BörsengangWas Sie über den IPO von Suse wissen müssen

An der Frankfurter Börse könnte mit Suse noch vor Ende Juni das nächste Schwergewicht an die Börse gehen
An der Frankfurter Börse könnte mit Suse noch vor Ende Juni das nächste Schwergewicht an die Börse gehenIMAGO / Michael Weber

Nach den IPOs von Auto1 und der Vodafone-Tochter Vantage Towers ist mit Suse das nächste deutsche Firmenschwergewicht an der Börse vertreten. Am Mittwochmorgen brachte der Nürnberger Anbieter von Open-Source-Software 37,7 Millionen Aktien in Umlauf. Als Ausgabepreis hatte der schwedische Finanzinvestor und Suse-Eigentümer EQT 30 Euro pro Aktie veranschlagt. Das Ausgabevolumen liegt damit bei 1,12 Mrd. Euro – doppelt so hoch als ursprünglich geplant.

Die Kursentwicklung am Morgen bleibt allerdings leicht hinter den Erwartungen zurück: Die Aktie startete mit einem Erstpreis von 29,50 Euro und sank im Laufe des Morgens um zwischenzeitlich 6,7 Prozent auf 27,50 Euro. Auch die erhoffte Bewertung von 7 bis 8 Mrd. Euro verfehlte Suse nach dem IPO knapp. Zum Ausgabepreis kommt das Nürnberger Unternehmen auf eine Bewertung von 5,05 Mrd. Euro.

Wie funktioniert das Geschäft von Suse?

Suse wurde 1992 gegründet. Heute zählt das Unternehmen mit seinen 2000 Mitarbeitern zu den Marktführern bei Open-Source-Software. Dabei konzentriert sich Suse – der Name ist eine Abkürzung für Software und System-Entwicklung – vor allem auf das Angebot von Linux-Betriebssystemen, Container-Management und Edge-Software. Diese Dienste findet man beispielsweise in den Betriebssystemen von Autos. Mehr als die Hälfte der 500 umsatzstärksten Unternehmen weltweit setzt nach eigenen Angaben auf Suses Linux-Betriebssystem. Vor zwei Jahren hatte der Private-Equity-Investor EQT das Open-Source-Unternehmen für 2,5 Mrd. Euro gekauft. Im Dezember 2020 hat Suse das US-Open-Source-Unternehmen Rancher Labs übernommen, das vor allem auf Container-Management – und damit die leichtere Verarbeitung von Daten in der Cloud – spezialisiert ist.

Wie hat sich Suse wirtschaftlich entwickelt?

Für die Geschäftszahlen des Nürnberger Software-Anbieters gab es in den letzten Jahren nur eine Richtung: nach oben. Laut eigenen Angaben wächst das Unternehmen mittlerweile seit 16 Quartalen in Folge. Zuletzt lag der Umsatz im ersten Quartal 2021 bei 134 Mio. Euro– ein Anstieg um 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahreswert. Auch im Coronajahr baute Suse seinen Kundenstamm weiter aus. Laut eigenen Angaben ist die Auftragsrate in allen Bereichen zweistellig gewachsen. Für das Geschäftsjahr 2019/2020 verzeichnet Suse damit ein Umsatzwachstum von 17 Prozent – das entspricht 503 Mio. Dollar. Allein im Geschäft mit Linux-Anwendungen setzte Suse für diesen Zeitraum 447 Mio. Dollar um. Die operative Umsatzrendite (Ebdita-Marge) für das vergangene Geschäftsjahr lag bei 40 Prozent.

Was bedeutet der Börsengang für Suse?

Mit dem IPO-Erlös von 549 Mio. Euro will Suse die Verschuldung in Höhe von 1,2 Mrd. Euro abbauen und ein Beteiligungsprogramm für Mitarbeiter aufsetzen. Außerdem will das Unternehmen durch den Börsenstart weiter wachsen. „Der geplante Börsengang gibt uns die strategische und finanzielle Flexibilität, mit der wir unsere langfristige Unabhängigkeit sichern können“, sagte Suse-CEO Melissa Di Donato Ende April in der Mitteilung zu den IPO-Plänen. Organisiert wurde der Verkauf von den Investmentbanken Bank of America und Morgan Stanley. Zu den Ersten, die Suse-Papiere zeichneten gehörten auch der US-Investor Capital Research und der Staatsfonds von Singapur (GIC), die zusammen Aktien rund 340 Mio. Euro kauften. Der Großteil der Anteile – rund drei Viertel – bleibt aber auch nach dem IPO in den Händen von EQT. „Wir sind mehr denn je vom langfristigen Potenzial des Unternehmens überzeugt“, sagte EQT-Partner Johannes Reichel Ende April in der Mitteilung über den geplanten IPO.

Wer führt die Geschäfte bei Suse?

Seit Mitte 2019 ist die ehemalige SAP-COO Melissa Di Donato CEO bei Suse. Unter ihrer Führung hat das Unternehmen sein Geschäftsmodell weiter ausgebaut. Eine Karriere im IT-Sektor hatte Di Donato bei ihren frühen Karriereplänen nicht vorgesehen. Eigentlich wollte die 47-Jährige Amerikanerin mit italienischen Wurzeln US-Botschafterin in Russland werden, studierte Politikwissenschaften am New Yorker Manhattanville College und Russisch und internationaler Wirtschaft an der American University in Washington. Ein Tipp ihres Dekans brachte ihr schließlich die Tech-Branche näher – und schließlich lernte Di Dinato Coden. Vor ihrer Zeit als COO und Chief Revenue Officer bei SAP arbeitete sie bereits bei IT-Riesen wie IBM, Oracle und Salesforce. Mit dem IPO ist sie die erste Frau in Deutschland, die einen Milliardenkonzern an die Börse gebracht hat. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, hat Di Donato während des Börsengangs Aktien im Wert von mehr als acht Millionen Euro gezeichnet.

Wer ist die Konkurrenz von Suse?

Mit seiner Ausrichtung kann Suse angesichts der wachsenden Bedeutung von Big Data, Cloud-Anwendungen und dem Internet of Things auch weiterhin einer steigenden Nachfrage an Linux-Betriebssystemen und dem Einsatz von Containern rechnen. Laut EQT könnte der Markt in den nächsten drei Jahren um 17 Prozent auf ein Volumen von 34 Mrd. Dollar wachsen. Neben Suse dürfte das aber auch das Geschäft seines größten Konkurrenten antreiben: US-Open-Source-Anbieter Red Hat, der in 2018 von IBM übernommen wurde und ein eigenes Linux-Betriebssystem vertreibt. Auch Red Hat verzeichnet für das Coronajahr ein Umsatzwachstum von 18 Prozent und setzt diesen Kurs auch im ersten Quartal in 2021 fort. Anders als Suse hat der US-Software-Anbieter seinen IPO schon hinter, wurde aber nach der Übernahme durch IBM nach 20 Jahren von der Börse genommen. IBM hatte Red Hat damals für einen Wert von 34 Mrd. US-Dollar gekauft.


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