MarkenmomentWie Ritzenhoff zur Lifestylemarke wird

Ritzenhoff verkauft unter dem Namen Livø eine ­eigene Edelporzellanserie
Ritzenhoff verkauft unter dem Namen Livø eine ­eigene Edelporzellanserie

Als Bernd Batthaus vor einem Jahr auf einer Messe in Guangzhou stand, wusste er: „Das ist das, was ich immer gesucht habe.“ Schon lange hatte der Chef des als Bierglashersteller bekannt gewordenen Familienunternehmens Ritzenhoff die Idee für ein neues Produkt im Kopf: eine Designserie aus besonders dünnem und leichtem Porzellan. Doch Batthaus fehlte ein Produzent, der das kann – bis er auf der Messe in Guangzhou den Stand eines Porzellanherstellers mit einer speziellen Technologie entdeckte. „Da war sofort klar: Die will ich exklusiv für Europa haben.“

Etwas mehr als ein Jahr später sind die neuen Produkte im Handel angekommen: Teller, Tassen und Schalen, dazu Gewürzmühlen, Karaffen und Besteck – insgesamt 70 Teile. Fast alles ließ Batthaus im eigenen Haus designen. „Livø“ heißt die nordisch angehauchte Edelporzellanserie, mit der er ganz neue Kundensegmente erschließen will.

Ritzenhoff sei eine relativ hochpreisige Marke, sagt der Firmenchef. „Aber bislang hatten wir das obere Drittel nicht abgedeckt.“ Seine „Livø“-Produkte verkauft er nun auch im Berliner Edelkaufhaus KadeWe oder dem Oberpollinger in München. Damit will er neue Kunden erreichen: trendig, lifestyleorientiert – und bereit, für einen schick gedeckten Tisch etwas mehr Geld auszugeben. Dafür will Batthaus sich von klassischen Porzellanmarken wie Rosenthal oder Villeroy & Boch abheben: „Ich wollte nie 20-teilige Kaffeeservice mit 30 Jahren Nachkaufgarantie machen“, sagt er.

Ritzenhoff springt ins kalte Wasser

Capital 09/2017
Die aktuelle Capital

Bis heute lebt Ritzenhoff immer noch stark von dem Geschäft, das das Unternehmen groß gemacht hat. In ihrer Fabrik in Marsberg produziert die Firma im Jahr 50 Millionen Biergläser mit Markenlogo – für viele deutsche Brauereien, aber auch für die großen internationalen Marken wie Heineken oder Carlsberg. Rund 60 Prozent des Umsatzes kommt aus dem Geschäft mit der Getränkeindustrie, in dem allerdings ein heftiger Preiskampf tobt.

Seit der Westfale Batthaus 1992 für die Eigentümerfamilie die Geschäftsführung übernahm, hat er Ritzenhoff als eigenständige Designmarke auf- und ausgebaut. Es gibt bunte Biergläser berühmter Designer, Milchgläser in Kuhfelloptik, Schnapsgläser, aber auch Aschenbecher und Salzstreuer. Zudem macht die Firma Projektgeschäft für Unternehmen, die Becher oder Gläser mit individuellem Design wollen.

Doch keine dieser Markenerweiterungen ging so weit wie jetzt der Einstieg ins gehobene Porzellangeschäft. Batthaus spricht von einem „Sprung ins kalte Wasser“, der ein „gewisses Risiko“ berge. Doch der Firmenchef ist überzeugt, dass eine Marke solche Risiken eingehen muss. „Wenn ein Unternehmen nicht in der Lage ist, sich einen Flop zu leisten, ist es eigentlich schon Pleite“, sagt er. Mit 3 bis 5 Mio. Euro Umsatz für die „Livø“-Linie wäre Batthaus im ersten Jahr „sehr zufrieden“. Wenn der Trend positiv sei, sagt er, könne man schnell weitere Produkte nachlegen.


Unternehmen: Die Wurzeln von Ritzenhoff reichen bis Anfang des 19. Jahrhunderts zurück – mit einer Waldglashütte im Sauerland fing alles an. 1935 übernahm die Familie Ritzenhoff den Betrieb und baute das Geschäft kontinuierlich aus. 2016 machte das Familienunternehmen aus Marsberg mit 440 Mitarbeitern einen Umsatz von etwas mehr als 70 Mio. Euro.


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