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Geldanlage Warum Apple-Aktien im kommenden Jahr wieder interessant werden könnten

Ein Apple-Store in Düsseldorf 
Ein Apple-Store in Düsseldorf 
© IMAGO / Michael Gstettenbauer
Die letzten Monate waren für Apple keine guten. Ein Rückschlag folgte dem nächsten und das ausgerechnet in der für Apple so wichtigen Weihnachtszeit. Trotzdem belohnt Apple treue Investoren

Zuletzt kam Apple kaum aus den negativen Schlagzeilen heraus. Der Technologieriese verpasst in diesem Winter voraussichtlich den Verkauf von zigtausenden Geräten. Grund dafür sind die Unruhen in einer riesigen iPhone-Fabrik in Zentralchina. Doch das knapp gewordene iPhone 14 Pro ist nicht das einzige Problem. 

Die meisten Wirtschaftsexperten glauben, dass im nächsten Jahr eine weltweite Rezession vor der Tür steht. Der Appetit der Verbraucher auf die teuren Apple-Geräte könnte dann kleiner als gewöhnlich ausfallen. Schon jetzt leiden alle Technologieaktien unter den Zinserhöhungen der Zentralbanken- auch die Apple-Aktie. Die Aktie hat in diesem Jahr fast 800 Mrd. Dollar verloren, das entspricht einem Viertel ihres Marktwerts.  

Gleichzeitig steht Apple wegen seines App-Stores zunehmend unter kartellrechtlicher Beobachtung. In der EU erwägt Apple bereits, auch andere Apps auf seinen iPhones und iPads zuzulassen. Das schmälert zwar die Milliarden-Gewinne aus dem App-Store, aber nur so kann Apple die strengen EU-Anforderungen ab 2024 erfüllen. Im schlimmsten Fall könnten die USA und andere Länder dem Beispiel der EU folgen. 

Das sind eine Menge schlechter Nachrichten. Trotzdem liegt Apple an der Börse (Stand: 16. Dezember) weit vor anderen Tech-Giganten, deren Aktien in diesem Jahr stark eingebrochen sind. Während die Apple-Aktie nur um 24 Prozent gefallen ist, hat die Meta-Aktie 64 Prozent seines Wertes verloren und die Amazon-Aktien immerhin 47 Prozent. Apple bleibt mit einem Marktwert von 2,1 Billionen Dollar das wertvollste Unternehmen der Welt und macht mehr Gewinn als jedes andere Unternehmen im S&P 500. Für Anleger jedoch ist besonders attraktiv, was Apple mit seinen Gewinnen macht. 

In den letzten fünf Jahren hat das Unternehmen 454 Mrd. Dollar liquide Mittel erwirtschaftet. Anstatt mit diesen Gewinnen teure Übernahmen zu finanzieren, hat Apple all diese Mittel - und noch mehr - in Form von Aktienrückkäufen und Dividenden an die Aktionäre ausgeschüttet. Der Betrag dürfte höher liegen als der Marktwert von ExxonMobil und JPMorgan zusammen. Apple will sich dazu nicht äußern.  

„Apple hätte all die Dinge tun können, die die Banken wollten - Netflix oder Disney kaufen“, sagt Kimberly Forrest, Gründerin und Chefinvestorin der Vermögensverwaltung Bokeh Capital Partner, die Apple-Aktien besitzt. „Stattdessen herrschte eiserne Disziplin, Apple hat den Aktionären ihr Kapital zurückgegeben, und dafür wurde es belohnt“.

Die Erwartungen an die künftigen Gewinne sind groß. Obwohl die Gewinnerwartungen für 2023 in der Branche gesunken sind, rechnen die Wall Street-Analysten mit einem Gewinnanstieg von 2 Prozent für Apple. Zum Vergleich: Bloomberg Intelligence geht davon aus, dass die kombinierten Gewinne der Technologieunternehmen im S&P 500 um fast 2 Prozent sinken werden. 

Auch Apples treue Kundenstamm ist ein entscheidender Faktor für Investoren. Weltweit sind mehr als eine Milliarde iPhone-Geräte im Umlauf. Viele Kunden besitzen weitere Produkte der Apple-Familie, darunter iPads, Mac-Computer und Uhren. Mit einer wachsenden Zahl von Diensten wie Cloud-Speicher und Apps, die an diese Geräte gebunden sind, verfügt Apple über eine so genannte „klebrige“ Plattform. 

„Denn wenn man erst einmal eine Reihe von Apple-Produkten gekauft hat und sie alle zusammen funktionieren, ist es schwer, sich davon wieder zu trennen“, schätzt Jason Benowitz, Senior Portfolio Manager bei der Roosevelt Investment Group, die Apple-Aktien besitzt. „Die Leute steigen nicht auf Android um, weil sie das iPhone diesen Monat nicht bekommen können. Sie werden einen Monat warten. Sie ändern ihr Verhalten nicht über Nacht“. Apple profitiert auch von der Vorstellung, dass seine wohlhabenden Kunden bereit sein werden, auch während einer Rezession für seine Produkte zu zahlen, so Benowitz. 

Es wird sich zeigen, ob diese Annahmen stimmen. Bloomberg News geht davon aus, dass während den Unruhen im chinesischen Foxconn-Werk fast 6 Millionen iPhone Pro-Geräte nicht produziert wurden. Andere sind sogar noch pessimistischer: Ming-Chi Kuo, ein einflussreicher Analyst der TF International Securities Group wagt die Prognose, dass Apple im Weihnachtsquartal bis zu 20 Millionen iPhone Pro-Geräte weniger verkaufen könnte. Er warnte auch, dass die Nachfrage nach den teuren Objekten, die 1.599 Dollar kosten können, in einer sich verlangsamenden Wirtschaft zu schwinden droht. 

Foxconn gab am 15. Dezember bekannt, die meisten Covid-Beschränkungen in seinem wichtigsten Werk in Zhengzhou aufzuheben. Um einen Covid-Ausbruch einzudämmen und die Produktion aufrechtzuerhalten, hatte das Unternehmen die Arbeiter gezwungen, wochenlang in Isolation zu leben. Oft gab es nicht genug Essen für alle, so dass gewaltsame Proteste in der Fabrik ausbrachen. Die Lage sei wieder „unter Kontrolle“, und das Werk kehrt allmählich zu normalen Produktionskapazitäten über, so Foxconn. Die plötzliche Abkehr von der chinesischen Covid-Null-Politik könnte jedoch zu weiteren Produktionsausfällen führen - falls die Zahl der Infektionsfälle und Krankenhausaufenthalte wieder steigen sollte. 

Apple hat nicht nur Fans. Michael Lippert, Vizepräsident und Portfoliomanager bei Baron Opportunity Fund, sieht einen überbewerteten Tech-Giganten, dessen Tage des schnellen Wachstums und der bahnbrechenden Innovationen vorbei sind. „Wann haben sie das letzte Mal seit dem iPhone eine wirklich erstaunliche Innovation gesehen“, fragt Lippert. „Mit jeder neuen Version wird es ein bisschen besser“, sagt er.

Viele Anleger sin anderer Meinung. Sie sind bereit, in ein Unternehmen zu investieren, dessen Gewinne voraussichtlich immun gegen eine Rezession sind, sagt Sameer Bhasin, einer der Direktoren von Value Point Capital. „Apples Monopol umfasst die reichsten 15 Prozent der Weltbevölkerung", sagt er. „Mir ist nicht bekannt, dass ein anderes Unternehmen in diesem Segment so etwas jemals geschafft hat.“

© 2022 Bloomberg L.P.

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