Western von gesternDer AEG-Untergang

Ex-AEG.Chef Heinz Dürr und die Sprengung der AEG-Hauptverwaltung
AEG-Chef Dürr konnte den Niedergang nicht verhindern. 1999 wurde die frühere Konzernzentrale gesprengt
© Illustration: Jindrich Novotny / Foto: dpa

Wie die Posaunen von Jericho dröhnt der Klang des Horns über den Theodor-Stern-Kai in Frankfurt. Hunderte Schaulustige sind gekommen, darunter auch ehemalige Mitarbeiter von AEG. Es ist ihre Art des Abschiednehmens. Kurz nach dem Ertönen des Warnhorns erschüttert die Detonation von 40 Kilogramm Sprengstoff die Mainmetropole. Die einstige Hauptverwaltung des Traditionskonzerns fällt in sich zusammen. Ein Bild mit Symbolcharakter. Es ist der 9. Mai 1999, ein Sonntag.

AEG – das war einmal ein Stück stolze Wirtschaftsgeschichte. In besseren Zeiten beschäftigte das Unternehmen knapp 200.000 Mitarbeiter, zählte zu den weltweit größten Elektrokonzernen. AEG war Rüstungskonzern, baute Lokomotiven und Autoteile, erfand unter anderem das Tonbandgerät und versuchte sich sogar an Kernkraftwerken. Bekannt wurde es aber für seine weiße Ware, für Bügeleisen und Küchengeräte.

AEG vs. Siemens

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Die aktuelle Capital

1883 war das Unternehmen, das wenig später unter dem Namen Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) firmierte, in Berlin gegründet worden – und hatte von jeher ein Ziel: Siemens, den großen Konkurrenten, vom Thron zu stoßen. Während Siemens sich aber konservativ finanzierte, lebte AEG von dem Vertrauen der Banken. Und das enttäuschte der Konzern zutiefst.

AEG kaufte, expandierte, wuchs wild. Ohne Plan, ohne Überblick. In den 70er-Jahren geriet der Konzern in Schieflage, nur mit Notverkäufen konnte er überleben. „AEG – Alles Ein Gammel“, spotteten Kritiker. Ein neuer Mann an der Spitze sollte es richten: Heinz Dürr. Er verkaufte ganze Sparten, suchte Partner, leitete Massenentlassungen ein. Es reichte nicht. 1982 stellte AEG beim Gericht den Antrag auf ein Vergleichsverfahren. Die Gläubiger verloren 4 Mrd. D-Mark – und AEG seine Traditionsmarke Telefunken. Die Krise aber schien abgewendet. 1985 stieg Daimler-Benz mit 75 Prozent ein – Aufbruchstimmung! Doch AEG verfiel in alte Muster. Statt zu konsolidieren, expandierte das Unternehmen erneut, kaufte immer neue Sparten hinzu.

1989 steckte AEG wieder tief in den roten Zahlen. Dürr schmiss Ende 1990 hin. Der Ausverkauf begann. 1995 kaufte die schwedische Electrolux die Haushaltssparte mit dem Stammwerk in Nürnberg – und die Markenrechte. So überlebte wenigstens der Name, wenn auch nicht der Konzern. Nach 113 Jahren wurde AEG 1996 aus dem Handelsregister gelöscht.

Hauptperson

Heinz Dürr machte sich als Mittelständler einen Namen, indem der 1933 in Stuttgart Geborene den familieneigenen Anlagen- und Maschinenbauer zur weltweit operierenden Dürr-Gruppe ausbaute. Als Krisenmanager holte ihn 1980 AEG an Bord, nachdem der Konzern einen Rekordverlust von knapp 1 Mrd. D-Mark eingefahren hatte. Dürr führte AEG durch die Sanierung und unter das Dach von Daimler-Benz. 1991 ging er zur Deutschen Bahn und blieb dort bis 1997 als Vorstandsvorsitzender.

 

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