BilanzWirecard: Wirtschaftsprüfer EY verweigert Testat – „CEO muss gehen“

Markus Braun, geschäftsführender Vorstand von Wirecardimago/Sven Simon

Der Krimi um den angeschossenen Dax-Konzern Wirecard geht weiter: Der Zahlungsdienstleister hat die Vorlage seines Jahresabschlusses heute erneut verschoben. Die Wirtschaftsprüfer von EY hätten für „Bankguthaben auf Treuhandkonten in Höhe von insgesamt 1,9 Milliarden Euro noch keine ausreichenden Prüfungsnachweise“ erhalten, erklärte das Unternehmen in einer Adhoc-Mitteilung. Die Treundhandkonten würden bei zwei „führenden“ asiatischen Banken liegen, heißt es weiter. Außerdem könnten Banken eine Kreditlinie über 2 Mrd. Euro kündigen.

Seit Monaten steht das Aschheimer Unternehmen, das nach einem spektakulären Wachstumskurs erst im Herbst 2018 in den Dax aufgenommen worden war, unter dem Verdacht der Bilanzmanipulation. Erst kürzlich gab es eine Razzia am Firmensitz. Wirecard hatte die Anschuldigungen stets zurückgewiesen, das Testat für den Jahresabschluss, der wegen einer Sonderprüfung bereits mehrfach verschoben worden war, sollte nun der Befreiungsschlag sein. Wann ein neuer Termin angesetzt wird, ist unklar.

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Erste Reaktionen aus dem Umfeld des Unternehmens fielen entsetzt aus, personelle Konsequenzen seien jetzt nicht mehr zu vermeiden. „CEO und CFO werden mindestens gehen müssen“, lautet die Einschätzung eines Insiders gegenüber Capital. Der Aktienkurs brach unmittelbar nach Bekanntgabe der erneuten Verschiebung um mehr als 60 Prozent ein, gegen Mittag lag er  bei 55 Euro. Wirecard teilte mit, das Unternehmen werde Anzeige gegen unbekannt erstatten. Ein Unternehmenssprecher erklärte, das Unternehmen sehe sich als mögliches Opfer eines „gigantischen Betrugs“.