KolumneWarum das Brexit-Theater weiter geht (sorry)

Einer wird gewinnen: Premier Boris Johnson oder Labour-Chef Jeremy Corbyn
Einer wird gewinnen: Premier Boris Johnson oder Labour-Chef Jeremy Corbyndpa

Darf ich ehrlich sein? Das Thema Brexit nervt mich dermaßen, dass ich froh bin, wenn es Ende Januar endlich vorbei ist.

Da habe ich schlechte Neuigkeiten. Denn der Brexit geht völlig unabhängig von der Wahl in Großbritannien weiter. Was wir bisher haben, ist nur eine Vereinbarung, wie die EU-27 und die Briten sich trennen wollen. Nicht aber, wie sie in Zukunft zusammenarbeiten wollen.

Ja gut, aber nachdem Johnson die Wahl gewonnen hat, kann er sein anvisiertes Freihandelsabkommen ja zügig verhandeln.

Niemand geht davon aus, dass das bis Ende 2020 möglich ist, und da würde nach derzeitigem Stand der Verhandlungen die Übergangsphase enden. Das Ganze bleibt uns also länger erhalten. Zudem redet Johnson zwar mit viel Pathos von einem Freihandelsabkommen, aber er will so viel Unabhängigkeit von der EU wie möglich.

Natürlich, das ist ja der Sinn der Sache.

Das heißt aber, es wird ein sehr rudimentäres Abkommen, was der Wirtschaft schadet, und so geht die Diskussion von vorne los. Sagen wir mal so: Ein rudimentäres Freihandelsabkommen heißt an der Grenze nicht freier Handel. Sondern es heißt: das allermeiste so wie unter WTO-Regeln, mit der Option Zollfreiheit zu beantragen. Die meisten Teilnehmer der Diskussion, Ökonominnen und Ökonomen eingeschlossen, haben wenig Vorstellung davon, wie es konkret an der Grenze zugeht.

Aber die Briten sind Ende Januar erst mal raus, das ist doch schon mal was.

Dafür müsste Boris Johnson die Wahl gewinnen.

Die Konservativen führen in den Umfragen haushoch vor Labour, mit 37 Prozent zu 25 Prozent.

Das erinnert mich an die haushohe Führung der Konservativen als Theresa May im Frühjahr 2017 eine Wahl ankündigte, damals sogar 42 zu 25 Prozent gegenüber Labour. Das Ende ist bekannt: statt ihre Mehrheit im Parlament auszubauen, verlor sie Sitze und musste eine Minderheitsregierung unter Tolerierung durch die erzkonservative nordirische DUP eingehen.

2019 ist nicht 2017.

Und die Schweden sind keine Brasilianer, wie der große Fußballphilosoph Franz B. einst tautologisierte. Ein Comeback, wie es Jeremy Corbyn und seine Labour-Partei damals hingelegt haben, ist vermutlich nicht möglich, das stimmt. Aber auch die Konservativen haben große Probleme gegenüber 2017.

Zum Beispiel?

Schottland. Damals haben die Konservativen auch dank ihrer charismatischen Schottlandchefin Ruth Davidson 13 Sitze gewonnen. Die ist nun unter anderem wegen des Streits um den Brexit zurückgetreten. Und das Verhältnis zwischen Boris Johnson und den Schotten muss man sich wie das Verhältnis zwischen Uli Hoeneß und den Fans von Schalke 04 vorstellen: echte Liebe.

Ok, verstehe, also 13 Sitze sind Johnson und seine Partei schon mal los…

… die sie woanders holen müssen, um überhaupt auf die Zahl ihrer momentanen Sitze zu kommen. Doch sie brauchen ja noch deutlich mehr, wenn sie eine komfortable Mehrheit haben wollen.