Interview Warum die Angst vor der Künstlichen Intelligenz übertrieben ist

Rob Mee
Rob Mee ist CEO von Pivotal, einem Softwareunternehmen in San Francisco. Pivotal


Rob Mee ist CEO von Pivotal, einem Softwareunternehmen aus San Francisco, das die einflussreichsten Unternehmen weltweit berät. Er begann seine Karriere 1985 als Softwareingenieur in einem Labor für künstliche Intelligenz und entwickelte Übersetzungs-Software für natürlich gesprochenen Text­. Heute berät er Unternehmen wie Daimler und Bosch über Software.



CAPITAL: Herr Mee, als Jugendlicher saßen Sie bestimmt jede freie Minute an Ihrem Computer, um zu programmieren. Wieso haben Sie angefangen, Software zu entwickeln?

ROB MEE: Ich bin im Silicon Valley aufgewachsen und mein Vater arbeitete 35 Jahre lang bei IBM. Mit dem Programmieren habe ich mich aber tatsächlich erst während meines Studiums beschäftigt. Eigentlich wollte ich eine medizinische Karriere einschlagen und Hirnforscher werden – verrückt, was man alles will. Durch Zufall sah ich eine ausgedruckte Programmiersprache und war so fasziniert, dass ich von diesem Zeitpunkt an jeden Programmierkurs besuchte und nur noch vor meinem Computer saß.

Wussten Sie zu diesem Zeitpunkt schon, dass Softwareentwicklung die Zukunft prägen würde?

Ende der 90er-Jahre gab es eine Veränderung: Die Softwareentwicklung, die man bis zu diesem Zeitpunkt kannte, ging über in eine sogenannte „agile Softwareentwicklung“. Das revolutionierte die Art zu programmieren. Davor codierten und analysierten Unternehmen im Schnitt zwei Jahre lang ein Problem, bevor die Ergebnisse einsatzfähig waren. Heute sind wir aber in der Lage, dies schrittweise zu tun und in einem regen Austausch die Software noch besser zu machen. Das erwies sich als positiv, denn von Jahr zu Jahr kamen immer mehr Unternehmen und vertrauten sich uns an. Mein Haus war damals ein Darlehen für die Büroflächen des Unternehmens. Wäre Pivotal den Bach runtergegangen, hätte ich mein Haus verloren. Das erklärt ziemlich gut, wie viel Potential ich in der Softwareentwicklung gesehen habe.

Warum ist es als Unternehmen so wichtig geworden, eine eigene Software zu entwickeln?

Software wird immer zentraler. Die Menschen planen ihre Termine online, bezahlen online – das alles ist zu einem bedeutenden Bestandteil des Alltags geworden. Um mit den Erwartungen der Kunden Schritt halten zu können, muss die eigene Software immer besser werden. Egal in welcher Branche und egal wie groß das eigene Unternehmen aktuell ist, um seinen Kunden das beste Produkt präsentieren zu können, sollte man immer auf dem neusten Stand der Softwareentwicklung sein. Denn es ist ein nie endender Prozess.

„Wir müssen zurück zu den Prinzipien“

Unter Ihren Kunden sind auch deutsche Firmen wie Mercedes, Volkswagen und Bosch. Ist Software in manchen Ländern fortgeschrittener als in anderen?

Weltweit haben Unternehmen das Gefühl, im Rückstand zu sein. Wenn ich allerdings mit Firmen oder Programmierern in Deutschland spreche, dann bestätigt sich immer wieder: Sie machen dieselbe Arbeit, haben die gleichen Herausforderungen und sind ungefähr auf demselben Stand der Digitalisierung.

Also ist Deutschland genauso fortgeschritten wie China?

Jedes Land hat in bestimmten Bereichen der Entwicklung mehr Vorteile als andere Länder. Deutschland zum Beispiel ist in der Automobilbranche und in der Schwerindustrie sehr fortgeschritten.

Wird China zukünftig die Tech-Szene dominieren?

In China leben unglaublich viele Menschen – damit verschafft sich das Land einen Vorteil. Außerdem finanziert der Staat viele Technologien und unterstützt Initiativen. Aber kein Land wird Vorreiter für die gesamte Tech-Szene sein. Technologieunternehmen entstehen weltweit und wachsen mit und ohne staatliche Unterstützung.

Zum Beispiel?

Ein gutes Beispiel ist Tesla. Tesla bekommt kaum staatliche Hilfe und hat trotzdem erstaunliche Dinge aufgebaut. Ein Elektroauto, das als fortschrittlichstes, sicherstes und schnellstes gilt. Es gibt Länder, die große Vorteile bieten, aber wann immer jemand davon spricht, dass ein bestimmtes Land alles dominieren wird, bin ich sehr skeptisch.