KolumneWarum Mitarbeiterbindung kontraproduktiv ist

Anja Förster
Anja Förster

Anja Förster ist Unternehmerin, Vortragsrednerin und Autorin. Zuletzt ist von ihr und Peter Kreuz erschienen „NEIN – Was vier mutige Buchstaben im Leben bewirken können„. Hier können Sie ihr auf Twitter folgen.


In Personaler-Fachkreisen ist ein Thema Normalität geworden, das so irrig ist wie ein Irrweg nur sein kann: Mitarbeiterbindung. Da werden beispielsweise Mitarbeitern mit Geld oder Unternehmensbeteiligungen „goldene Fesseln“ angelegt, damit diese flatterhaften Wesen, in die man so viel investiert hat, entgegen ihrem unsteten Wesen möglichst lange in der Firma „gehalten“ werden. Da werden Feelgood-Manager beauftragt, das Arbeitsumfeld so kuschelig zu machen, dass die Mitarbeiter an der honigsüßen Nettigkeit des Arbeitgebers quasi kleben bleiben. Da werden in goldigem Licht Vorbildunternehmen präsentiert, deren Fluktuationsrate gegen null tendiert.

Mein Standpunkt dazu könnte nicht gegensätzlicher sein: Magnete sind wirkungsvoller als Fesseln!

Menschen sind nun mal Freiheitswesen. Daran ändern auch Fesseln nichts. Ich kann jeden Mitarbeiter verstehen, der sich neue Ziele im Leben setzt und deshalb gehen will. Wer anderswo bessere Chancen für sich sieht, sollte weiterziehen. Außerdem glaube ich nicht daran, dass damit etwas gewonnen ist, dass jemand bleibt, der sich eigentlich trennen will.

Hinzu kommt: Dynamische Unternehmen brauchen den steten Zufluss von frischem Blut und sind eben nicht auf minimale Fluktuationsraten stolz.

Wenn ich mich umschaue, sehe ich Folgendes:

Menschen wollen frei sein

Das neue Buch von Anja Förster und Peter Kreuz
Das neue Buch von Anja Förster und Peter Kreuz

Starke Führungskräfte, die Toptalente einstellen, akzeptieren die implizite Tatsache, dass diese sich so stark weiterentwickeln, dass sie zwangsläufig in absehbarer Zeit eine neue Herausforderung suchen – naturgemäß in vielen Fällen in einem neuen Unternehmen. Menschen wollen frei sein. Wenn die Geschichte uns eines lehrt, dann das: Mauern zu bauen hat noch nie dauerhaft funktioniert.

Mitarbeiterwechsel als Chance auf gute Reputation

Führungskräfte in einem dynamischen Unternehmensumfeld wissen, dass es kein Weltuntergang ist, wenn gute Mitarbeiter gehen. Denn das hat auch positive Auswirkungen. Nach innen: Die Plätze werden frei und bieten Chancen für ambitionierte Nachwuchsleute im eigenen Haus. Nach außen: Das Unternehmen baut sich eine gute Reputation auf. Die Topleute, die weiterziehen, reden anerkennend über ihren alte Firma und vielen Interessenten wird klar: Wenn du dich weiterentwickeln willst, ist das genau der Ort, wo du hinmusst.

Magnete statt Fesseln

Die besten Unternehmen haben nicht das Ziel, gute Leute festzuhalten, sondern sie haben das Ziel, zum Magneten für Talente zu werden, also eine Kraft auszustrahlen, die immer wieder neue gute Mitarbeiter anzieht. Magnete, nicht Fesseln!

Lieber die besten Leute für kurze Zeit, als die mittelmäßigen für immer

Die innovativsten Unternehmen sind oben in der Führungsetage personell stabil. Die Chefs sind konstant da. Aber darunter kommen und gehen die Mitarbeiter, während ihr jeweils aktuelles Niveau überdurchschnittlich ist. Was dazu führt, dass die Ergebnisse für die Kunden überdurchschnittlich sind. Alles andere ist zweitrangig, denn Unternehmen sind keine Sozialstationen, sondern müssen am Markt erfolgreich sein, um weiter existieren zu können.

Natürlich empfehle ich nicht, sich zu freuen, wenn ein guter Mitarbeiter kündigt. Selbstverständlich ist das für den Moment ein Grund zum Innehalten. Aber es ist besser, die besten Leute nur für kurze Zeit in der Firma zu haben, als die mittelmäßigen für immer!

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