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Chaos bei Foxconn Wegen China-Unruhen fehlen Apple Millionen iPhones

Apple-Store in Hongkong
Apple-Store in Hongkong
© IMAGO / ZUMA Wire
Die Proteste bei Apple-Zulieferer Foxconn in China schlagen massiv auf Apples iPhone-Geschäft durch: Offenbar werden 2022 sechs Millionen iPhone-Pro-Modelle weniger produziert als geplant

Die Unruhen im wichtigen Produktionszentrum von Apple in Zhengzhou könnten zu einem Produktionsausfall von fast sechs Millionen iPhones in diesem Jahr führen. Das berichtet eine Person, die mit dem Fertigungsprozess vertraut ist. Die Apple-Aktie brach am Montag an der Börse daraufhin zunächst ein. In diesem Jahr hat sie bereits 17 Prozent verloren. Allerdings entwickle sich die Lage in der Fabrik noch und die Schätzung für den Produktionsausfalls könnte sich noch ändern, sagte die Person, die nicht namentlich genannt werden möchte, da es sich um private Informationen handle.

Vieles wird davon abhängen, wie schnell der taiwanesische Fabrikbetreiber Foxconn die Mitarbeiter nach den gewaltsamen Protesten gegen die Covid-Beschränkungen wieder an die Fließbänder bringen kann. Sollten die Lockdowns in den kommenden Wochen anhalten, könnte die Produktion weiter zurückgehen. 

Der Campus in Zhengzhou wird seit Wochen von immer neuen Lockdowns und Unruhen unter den Beschäftigten heimgesucht. Foxconn und der örtlichen Verwaltung gelingt es nicht, Corona-Ausbrüche einzudämmen. Tausende von Mitarbeitern flohen im Oktober, weil Lebensmittel knapp wurden. Sie wurden durch neue Mitarbeiter ersetzt, die sich nun gegen die Lohn- und Quarantänepraktiken auflehnten. 

In der Foxconn-Fabrik wird die überwiegende Mehrheit der iPhone-14-Pro- und iPhone-Pro-Max-Geräte hergestellt, den in diesem Jahr am meisten nachgefragten Handys von Apple. Die Premium-Smartphones haben die rückläufige Nachfrage nach den regulären iPhone-14-Modellen aufgefangen. Apple hat sein Gesamtproduktionsziel bereits auf etwa 87 Millionen Geräte gegenüber einer früheren Prognose von 90 Millionen Geräten heruntergesetzt. 

Nicht einmal Apple ist gegen Lieferkettenprobleme immun

Apple und Foxconn hätten die Prognosen für die Produktionsausfälle in Zhengzhou in den letzten zwei Wochen aufgrund zunehmender Störungen weiter nach oben korrigiert, sagte die Person und fügte hinzu, dass man davon ausgehe, den Produktionsausfall von sechs Millionen Einheiten im Jahr 2023 ausgleichen zu können. „Das zeigt, dass jeder, sogar Apple, anfällig für Lieferkettenbeschränkungen in China aufgrund von Covid ist“, sagt Anshel Sag von Moor Insights & Strategy. Apple und Foxconn reagierten nicht unmittelbar auf Anfragen zur Stellungnahme. 

Der Tumult in iPhone City, wie der Komplex in Zhengzhou genannt wird, ist eine deutliche Erinnerung an die Risiken, die für Apple mit seinen wichtigen Lieferketten in China verbunden sind. Foxconn bemüht sich, die Proteste zu unterdrücken, die größtenteils von neu eingestellten Mitarbeitern aus Zhengzhou ausgehen, die die lästigen Covid-Kontrollen ablehnen. Allen Arbeitnehmern  die nach Hause zurückkehren wollten, wurde ein Bonus angeboten. Am Wochenende wurde Vollzeitbeschäftigten eine Prämie von bis zu 1800 Dollar pro Monat offeriert, wenn sie bis Dezember und Januar in der Fabrik ausharren.

Die unübersehbaren und ungewöhnlichen Proteste in Zhengzhou verschärften das ohnehin schwierige Geschäftsumfeld. Der riesige Komplex beherbergt in der Hochsaison der iPhone-Produktion bis zu 200.000 Arbeiter. Berichten zufolge haben mehr als 20.000 neueingestellte Mitarbeiter das Unternehmen nach den Protesten verlassen.

Laut einer anderen Person aus dem Umfeld der Foxconn-Fertigung ist das größere Problem jedoch nicht die Abwanderung neuer Arbeitskräfte, sondern die Quarantänepflichten für bestehende Mitarbeiter, deren Erfahrung und Können nun fehlt. Foxconn bemüht sich, mithilfe von Regierungsvertretern zusätzliche Mitarbeiter einzustellen. Das taiwanesische Unternehmen, Chinas größter privater Arbeitgeber, hat jahrelange Erfahrung mit der Einstellung von Zehntausenden von Monteuren, insbesondere in der Hochsaison.

Die Analysten von Morgan Stanley haben ein Worst-Case-Szenario durchgespielt für den Fall, dass das Werk in Zhengzhou für den Rest des Jahres keine iPhones mehr ausliefern könnte. Dies würde für Foxconn im laufenden Quartal zu einem Rückgang der erwarteten Umsätze um 20 Prozent führen, schreiben die Analysten um Sharon Shih in einer Research Note vom 7. November. 

Amir Anvarzadeh, Analyst bei Asymmetric Advisors, sagt, es sei unvermeidlich, dass Apple und Foxconn von Chinas Covid-Politik betroffen sein würden. Aber es wird sie wahrscheinlich ermutigen, nach alternativen Produktionsstandorten wie Indien und Vietnam zu suchen. „Das wird Apple dazu zwingen, die Diversifizierung seiner Produktionsbasis zu beschleunigen.“

© 2022 Bloomberg L.P.

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