MarkenmomentWarum Braun wieder im Audiogeschäft mitmischt

Mit Lautsprechern kehrt Braun ins Audiogeschäft zurück
Mit Lautsprechern kehrt Braun ins Audiogeschäft zurückPR

Den Gedanken, die legendären Lautsprecher von Braun Audio aus der Wirtschaftswunderzeit wieder auferstehen zu lassen, hatte Oliver Grabes, der Designchef von Braun, schon länger. Einige andere Produktkategorien, aus denen sich die Traditionsmarke im Laufe der Zeit verabschiedet hatte, waren nach der Jahrtausendwende neu aufgelegt worden – nun hergestellt von Lizenzpartnern: erst Thermometer und Blutdruckmessgeräte, dann Wecker und Uhren. Seit 2013 verkauft die italienische Firma De’Longhi Haushaltsgeräte der Marke Braun.

Für die Audiosparte habe die Suche nach einem Partner länger gedauert, sagt Grabes. Schon vor Jahren bat er die für Lizenzen zuständige Abteilung des US-Konzerns P&G, zu dem Braun heute gehört, nach einem Partner für Lautsprecher und andere Hi-Fi-Produkte zu suchen. Doch die Interessenten hätten nicht zur Marke gepasst, sagt der Chefdesigner. 2017 wurden P&G und Grabes dann fündig: bei der englischen Firma Pure, einem kleinen Hersteller von digitalen Radios und Lautsprechern. „Wir wollten nicht der Dritt- oder Viertkunde bei einem großen Produzenten sein“, sagt Grabes.

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Für Braun ist die Unterhaltungselektronik nicht irgendeine Sparte. Unter dem damaligen Designer Dieter Rams wurden die Lautsprecher, Plattenspieler und Hi-Fi-Anlagen mit ihrem revolutionären, funktionalen Design ab 1959 zu einem Begriff für Musikfreunde und Industriedesigner. Für das Unternehmen entwickelte sich die Sparte in den 60er-Jahren zum zweitwichtigsten Standbein, direkt nach den Haushaltsgeräten. Doch nachdem neue Billigkonkurrenten aus Japan den Audiomarkt aufrollten und die Margen kräftig schrumpften, wurde das Geschäft 1991 aufgegeben.

Diesen Sommer startete Braun das Revival und stellte mehrere Lautsprecher vor – als Digitalversion und kleiner als die Urtypen aus dem Jahr 1959, aber ebenfalls im hochpreisigen Segment angesiedelt. Der größte Lautsprecher kostet 1200 Euro, der kleinste 380 Euro. Ende Januar läuft der Verkauf in Europa an, zuerst in relativ kleiner Stückzahl. Die genauen Zahlen behält Braun für sich.

Ohnehin seien die Lautsprecher nur der „Startpunkt“, sagt Designchef Grabes. Aktuell schaut sich sein Team bereits weitere Produkte an, etwa das Originalradio von Braun, Kopfhörer und Soundbars.

Während Musik selbst durch den Streamingboom günstiger geworden ist, investieren viele Fans in immer aufwendigere Technik für den perfekten Sound zu Hause und unterwegs. Diese Zielgruppe haben sie bei Braun im Blick – auch wenn gerade jüngere Altersgruppen bei der Marke vor allem an Rasierer denken, nicht an Musik. „Nach 28 Jahren Pause müssen wir Braun erst wieder in diesem Bereich verankern“, sagt Grabes. Doch auch der Chefdesigner will mit der Wiederauflage nicht nur Musik- und Designfans eine Freude bereiten, sondern mittelfristig auch Geld verdienen: „Auf Dauer muss sich das Geschäftsmodell rechnen.“

Unternehmen

Die Firma Braun wurde 1921 von Max Braun in Frankfurt gegründet. Ab 1933 verkaufte Braun eigene Radiogeräte. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte das Unternehmen Rasierer und Küchengeräte, später weitere Elektronikartikel wie Blitzgeräte und Hi-Fi-Anlagen. 1967 verkaufte die Familie die Firma an Gillette. Heute gehört die Marke zu P&G.

 


Der Beitrag ist in der Capital 12/2019 erschienen. Die Serie Markenmoment erscheint jeden Monat in Capital. Interesse an Capital? Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes und GooglePlay