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Falschprognosen Unterschätzte Inflation: Die falschen Prognosen der Notenbanken und ihre Folgen

Christine Lagarde und Jerome Powell sitzen nebeneinander bei einer Konferenz der EZB
Christine Lagarde und Jerome Powell: Bei den Inflationsprognosen sehen weder die EZB noch die Fed gut aus
© ECB / Flickr.com (creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/2.0/)
Mit ihren Inflationserwartungen lagen die Notenbanken weltweit grandios daneben: Die Teuerungswelle wurde von Fed, EZB und Co. unterschätzt. Das rächt sich jetzt

Rund um den Globus ist den Notenbanken kollektiv ein folgenschweren Prognosefehler unterlaufen: Sie registrierten zu spät, wie sich die größte Teuerungswelle seit Jahrzehnten aufbaute.

Wie die folgende Reihe von Diagrammen zeigt, haben die Währungshüter fast durch die Bank und über länger Zeit das Ausmaß des Inflationsschocks unterschätzt. In der Folge mussten sie ihre Prognosen ständig weiter nach oben korrigieren.

Und dieses Versagen hat schwerwiegende Konsequenzen.

Die EZB schätzte die Inflation falsch ein
Die EZB schätzte die Inflation falsch ein
© Bloomberg

Europäische Zentralbank, Federal Reserve und andere Notenbanken müssen nun versuchen, die verlorene Zeit aufzuholen, indem sie die Zinssätze so stark anheben wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Das könnte die Zinsen am Ende auf ein höheres Niveau treiben, als wenn sie früher angehoben worden wären. Zudem untergraben die falschen Vorhersagen das Vertrauen in das Versprechen, dass eine sanfte Landung noch möglich ist.

Tatsächlich besteht nun wegen der hastigen Zinserhöhungen ein größeres Rezessionsrisiko. Außerdem könnten Politiker versuchen, die Geldpolitik wieder stärker an sich zu reißen – in den USA etwa, wenn die Republikaner bei den Zwischenwahlen im November die Kontrolle über den Kongress erlangen.

Höher als angenommen: Auch die Fed lag mit ihren Prognosen daneben
Höher als angenommen: Auch die Fed lag mit ihren Prognosen daneben
© Bloomberg

„Unsere Zentralbank hat uns im Jahr 2021 ziemlich im Stich gelassen“, sagt der ehemalige US-Finanzminister Lawrence Summers, der für Bloomberg Television arbeitet. Ihre Bilanz bei den Prognosen sei schlecht, kritisiert er. „Und ich muss sagen, dass dies nicht vollständig in Ordnung gebracht worden ist.“

Fed-Präsident Jerome Powell und seine Kollegen räumen ein, dass sie Fehler gemacht haben. Sie rechneten damit, dass sich die Inflation als „vorübergehend“ erweisen würde. Pandemiebedingte Probleme wie die Engpässe in den Lieferketten und die übermäßige Nachfrage nach einigen Gütern würden mit dem Abflauen des Coronavirus und dem Ende der Quarantänemaßnahmen verschwinden – das war die Annahme.

„Ich glaube, wir haben vor allem gelernt, wie kompliziert die Probleme auf der Angebotsseite sein können“, sagte Powell am Mittwoch zu der unzutreffenden Prognose der Fed für die Inflation im Jahr 2021.

Jenseits der Erwartungen: Bank of Japan hat ihre Inflationsprognose für dieses Fiskaljahr mehr als verdreifacht
Jenseits der Erwartungen: Bank of Japan hat ihre Inflationsprognose für dieses Fiskaljahr mehr als verdreifacht
© Bloomberg

Da die Zentralbanken ihre ultralockere Politik beibehielten, gaben die Verbraucher weiter Geld aus und der Handel blieb angespannt. Der Krieg in der Ukraine und Chinas Zero-Covid-Politik verstärkten diese Tendenz und schraubten die Kosten für Lebensmittel und Kraftstoffe hoch. Die angespannte Lage auf den Arbeitsmärkten gab den Löhnen Auftrieb, und massive fiskalische Anreize in einigen Ländern heizten die Nachfrage an. Bloomberg Economics geht nun davon aus, dass die weltweite Inflation ihren Höhepunkt erst im dritten Quartal mit 9,3 Prozent erreichen wird.

Freilich waren die Zentralbanker nicht die Einzigen, die das Ausmaß des Inflationsproblems nicht richtig erkannten. Wetten an den Geldmärkten implizierten noch im Februar einen durchschnittlichen jährlichen Preisanstieg von knapp über zwei Prozent in den USA, also nahe am Zielwert der Fed.

Falsche Vorhersage: Die Inflationsrate ist jetzt fast fünfmal so hoch wie von der Bank of England Anfang letzten Jahres vorhergesagt
Falsche Vorhersage: Die Inflationsrate ist jetzt fast fünfmal so hoch wie von der Bank of England Anfang letzten Jahres vorhergesagt
© Bloomberg

Auch der Median der von Bloomberg Ende 2021 befragten Ökonomen für die US-Inflation – die damals schon sieben Prozent erreichte - lag für 2022 nur bei etwa 4,3 Prozent. Die tatsächliche Teuerung lag schon im ersten Halbjahr darüber und die Volkswirte hoben ihre Prognosen an.

Das ist auch an der Politik nicht vorübergegangen, von der sich die Notenbanken in den letzten Jahrzehnten immer unabhängiger gemacht haben. Die britische Außenministerin Liz Truss, die im Rennen um die Nachfolge für Boris Johnson als Favoritin gilt, hat bereits angedeutet, dass sie das Mandat der Bank of England ändern könnte.

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©2022 Bloomberg L.P.

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