MarkenmomentWarum Möve wieder Fahrräder baut

Die neuen Möve-Fahrräder sollen hip sein
Die neuen Möve-Fahrräder sollen hip seinMöve

Zu Deutschlands zweitältester Fahrradmarke Möve hat Tobias Sprötes Familie schon lange ein besonderes Verhältnis. Spröte stammt aus Mühlhausen in Thüringen, wo seit Ende des 19. Jahrhunderts mehr als eine Million Räder produziert wurden – bevor die DDR-Regierung 1961 verfügte, anstelle von Zweirädern fortan Autositze zu bauen. Nach der Wende übernahm Sprötes Großvater Teile des VEB Möve-Werk Mühlhausen. Bis heute sitzen hier einige Firmen der Autozulieferbranche, die den Namen Möve tragen.

Mit dem Produkt, das die bekannteste ostdeutsche Fahrradmarke neben Diamant und Mifa groß gemacht hat, hatte Möve dagegen nichts mehr zu tun – bis Spröte kam. „Mir spukte schon lange die Idee im Kopf herum, die Marke wiederzubeleben“, sagt er. Als der Maschinenbauingenieur 2012 feststellte, dass die Markenrechte für Möve-Räder brachlagen, griff er zu. Damals war Spröte Chef eines kleinen Ingenieurbüros. Mit einem Kollegen tüftelte er nebenbei an Konzepten für einen elektrischen Fahrradantrieb.

Cover der neuen Capital
Cover der neuen Capital

Dann meldete sich ein Erfinder aus Leipzig, der ein neuartiges mechanisches Getriebe entwickelt hatte. Aus der Idee wurde ein erster Prototyp. „Da war der point of no return überschritten“, sagt Spröte. 2014 gründete er mit zwei Partnern ein eigenes Start-up für das Fahrradgeschäft. Zwei Investoren stellten einen Millionenbetrag bereit, um den Mechanikantrieb weiterzuentwickeln.

Seit Herbst sind die neuen Möve-Räder mit Bauteilen aus dem Präzisionsmaschinenbau nun auf dem Markt. Verglichen mit herkömmlichen Fahrradantrieben setzt Möves Cyfly Technologie auf deutlich längere Tretkurbeln, die eine bessere Kraftübertragung und höhere Beschleunigung ermöglichen. Es fühle sich an, als fahre man ein E-Bike in der niedrigsten Unterstützungsstufe, sagt Spröte – vor allem bergauf.

Unterwegs im Premiumsegment

Auch beim Preis heben sich die Möve-Bikes von Normalrädern ab. Die günstigsten der zunächst sechs Modelle kosten 2000 Euro, das Topmodell Franklin liegt mit Sonderausstattung bei 4500 Euro. „Wir stellen kein Massenprodukt her“, sagt Spröte. Stattdessen positioniert er Möve als „Premiummarke mit besonderem USP“. Kernzielgruppe: Menschen, die sich für zu jung halten, um E-Bikes zu fahren, aber trotzdem einen kraftsparenden Antrieb schätzen.

Eine „deutlich dreistellige“ Zahl an Rädern hat Spröte bislang verkauft. Derzeit fährt das Start-up, das vom Boom auf dem Fahrradmarkt profitieren und in zwei Jahren die Gewinnschwelle erreichen will, den Vertrieb in Deutschland und anderen EU-Ländern hoch. In Kürze kommt ein Mountainbike in den Handel, auch ein Einsteigermodell für um die 1500 Euro ist in der Pipeline – der Preis sei angesichts der Produktionskosten „das unterste Ende der Fahnenstange“, sagt Spröte. Denn die Möve-Räder werden nicht irgendwo montiert, sondern von eigenen Mitarbeitern in Mühlhausen – dort also, wo für die Marke einst alles begann.

Unternehmen

Die Firma Gustav Walter & Co aus Mühlhausen ließ die Marke Möve 1897 eintragen. Bis zum Zweiten Weltkrieg verkaufte sie eine halbe Million Räder. Zu DDR-Zeiten wurden im VEB Möve-Werk weiter Fahrräder hergestellt, bis 1961 auf Autozubehör umgestellt wurde – die Fahrradproduktion ging an die Mifa, die Marke Möve verschwand.