Quartalszahlen Wie Lieferengpässe Apple und Amazon die Bilanzen verhageln  

Nachdem die Zahlen für das dritte Quartal hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind, rüstet sich Amazon für ein schwieriges Weihnachtsgeschäft
Nachdem die Zahlen für das dritte Quartal hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind, rüstet sich Amazon für ein schwieriges Weihnachtsgeschäft
© BildFunkMV / IMAGO
Die beiden Tech-Giganten Apple und Amazon bleiben mit ihren Zahlen für das dritte Quartal weit hinter den Erwartungen zurück. Der Grund: die gestörten Lieferketten. Auch für das bevorstehende Weihnachtsgeschäft rechnen die Konzerne mit Einschnitten

Die Folgen der weltweiten Lieferengpässe haben auch die Konzerngrößen Amazon und Apple erreicht. Am Donnerstag veröffentlichten die Tech-Giganten ihre Quartalszahlen nach Börsenschluss – mit enttäuschendem Ergebnis: Amazon stellte in Aussicht, dass die steigenden Arbeits- und Produktionskosten, den gesamten Gewinn im vierten Quartal aufzehren könnten. Noch schwerer traf es Apple: Der iPhone-Hersteller hat nach eigenen Angaben im dritten Quartal rund 6 Mrd. Dollar an Umsatz eingebüßt, weil er die Nachfrage nicht bedienen konnte. Die Marktbewertung beider Konzerne sank nach diesen Neuigkeiten um hunderte Milliarden.

Die Botschaft der beiden Konzerne an ihre Anleger ist klar: Das bevorstehende Weihnachtsgeschäft wird schwierig. Während sich die Wirtschaft von der schlimmsten Pandemie des Jahrhunderts erholt, steht nahezu jedes Unternehmen vor der Herausforderung, seiner Kundschaft Produkte in ausreichender Menge anzubieten. „Es wird mit Sicherheit eine schwierige Weihnachtssaison werden“, sagt Tuna Amobi, Analyst bei CFRA Research. „Die Erwartungen werden auf breiter Front zurückgehen.“

Die Märkte reagierten unmittelbar auf die Quartalszahlen: Die Apple-Aktie verlor im nachbörslichen Handel zwischenzeitlich um 5,3 Prozent. Apple-CEO Tim Cook verwies gegenüber Investoren darauf, dass der Umsatzknick den Lieferengpässen – allen voran dem Mangel an Halbleitern – geschuldet sei. Diese Knappheit betreffe „die meisten unserer Produkte“, sagte Cook. „Die Nachfrage ist sehr stabil.“

Der Tech-Konzern hat eine ganze Reihe neuer Produkte, die er vor den Weihnachtsfeiertagen in die Geschäfte bringen muss, denn in der Vorweihnachtszeit werden traditionell Verkaufsrekorde erzielt. Neben dem iPhone-Upgrade hat Apple auch neue Uhren, iPads, Mac-Computer und andere Geräte vorgestellt. Durch die bestehenden Lieferengpässe werden viele dieser Produkte allerdings schwieriger zu bekommen sein. Cook rechnet deshalb damit, dass das Minus im vierten Quartal, die 6 Mrd. Dollar des dritten Vierteljahrs übersteigen könnte.

Düstere Aussichten für das Weihnachtsgeschäft

Eine offizielle Prognose für das laufende Quartal, gab das Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino nicht ab. Analysten rechnen bislang mit einem Umsatz von 120 Mrd. Dollar. Apple erwartet aber, dass die meisten seiner Produkte im Vergleich zum Vorjahresquartal mehr Umsatz generieren werden – einzige Ausnahme: das iPad. Hier rechne man wegen Lieferschwierigkeiten nicht mit einem Umsatzwachstum, erklärte Cook.

Bei E-Commerce-Riese Amazon wird die Vorbereitung auf die Weihnachtszeit kaum weniger kostspielig. Sicherzustellen, dass Lieferengpässe die Weihnachtseinkäufe nicht zum Erliegen bringen, koste den Konzern Milliarden von Dollar, warnte das Unternehmen. Damit wolle der Konzern, mehr Mitarbeiter anstellen, höhere Löhne zahlen und mehr Lastwagen auf die Straße bringen.

Diese massiven Investitionen könnten den Gewinn von Amazon in den letzten drei Monaten des Jahres auffressen, sagten Führungskräfte. Umsatz und Gewinn im dritten Quartal blieben hinter den Erwartungen zurück. Im nachbörslichen Handel gab die Amazon-Aktie daraufhin um rund vier Prozent nach.

Für das laufende Quartal rechnet der Konzern mit einem Umsatz zwischen 130 und 140 Mrd. Dollar, Analysten erwarten bereits niedrigere Werte. Das operative Betriebsergebnis könnte auf null sinken, stellte Amazon in Aussicht. Nachdem das Unternehmen aus Seattle seit Anfang 2018 jedes Quartal Milliardengewinne verzeichnet hat, wäre das ein herber Rückschlag.

Die Ergebnisse fallen zudem in die Amtszeit des neuen CEO Andy Jassy, der im Juli die Nachfolge von Jeff Bezos angetreten hat. Die Amazon-Aktie hat 2021 um 5,8 Prozent zugelegt, blieb damit aber hinter dem breiten Markt zurück. Damit trägt der Kurs dem Umstand Rechnung, dass viele Verbraucher, die 2020 Pandemie-bedingt noch viele Waren online bestellt hatten, zuletzt wieder stationär einkauften, reisten und auswärts essen gingen. Amazon hat bereits signalisiert, dass der Umsatz bis zum Jahresende langsamer wachsen dürfte, gleichzeitig würden die Ausgaben für Löhne und neue Lagerhäuser so lange hoch bleiben.

Amazon Web Services mit beachtlichem Wachstum

Viele Anleger hätten erwartet, dass sich die Ausgangslage seit Amazons relativ düsterem Ausblick im Juli verbessern würde, sagt John Tomlinson, Forschungsdirektor bei M Science. „Die Leute haben gehofft, dass dieses Quartal die Talsohle markiert“, sagte er und bezog sich dabei auf den Zeitraum bis zum 30. September. „Das scheint nicht der Fall zu sein. Einige der genannten Herausforderungen haben sich nicht verschlimmert – aber auch nicht verbessert.“

Viele Hoffnungen ruhen jetzt auf Amazons Geheimwaffe: Amazon Web Services, der Cloud-Computing-Einheit, die den größten Teil des Gewinns erwirtschaftet. Die Sparte verzeichnete im dritten Quartal einen Umsatz von 16,1 Mrd. Dollar, ein Plus von 39 Prozent. Der größte Zuwachs dieser Sparte seit Anfang 2019.

Während Apples Probleme vorhersehbar waren, zeige der Fall Amazon, wie eine Vielzahl an Faktoren die Kosten in die Höhe, treibe, vergleicht Michael Pachter, Analyst bei Wedbush Securities, die beiden Konzerne. Die Menschen wollen bestimmte Produkte und Apple kann sie nicht schnell genug herstellen, um die Nachfrage zu bedienen, sagte er. Amazon leide dagegen am Zusammenspiel mehrerer ungewöhnlicher Entwicklungen. „Eine solche Inflation haben wir seit 40 Jahren nicht mehr erlebt“, sagt Pachter. „Das alles ist auf knappe Lieferungen, Covid-bezogene Zuschläge und steigende Arbeitskosten zurückzuführen.“

© 2021 Bloomberg L.P.


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