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Wärmepumpe statt Auto Warum der Zulieferer EBM-Papst der Autoindustrie den Rücken zukehrt

Ein Mitarbeiter des Elektromotoren- und Ventilatorenherstellers EBM-Papst, arbeitet in der Produktion an einem Ventilator
Der Autozulieferer EBM-Papst sattelt um: Künftig will das Unternehmen seine Ventilatoren für  Hersteller von Wärmepumpen anbieten
© picture alliance/dpa | Christoph Schmidt
Das Familienunternehmen EBM-Papst beliefert künftig keine Autohersteller mehr, sondern konzentriert sich auf Wärmepumpen und Cloud-Dienste. Damit ändert der Weltmarktführer mitten in der Energiekrise seine Strategie

Mitten in der Energiekrise ändert der Ventilatorenbauer EBM-Papst seine Strategie und beliefert künftig keine Autohersteller mehr. Bisher baut der Weltmarktführer aus Baden-Württemberg unter anderem Lüfter und Gebläse für Autos, doch damit ist jetzt Schluss. „Die Altaufträge arbeiten wir ab, aber es werden keine neuen Aufträge mehr reingenommen“, sagte der neue CEO Klaus Geißdörfer dem „Handelsblatt“. Auch das Geschäft mit Kühlschrank- und Geschirrspülherstellern wird eingestellt.

Stattdessen will das Familienunternehmen aus Mulfingen bei Heilbronn künftig vor allem Wärmepumpenhersteller und Cloud-Anbieter beliefern. Geißdörfer, der erst seit Kurzem im Chefsessel sitzt, verzichtet damit auf zehn Prozent des Umsatzes. „Wir sehen riesiges Potenzial in den nächsten zehn Jahren bei den Megatrends erneuerbare Energien, Data-Center und Klimatechnik. Die Welt wird immer wärmer“, so Geißdörfer. „Deshalb fokussieren wir uns als Ventilatorenhersteller auf die Luft- und Heiztechnik.“

Das mittelständische Unternehmen profitiert damit indirekt von der Klimakrise. Die Auftragsbücher sind voll, beschreibt Geißdörfer. Die Förderung von Wärmepumpen habe einen Boom ausgelöst. „Die Nachfrage hat sich binnen kurzer Zeit verdreifacht, teilweise vervierfacht. Und wir müssen überlegen, wie wir hinterherkommen, und entsprechende Kapazitäten aufbauen.“

Für Wärmepumpen liefert EBM-Papst den Ventilator. Der soll möglichst wenig Strom verbrauchen und so leise wie möglich sein. Der Markt wachse jährlich um sechs bis sieben Prozent. In drei Jahren will das Unternehmen schneller wachsen als diese Prozent-Marke.

Um das zu schaffen, soll die Produktion von Deutschland und Europa weiter ins Ausland verlagert werden. Wegen der Lieferfähigkeit und aus Sicherheitsgründen müsse man sich globaler aufstellen. Die Standorte in den USA und Asien will Geißdörfer deshalb deutlich ausbauen. „Es ist nicht zu verantworten, die bisherigen Lieferketten beizubehalten, bei denen Mulfingen stillsteht, wenn in China ein Lockdown ist.“

Immer wichtiger wird auch das Geschäft mit Datenzentren, wie sie große Konzerne wie Google, Alibaba oder Amazon betreiben. „Datencenter brauchen Belüftung und Kühlung ohne Ende, und wir sind die Energieeffizientesten in der Branche, was ja schon heute wichtig ist, aber künftig noch entscheidender für die Kunden sein wird“, so Geißdörfer.

Der Rezession sieht EBM-Papst vergleichsweise gelassen entgegen. Man habe vorsorglich ein grünes Schuldschein-Darlehen ausgegeben „für einen mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Betrag“, zum einen wegen der Nachhaltigkeit, zum anderen um flexibel zu sein. Durch solche Schuldscheine können sich Mittelständler Geld von Investoren besorgen. Im Gegensatz zu Anleihen können sie schon ab einem Mindestvolumen von 20 Mio. Euro ausgegeben werden. Für einen grünen Schuldschein qualifizieren sich nur Firmen, die nachweislich in nachhaltige Projekte investieren.

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