GastkommentarVerschont den Mittelstand mit Konjunkturpaketen!

Symbolbild Mittelstanddpa


„Oioioi, jetzt wird es bedenklich!“, dachte ich, als ich neulich hörte, was die Bundeskanzlerin beim Maschinenbau-Verband VDMA in Berlin geäußert hatte. Die Lage sei vor allem im Maschinenbau „besorgniserregend“, sagte sie dort. Und hatte nicht erst Ende Oktober eine Bertelsmann-Studie verkündet, dass es vielen kleinen und mittleren Unternehmen an Innovationskraft fehlt?

Beide haben zwar mit ihren Feststellungen recht: Der deutsche Mittelstand braucht mehr Innovationen! Ich befürchte nur, dass die Schlussfolgerung, die die Politik daraus zieht, die Lage noch schlimmer macht. Da bahnt sich eine reflexhafte Reaktion an, die Sie sicher schon zur Genüge kennen.

Der Kavallerie-Reflex

Dieser Reflex hat sich über die letzten Jahrzehnte entwickelt und sieht so aus: Schwächelt die Konjunktur und braucht die Wirtschaft neuen Schwung? Kein Problem, denn die Kavallerie in Gestalt der Politik kommt sofort. Sie wirft sich und das Geld der Steuerzahler heldenhaft in die Schlacht, um Deutschlands Arbeitsplätze zu retten und sich anschließend kräftig auf die Schulter zu klopfen. Nicht umsonst hat Markus Söder erst im Sommer das Thema Konjunkturpaket für den Mittelstand wieder in die öffentliche Runde gestreut.

Vielleicht ahnen Sie schon, auf wen oder was ich gerade warte.

Bedenklich finde ich solche Konjunkturpakete nicht nur, weil sie riesige Summen verschlingen. Sie bewirken noch etwas viel Schlimmeres: Sie ersticken jegliche Innovationsbestrebungen.

Machen Sie es sich bequem!

Ja, genau: Das, was diese Programme vorgeblich fördern sollen, machen sie tatsächlich sogar kaputt.

Innovationen zu entwickeln, ist von Haus aus unbequem. Das gehört dazu, denn kein Mensch kann Ihnen im Vorhinein sagen, ob Ihre Innovation und die Investition, die sie Sie kostet, funktionieren wird. Bei Optimierungen ist das etwas anderes: Da können Sie sich Schrittchen für Schrittchen vorantasten und das Risiko klein halten. Etwas komplett Neues aus dem Boden zu stampfen, hat immer etwas mit Risiko zu tun.

Was sagt Ihr gesunder Menschenverstand: Wann sind Sie eher bereit, sich auf das Unbequeme und Riskante einzulassen? Wenn Sie dazu gezwungen sind oder wenn Ihnen jemand Geld schenkt, damit Sie sich noch ein bisschen länger ausruhen können?

Außerdem haben Innovationen immer auch etwas mit Geschwindigkeit zu tun. Ideen altern heutzutage ziemlich schnell. Ich weiß nicht, ob Sie sich schon einmal mit dem Ausfüllen von Förderanträgen befasst haben? Das kostet unglaublich viel Zeit. Und noch viel mehr Zeit geht ins Land, bis Sie wissen, ob Ihr Antrag genehmigt wird oder nicht. Ich höre immer wieder von Unternehmern, die eine Idee zur Förderung eingereicht haben, und Jahre später erst damit starten können. Das geht mit keiner Halbwertszeit für eine Innovation zusammen.