PsychedelikaWas hinter dem Börsengang der Biotech-Firma ATAI steckt

Es ist ein Börsengang, der Fantasien weckt – oder zumindest wecken könnte. Immerhin geht es um ein Unternehmen, das an Pyschedelika, sogenannten psychoaktiven Substanzen forscht: ATAI Life Science. Das Berliner Unternehmen operiert damit in einer Branche, die über keinen legalen Markt verfügt – und den es somit noch nicht so richtig gibt. Die Substanzen, wie sie unter anderem in Magic Mushrooms zu finden sind, werden in den meisten Ländern noch als gefährliche Drogen eingestuft und sind deshalb verboten. Warum setzt das Unternehmen trotzdem darauf und was hat es mit dem Börsengang auf sich?

Der Markt existiert zwar noch nicht, die Betonung hier liegt aber auf dem Wort noch. Denn das könnte sich bald ändern – in einigen Ländern, allen voran in manchen Staaten der USA, wird gerade an der Gesetzeslage geschraubt. Den Stoffen aus den Pilzen wird nachgesagt, sie könnten Therapien bei mentalen Krankheiten revolutionieren. ATAI sieht sich selbst als Forschungsplattform, die dieses Potenzial auschöpfen will. Das Unternehmen beteiligt sich an Firmen, die an psychedelischen und nicht-psychedelischen Wirkstoffen für die Behandlung psychischer Erkrankungen forschen. Ein von den Zulassungsbehörden freigegebenes Mittel gibt es bisher jedoch nicht.

Eine Millionenwette

Es gilt jedoch als wahrscheinlich, dass Substanzen wie Psilocybin, MDMA, Ibogain oder Ketamin bald entkriminalisiert werden. Damit wären diese Psychedelika dann für medizinische Zwecke nutzbar – oder sie könnten es zumindest werden. Es ist also eine Millionenwette, die ATAI, und vor allem Gründer Christian Angermayer, da eingeht. Besser gesagt: Eine 100 Millionen-Wette. Denn so viel Geld will er bei dem geplanten IPO einsammeln. Bei der letzten Finanzierungsrunde wurde das Unternehmen mit 2 Mrd. Dollar bewertet.

Bei ATAI geht es daher zunächst auch darum, einen Markt zu kreieren und dann – im besten Fall – eine ganze Palette von Krankheiten, vielleicht nicht zu heilen, aber doch zu lindern. Das Unternehmen mit Sitz in Berlin ist schon jetzt ein großer Player in der Forschung auf dem Feld der psychoaktiven Substanzen. Mit dem Geld aus dem Börsengang will die Firma weit verbreiteten Krankheiten wie Depressionen Angststörungen, Schizophrenie oder Suchtproblemen etwas entgegensetzen – der Forschungsaufwand und der finanzielle Einsatz könnte sich auszahlen.

Peter Thiel an Bord

Wie der Weg an die Börse aussehen soll, wurde in dieser Woche klarer, wobei der genaue Zeitpunkt noch nicht feststeht. Das Unternehmen hat am Dienstag seinen Börsengang bei der Aufsichtsbehörde der New Yorker Börse angemeldet. Das Unternehmen will seine Aktien an der Technologiebörse Nasdaq platzieren. Konsortialbanken sind unter anderem Credit Suisse, Cowen, Berenberg und die Citigroup. ATAI kann damit solide Unterstützung aus der Finanzwelt vorweisen.

Laut einem Bericht der United States Securietes and Exchange Commission hat ATAI bisher 362,2 Mio. Dollar von privaten Investoren eingesammelt. Ein prominenter Unterstützer ist der deutschstämmige Starinvestor Peter Thiel, der unter anderem als Co-Founder von Paypal bekannt wurde. Über seinen Venture-Capital-Geber Thiel Capital ist er seit November mit rund 10 Mio. Euro an ATAI beteiligt. Dem Sender CNBC sagte Thiel damals, dass das Ziel von ATAI sei, „psychische Krankheiten so ernst zu nehmen, wie wir es schon immer hätten tun sollen. Das wertvollste Kapital vonn ATAI sei die Dringlichkeit der Sache“. Krankheiten wie Depressionen beträfen nicht nur die Erkrankten selbst. Die Probleme, die sie hervorriefen, sickerten wie toxisches Gas auch in die Gemüter der Menschen um sie herum. Vielfaches Leid könnte gelindert werden, wenn die Forscher Erfolg hätten.

Auch wenn ATAI mit rund 50 Mitarbeitern ein kleines Unternehmen ist, unterhält es Büros in Berlin, New York und San Diego. Das Unternehmen hilft den Start-ups, in die es investiert, dabei Geld einzusammeln, mit Regulierungsbehörden zu arbeiten und klinische Studien in Auftrag zu geben. Es will somit den Weg für andere frei machen.

Transzendenz und Mystik

Über Angermayer, der ATAI 2018 gegründet hat, hat das Magazin Business Punk ein Porträt gebracht. Sein Ziel ist es, mit dem Unternehmen einen Psychedelika-Markt der Zukunft aktiv mitzugestalten. „Man muss stets den Status Quo hinterfragen und sich überlegen, wie die Welt von morgen aussieht“, sagte er dem Magazin. Angermayer kommt aus Bayern lebt aber gerade in London. Er gehört zu den 1000 reichsten Deutschen.

Angermayer gilt als einer der erfolgreichsten deutschen Investoren. Mit seinem Hauptunternehmen Apeiron Investment Group investiert er vor allem in zukunftsträchtigen Branchen wie Raumfahrt, künstliche Intelligenz und eben Biowissenschaften.

Vor sechs Jahren, erzählte er Business Punk, hatte er einen Trip mit psychoaktiven Substanzen, konkret mit Magic Mushrooms. In einem Land, in dem solche Trips legal sind. Dabei war ein Freund, der sich mit dem Thema auskennt. Seinen Trip beschreibt er rückblickend als transzendente und mystische Erfahrung, in der das Ego verschwindet und man sich auf eine spirituelle und religiöse Reise begebe. Doch sah er dahinter mehr als nur eine Erfahrung für sich selbst, sondern eben auch ein großes Geschäft. Doch damals gab es weder ein Unternehmen noch ein Geschäft. Also gründete er selbst eine Firma: Compass.

Compass erforscht, wie man Psychedelika wie Psilocybin für die Behandlung zulassen kann. „Wenn uns das gelingt, dann werden wir unsere Gesellschaft deutlich zum Positiven verändern“, sagte er gegenüber Business Punk. Als die US-Arzneimittelaufsichtsbehörde FDA Compass eine „breakthrough therapie designation“ verlieh, gründete Angermayer ATAI, um dem Thema noch mehr Substanz zu geben.

Compass ist bereits seit September an der Börse und wird ebenfalls an der Nasdaq gehandelt. Das Unternehmen hat zurzeit einen Wert von 1,3 Mrd. Dollar. Auch Peter Thiel ist in Compass investiert.

 


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