sich in Deutschland zum Beispiel Cringle (in die gerade der Springer Verlag investiert hat), die gerade veröffentlichte App Cookies und Lendstar positioniert. Im Bargeldland Deutschland ist das „Bezahlen unter Freunden“, anders als in den USA und in China, bisher kein Massengeschäft. Dabei ist die Zahlung denkbar bequem, wie „Deutsche Startups“ jüngst am Beispiel Cookies erläuterte:

„Mit der Cookies-App kann jeder Geld an jede Handynummer und E-Mail-Adresse senden und anfragen. Die App ermöglicht es den Nutzern deutscher Banken dann, ohne IBANs, BICs und TANs Geld zu überweisen. Auch Gruppenzahlungen sind möglich. Da jeder Nutzer sich bei Cookies zudem einen Nickname aussuchen muss, sind auch Überweisungen möglich, ohne das der Geldgeber die Telefonnummer oder Mail-Adresse seines Gegenübers kennen muss.”