Western von gesternWie Bernd Pischetsrieder die Rover-Übernahme versemmelte

Zigarrenraucher und Rover-Käufer: Bernd PischetsriederJindrich Novotny

1994 war BMW auf dem Gipfel: Als fast einziger Autobauer über Jahrzehnte ohne Verluste durchgekommen, mit dem 7er den ewigen Rivalen Mercedes überholt, sprudelnde Gewinne, wachsende Absatzzahlen. Anfang des Jahres mokierte sich CEO Bernd Pischetsrieder noch über den Rest des Landes, der im Krisenmodus steckte: In schlechten Zeiten sei es falsch, Geld zusammenzuhalten.

Er jedenfalls gab es aus: Für den englischen Autobauer Rover legte er 4 Mrd. DM hin. Die Verblüffung war groß. Von „einem strategisch genialen Coup“ schwärmte „Die Welt“. Analysten wie die Banker von Merrill Lynch rieben sich die Augen: „BMW macht bei Rover aus Kupfer Gold.“

Erste Abgesandte sahen eher „Schrott“. In den Hallen bogen sich Balken, Backsteine purzelten, Arbeiter schlurften zur Teepause. Auf altertümlichen Maschinen entstanden Nachkriegsmodelle und Honda-Kopien, für die hohe Lizenzzahlungen nach Japan anfielen. Das in Gold zu verwandeln erforderte Imagination. Aber Pischetsrieder wollte BMW mit Rover auf eine kritische Größe bringen, ins Kompaktwagensegment vordringen und Audi Paroli bieten.

Dennoch tat er zunächst bei Rover – nichts. Außer dass BMW Geld schickte: Um für Stimmung zu sorgen, zahlten die Deutschen den Arbeitern elf Prozent mehr und stellten 1400 ein. Ansonsten bat man die Kollegen, neue Autos zu entwickeln, was sie 25 Jahre nicht getan hatten.

Mini als Souvenir

Das schlug fehl. Immer mehr Geld floss, dann begannen panische Sanierungen. Längst war der Hauptaktionär alarmiert, die Quandts. Von VW, Ford und anderen trudelten Kaufangebote für BMW ein.

Die Krise kulminierte 1999 in einer Aufsichtsratssitzung, die mehr als acht Stunden dauerte. Danach war Pischetsrieder seinen Job los – sein Rivale Wolfgang Reitzle aber ebenso. CEO wurde Produktionschef Joachim Milberg. Der allerdings stoppte das Rover-Abenteuer nicht, sondern integrierte die Tochter stärker. Ein Jahr später sollte doch verkauft werden. Auch da war es nicht vorbei: Die Investorengruppe sprang in letzter Minute ab. BMW übergab Rover ein paar Ex-Managern, die eine Mitgift von 1,6 Mrd. DM aus München erhielten. Als das Geld alle war, verschleuderten sie Rovers Reste nach China.

BMW behielt ein Souvenir aus der Liaison: Mini. Die neuen Modelle brachten Milliarden. Und erst heute sorgt England wieder für Sorgen bei BMW: Ein harter Brexit würde die Produktion deutlich verteuern.

Hauptperson

Bernd Pischetsrieder, geboren 1948. Der Ingenieur wurde 1993 überraschend anstelle von Konzernvize Wolfgang Reitzle BMW-Chef, ein Jahr später kaufte er Rover. Nach seinem Ende in München holte Ferdinand Piëch Pischetsrieder zu VW, wo er von 2002 bis 2006 als CEO wirkte.