MarkenmomentWarum Seeberger neue Packungsgrößen auflegt

Für seine Snacks ist die Marke Seeberger bekanntimago images / Manfred Segerer

Dass es nicht nur auf das Produkt ankommt, sondern auch auf die Größe der Verpackung, haben sie bei Seeberger an der Tankstelle festgestellt. Das Familienunternehmen aus Ulm ist Europas Marktführer für Nussmischungen und getrocknete Früchte, seine orangefarbenen Tüten sind aus den Supermärkten kaum wegzudenken. Für andere Verkaufsstellen hatte Seeberger dagegen lange Zeit nicht die richtigen Produkte im Angebot. Ein Nussmix etwa, der im Einzelhandel schon 3 Euro kostet, wäre in Tankstellen und To-go-Märkten so teuer, dass wohl nur wenige Kunden zugreifen würden.

Die neue Capital

„Wir mussten feststellen, dass unsere normalen Packungsgrößen für den Verkauf unterwegs nicht optimal sind“, sagt Marketingchef Joachim Mann. Deshalb entwickelte Seeberger eine Sublinie mit kleineren Verpackungen für unterwegs. Unter dem Label „2go“ werden seit Anfang des Jahres Nussmischungen und Fruchtkugeln von Seeberger in einer neuen Packung im Riegelformat etwa auch an Tankstellen verkauft – in Konkurrenz zu Schokoriegeln und anderen Snacks, die die Kunden hier gerne mitnehmen.

Das Bedürfnis, sich gesund zu ernähren, ende ja nicht an der Tankstelle, sagt Mann. Tatsächlich profitiert Seeberger mit seinen natürlichen Snacks vom großen gesellschaftlichen Trend zu gesunder und veganer Ernährung, der dem Unternehmen neue, jüngere Käuferschichten erschließt. Längst greifen auch Hipster gerne zu den Beuteln mit Trockenfrüchten und Nüssen, von denen Seeberger rund 100 Millionen Stück im Jahr produziert. Inzwischen tummeln sich auch Multis wie Nestlé und Mars mit eigenen neuen Produkten verstärkt im Markt für gesunde Snacks, für den Experten weiter hohes Wachstum erwarten.

Mit Weiterentwicklungen der Marke kennt man sich bei Seeberger aus. Heute bieten die Schwaben mehr als 110 Produkte – vom Bestseller Studentenfutter über getrocknete Tomaten bis zu schokolierten Früchten. Zuletzt kamen Frühstücksprodukte hinzu, nachdem Seeberger vor drei Jahren das Start-up Müsliglück übernommen hat. Der Zukauf sei „folgerichtig“ gewesen, um auch in den Bereichen Müsli, Porridge und Riegel schnell Produktkompetenz zu gewinnen, sagt der für den Vertrieb zuständige Co-Geschäftsführer Ralph Beranek. Entsprechende Wünsche hätten Konsumenten in Marktforschungen signalisiert.

Auch sein zweites Standbein baut Seebeger immer weiter aus: das Kaffeegeschäft. Seit einigen Jahren beliefert die Firma, die zu den ältesten Röstereien der Republik gehört, nicht nur deutschlandweit Großkunden aus Unternehmen und Gastronomie mit Kaffee. Zunehmend gibt es auch Synergien zwischen den beiden Säulen: So verkauft Seeberger bei seinen Kaffeekunden auch Nuss- und Fruchtsnacks, etwa in Kantinen und Automaten. „Die Sortimente sind nicht mehr klar getrennt, sie vermischen sich“, sagt Co-Chef Beranek. Den größeren Umsatzbeitrag liefern aber weiterhin die Snacks.

Unternehmen

Die Wurzeln des Unternehmens liegen im Jahr 1844, als Christoph Seeberger in Ulm einen Kolonialwarenhandel gründete. 1882 kam eine Kaffeerösterei hinzu. Bis heute steht die Firma unter der Inhaberfamilie Rohm/Keller auf zwei Säulen: natürlichen Snacks und Kaffeegroßhandel. Zuletzt machte Seeberger mit etwa 600 Mitarbeitern 300 Mio. Euro Umsatz.

 


Der Beitrag ist in der Capital 05/2020 erschienen. Die Serie Markenmoment erscheint jeden Monat in Capital. Interesse an Capital? Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes und GooglePlay