ExklusivVW-Vorständin verordnet Offenheit

Die neue Vorständin für Recht und Integrität bei Volkswagen, Hiltrud Werner, hat dem Topmanagement des größten europäischen Autoherstellers ein neues Auftreten verordnet. „Wir müssen die alte VW-Überheblichkeit zurücknehmen“, sagt Werner in ihrem ersten großen Interview als VW-Vorstandsmitglied gegenüber Capital. (Das Interview erscheint am 18. Mai in der neuen Capital Ausgabe 6/2017). Die Führungsriege müsse auch Ratschläge von außen annehmen. „Das ist für VW neu und ungeübt“, so Werner.

Die 51-jährige Ökonomin hat den Vorstandsposten Anfang Februar übernommen, nachdem ihre Vorgängerin, die ehemalige Verfassungsrichterin Christine Hohmann-Dennhardt, den Konzern nach 13 Monaten mit 13 Mio. Euro Abfindung verlassen hatte. Das Ressort Recht und Integrität wurde auf oberster Führungsebene erst Anfang 2016 eingerichtet nachdem der Dieselskandal aufgeflogen war.

US-Behörden hatten im September 2015 aufgedeckt, dass Dieselmotoren bei VW- und Audi-Modellen mit einer illegalen Software systematisch manipuliert wurden, um zu hohe Schadstoffemissionen zu vertuschen. In den USA waren davon 600.000 Fahrzeuge betroffen, weltweit elf Millionen. Der Betrug hat schwerwiegende Prozess- und Führungsfehler zum Vorschein gebracht. Damit so etwas nicht wieder passiert, muss VW gründlich aufräumen. Darüber wird in den kommenden drei Jahren ein sogenannter Monitor wachen. Diesen Aufpasser hat das US-Justizministerium neben einer Milliardenstrafe zur Auflage gemacht, um strafrechtliche Verfahren auszusetzen. So lange steht VW unter Bewährung. „Die Bewährungsauflagen werden uns in den nächsten drei Jahren einschränken“, räumt Werner ein.

„Das wichtigste Projekt in den nächsten drei Jahren“

Capital 06/2017
Die neue Capital erscheint am 18. Mai

Der Monitor fällt ihren Zuständigkeitsbereich. Das Amt übernimmt der renommierte Jurist und ehemalige Vize im US-Justizministerium Larry Thompson. Ihm begegnet Werner mit ihrer Offenheits- und Transparenzoffensive. „Wir müssen die Hosen runterlassen und dürfen nichts beschönigen“, sagt sie. „Wir meinen es absolut ernst mit dem Veränderungsprozess. Wir werden ein Vorbild für Integrität, ein Vorbild für Umweltschutz.“

Thompson war am 1. Mai zum Antrittsbesuch in Wolfsburg. Werner hat ihn zusammen mit Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch in Empfang genommen. Bei diesem ersten persönlichen Treffen hat die Vorständin ihm erste Vorschläge für die Zusammenarbeit und mögliche Organisationsstrukturen unterbreitet und zahlreiche Projekte umrissen. Thompson hat 60 Tage Zeit, um sich auf den – laut Werner „größten Monitorprozess aller Zeiten“ vorzubereiten und einen Vertrag mit VW zu unterschreiben. Die Frist endet offiziell Ende Juni, Werner geht jedoch davon aus, dass Thompson vor Ende Mai mit seiner Arbeit loslegen wird. Der Experte für Wirtschaftskriminalität wird mit einem Ermittlerteam durch die VW-Standorte in Wolfsburg, Neckarsulm und Herndon bei Washington ziehen. Sie werden Dokumente sichten, E-Mails flöhen, Interviews führen und an Sitzungen teilnehmen.

Werner hat ein eigenes Team zusammengestellt, dass die Monitormannschaft begleitet: 46 Manager, ein Drittel von außen, zwei Drittel aus dem Konzern, möglichst mit US-Erfahrung. Vor allem aber mit gutem Netzwerk, starker Reputation und hoher Akzeptanz in sämtlichen Fachabteilungen. Das Team leitet der Jurist Thomas Meiers, bislang Chefstratege bei der konzerneigenen Autoschmiede Italdesign. Die Teamgröße passt angesichts des allgemeinen Spardrucks nicht jedem im Vorstand. Doch Werner hat darauf gedrungen, dass sie für das „wichtigste Projekt des Konzerns in den nächsten drei Jahren“ die besten Leute bekommt.

Die neue Capital erscheint am 18. Mai. Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes, GooglePlay und Amazon