KolumneTeflon-Stadler und die Audi-Wegseher

Bernd Ziesemer
Bernd ZiesemerCopyright: Martin Kress

Audi-Vorstandschef Rupert Stadler verfügt offenbar über eine Haut aus Teflon. Seit zwei Jahren steht der Manager nun im Kreuzfeuer der Kritik, aber irgendwie bleibt an dem 54-Jährigen nichts kleben. Mögen sich die Staatsanwälte in der Zentrale in Ingolstadt auch die Klinke in die Hand geben, bisher hat man Stadler keine strafrechtlichen Verfehlungen nachweisen können. Und dann, nur dann muss der Chef wohl wirklich gehen. Dass Stadler die professionelle Verantwortung für einen großen Teil des Dieselskandals trägt, schert die entscheidenden Leute im Konzern seit Monaten überhaupt nicht. Möglicherweise loben sie ihn aus taktischen Gründen trotzdem irgendwann in den Konzernvorstand nach Wolfsburg weg – das dürfte aber auch schon alles sein. Gerüchte, seine Auswechslung sei bereits für diesen April geplant, dementiert VW-Chef Matthias Müller bislang hart.

Aus dem Aufsichtsrat von Audi hat Stadler nichts, aber auch gar nichts zu befürchten. Dort sitzen nicht Auf-, sondern Wegseher. Weil Audi eine hundertprozentige VW-Tochter ist, regiert dort der merkwürdigste Aufsichtsrat der ganzen Republik. Den Vorsitz führt VW-Chef Müller. Neben ihm sitzen zwei weitere VW-Vorstände und der Vorsitzende des VW-Aufsichtsrats, Hans Dieter Pötsch. Hinzu kommen insgesamt fünf Wächter aus der Familie Porsche-Piëch, die es angesichts ihrer mangelnden Qualifikation wohl in keinen anderen deutschen Aufsichtsrat geschafft hätten.

Als einzig unabhängiger Aufsichtsrat gehört dem Gremium noch der 76-jährige Unternehmer Helmut Aurenz an, der durch den Verkauf von Blumenerde zu größerem Reichtum gelangt ist. Das „Manager Magazin“ kolportierte vor länger Zeit, der Senator h.c. sei durch einen puren Zufall in die Runde gelangt: In Davos parkte Aurenz einst seinen nagelneuen Audi Quattro direkt neben dem baugleichen Renner von Ferdinand Piëch – und kam so mit dem früheren Selbstherrscher des VW-Konzerns ins Gespräch. Piëch holte ihn anschließend in den Audi-Aufsichtsrat, wo er nun schon seit über 20 Jahren sitzt.

Der Porsche-Piëch-Clan hält zu Stadler

Das ist also nun das illustre Gremium, das über das Wohl und Wehe von Stadler zu entscheiden hat. Unter dem Strich kann man sagen: Es ist allein der Porsche-Piëch-Clan, der ihn rauswerfen könnte. Doch dort fehlt es an allem, was gute Aufsichtsräte ausmacht. Es mangelt an praktischer Führungserfahrung, es mangelt an unternehmerischen Mut und es mangelt vor allem an dem Willen, die Grundsätze guter Unternehmensführung durchzusetzen, wie sie in der übrigen deutschen Wirtschaft mehr oder weniger seit langem geübte Praxis sind.

Dem jetzigen Chaos bei Audi können unter diesen Umständen eigentlich nur die Staatsanwälte ein Ende bereiten, falls sie doch noch offizielle Ermittlungen gegen Stadler aufnehmen sollten. Doch auch sie haben sich in den letzten Monaten nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Erst in der letzten Zeit wächst bei ihnen offenbar die Bereitschaft, wirklich hart gegen die Manager des Konzerns vorzugehen. Was aber am Ende daraus wird, steht nach wie vor in den Sternen.