KöpfeWie Eike Batista sein Vermögen verlor

Eike Batista
Eike Batista posiert in seinem Büro. Im Februar 2011 war er der achtreichste Mann der Welt
© Fridman/Corbis

Sogar in seinem Büro lässt sich Batista nur selten blicken. Er habe deutlich an Gewicht verloren, erzählen die, die ihn in jüngster Zeit getroffen haben. Selbst seine 500.000 Twitter-Follower müssen ohne Neuigkeiten ihres Idols klarkommen. Nur in der Zeitung „Valor Econômico“ meldete sich Batista neulich zu Wort. „Ich bin gescheitert und habe viele Leute enttäuscht“, schrieb er demütig in einem Beitrag für das Wirtschaftsblatt. „Doch es ist ungerecht zu behaupten, ich hätte die Leute dazu veranlasst, an Luftschlösser zu glauben.“ Milliarden haben Investoren verloren, die auf Aktien seines Firmenimperiums gesetzt haben. Alles richtig, räumt Batista ein. Aber am meisten habe er selbst verloren.

Was für ein Absturz! Vor anderthalb Jahren war der 56-jährige Brasilianer mit dem grau melierten Haar und den stahlblauen Augen noch der reichste Mann Brasiliens und die Nummer sieben weltweit. Das US-Magazin „Forbes“ schätzte sein Vermögen auf 30 Mrd. Dollar – und Batista unternahm nichts, seinen Erfolg kleinzureden. „Ich schaffe Reichtum aus dem Nichts“, prahlte er. „Und ich bin sehr stolz darauf.“ Der Mann hatte einen Plan und ließ es jeden wissen: Bis 2020 werde er sein Vermögen auf 100 Mrd. Dollar vermehren und den Mexikaner Carlos Slim an der Spitze der Weltrangliste ablösen. „Ich weiß nicht, ob ich ihn rechts oder links überhole, aber ich werde ihn überholen“, kündigte Batista großspurig an.

Mittlerweile steht sein Konglomerat am Rande der Zahlungsunfähigkeit. Seine Ölfirma OGX meldete vergangene Woche Insolvenz an und beantragte Gläubigerschutz. Sein Vermögen ist auf weniger als 900 Mio. Dollar zusammengeschnurrt. „Batista ist kein Milliardär mehr“, meldete „Forbes“ Anfang ­September den offiziellen Statusentzug. Und der Ex-Milliardär schweigt.

Schwacher Trost: Seiner Heimat Brasilien geht es momentan ganz ähnlich. Gerade musste Finanzminister Guido Mantega die Prognosen fürs Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr auf 2,5 Prozent zurücknehmen. Im Januar hatte die Regierung noch mit einem Zuwachs um vier Prozent gerechnet. Die Währung Real hat seither ein Fünftel ihres Werts gegenüber dem Dollar eingebüßt, der Aktienindex Bovespa ist ähnlich stark gefallen. Jetzt, da in den USA die Zinsen wieder steigen, ziehen Investoren ihr Geld aus Schwellenländern wie Brasilien ab.

Batista, Brasilien und der Boom

Die Krise verschärft den Unmut derer, die vom Aufschwung der vergangenen Jahre wenig profitiert haben. Seit Wochen gibt es immer wieder Proteste gegen die schlechte öffentliche Versorgung, gegen Korruption und Polizeigewalt.

Batista und Brasilien – Brasilien und Batista. Aufstieg und Fall des Milliardärs und seiner Heimat verliefen nicht nur synchron. Sie bedingten einander geradezu.

Mit dem Boom des Schwellenlands zu Beginn des neuen Jahrtausends nehmen Batistas Geschäfte rasant Fahrt auf. In gerade einmal acht Jahren baut der selbstbewusste Brasilianer eine Unternehmensgruppe auf, die die Welt in Erstaunen versetzt: Ölfirmen, Erzminen, Hafenbetreiber…

Batista hat damals bereits ein kleines Vermögen mit der Förderung und dem Handel von Gold gemacht. Peanuts im Vergleich zu dem, was noch kommen soll. Um seine atemberaubenden Vorhaben auf den Weg zu bringen, sammelt er weltweit 26 Mrd. Dollar ein. Batistas Prahlereien halten Investoren nicht ab, ihm ihr Geld anzuvertrauen: „Ich denke immer groß und habe keine Angst, Risiken zu übernehmen“, pflegt er zu sagen.

Eike Batista steigt zum Nationalhelden auf – zu einer Art Business-Pelé. Er liefert die Geschichte zum Boom der größten südamerikanischen Volkswirtschaft, wird zur Projektionsfläche für deren Erfolg.