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Bäcker ächzen unter Energiekosten „Wir haben unsere Preise schon drastisch erhöht“

Die Bäcker haben mit den hohen Energiepreisen zu kämpfen
Die Bäcker haben mit den hohen Energiepreisen zu kämpfen
© IMAGO / Rene Traut
Nicht nur Verbraucher leiden unter den hohen Energiepreisen, sondern auch viele Handwerksbetriebe wie Bäckereien. Wenn die Politik nicht bald einschreite, werden es nicht alle Läden schaffe, warnt Bäcker Axel Oppenborn

Durch die explodierenden Energiekosten fällt es den Bäckereien in Deutschland schwer, ihre Öfen am Laufen zu halten. Wenn die Politik nicht bald etwas unternehme, werden es nicht alle Betriebe schaffen, sagt Axel Oppenborn im Gespräch mit ntv.de. Mit seinem Bruder betreibt er eine Bäckerei-Kette in Hannover. Um die Extra-Kosten aufzufangen, müssten seine Brötchen schon jetzt fast doppelt so teuer sein. Und das sei erst der Anfang, denn die Kosten für Strom und Gas steigen weiter.

Wie geht es Ihrer Bäckerei zurzeit?

Axel Oppenborn: Wir machen uns große Sorgen. Zum einen sind die Preise für Rohstoffe so hoch wie noch nie. Wegen der Corona-Krise, Lieferschwierigkeiten und nun dem Ukraine-Krieg kostet Mehl zum Beispiel doppelt so viel wie vor den Krisen. Zum anderen wurde uns im März der Stromvertrag gekündigt, sodass wir in die Grundversorgung gefallen sind. Nun zahlen wir für Strom das Vierfache. Immerhin läuft unser Gasvertrag noch bis Ende des Jahres - einigen Kollegen wurde auch dieser bereits gekündigt. Gas kostet im Moment das Zehnfache. Hinzu kommt noch der Mindestlohn, der uns auch trifft. Wir kämpfen mit einer riesigen finanziellen Herausforderung.

Wie stemmen Sie die enormen Mehrkosten?

Im Moment durch Preisanpassungen.

Können Sie Ihre gesamten Extra-Kosten an die Kunden weitergeben?

Wir haben unsere Preise schon drastisch erhöht. Allerdings kommen wir damit an unsere Grenzen, denn wir merken, dass bei unseren Kunden langsam eine Kaufzurückhaltung einsetzt.

Wie viel kostet ein Brötchen bei Ihnen, und wie teuer müsste es sein, um die gestiegenen Kosten abzufedern?

Im Moment kostet unser normales Brötchen 50 Cent. Um die Preise aufzufangen, müssten es vielleicht 80 bis 90 Cent sein. So genau kann ich das allerdings nicht sagen, weil ich nicht sehe, dass der Energiepreis irgendwo stehen bleibt. Im Moment gibt es kein Licht am Ende des Tunnels.

Welche Möglichkeiten haben Sie noch, um Kosten zu sparen?

Sie sind auf jeden Fall begrenzt. Wir haben in unseren Geschäften zum Beispiel Backöfen, die mit Strom beheizt werden. Um etwas zu sparen, könnten wir also von allem weniger backen oder das Sortiment reduzieren. Bäckerei-Betriebe könnten auch etwas Gas einsparen, indem sie Wärmerückgewinnung nutzen. Für den Umbau müssten sie jedoch erst einmal wieder investieren.

Der Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer sagte kürzlich, er rechnet mit einer Insolvenzwelle im Handwerk, wenn der Branche nicht schnell geholfen wird. Können Sie ihre 240 Mitarbeiter über den Herbst und Winter bringen?

Ja, wir werden unsere Mitarbeiter über den Winter bringen, weil unser Vertrag für Gas noch bis Ende des Jahres läuft und wir an die Politik glauben. Wenn sich da allerdings nichts tut und die Preise weiter steigen, wird es im nächsten Jahr schwierig werden. Die Preise sind so exorbitant gestiegen, dass man sie dann realistisch nicht mehr bezahlen kann. Ein Beispiel: Ein Kollege hat für das Gas für seine Produktion immer rund 8000 Euro im Monat bezahlt. Nachdem sein Vertag gekündigt wurde, zahlt er nun 75.000 Euro im Monat. Dieser Preis ist so an der Realität vorbei, dass ihn viele nicht dauerhaft bezahlen werden können. Ohne Gas gibt es jedoch auch keine Produktion.

Dabei werden Brot und Brötchen doch eigentlich immer gebraucht.

Das stimmt. Aber es gibt heutzutage viele Möglichkeiten, Brot zu kaufen. Wenn die Bäckereien zu teuer werden, greifen Menschen wahrscheinlich zu industrieller Ware. Wenn das Handwerk stirbt, bleiben schließlich nur die Industrie-Brötchen. Die Industrie kann ihre Produkte aus dem Ausland importieren und mit billigen Arbeitskräften herstellen. Dieses Szenario ist eine unserer größten Befürchtungen.

Inwiefern ist diese Krise für Sie schlimmer als die Belastungen durch die Corona-Pandemie?

Die Café-Schließungen in der Pandemie waren auch für uns schlimm. Allerdings hatten wir da die Möglichkeit, uns anzupassen. Wir haben die Kurzarbeit in Anspruch genommen und konnten durch weniger Personal und Material Kosten sparen.

Die Bundesregierung hat zwar bereits drei Entlastungspakete geschnürt, jedoch hilft keins von denen mittelständischen Unternehmen. Was muss die Regierung tun, um die Bäckereien zu retten?

Wir fordern drei Dinge von der Regierung: Erstens sollte der Staat 80 Prozent der Mehrkosten, die wir im Gegensatz zu 2021 haben, übernehmen. Zweitens müssen Betriebe, die schon jetzt Liquiditätsprobleme sehen, als Härtefall eingestuft werden, um schnelle Hilfe zu bekommen. Und drittens muss Finanzminister Christian Lindner die Schuldenbremse lösen, denn anders wird die Regierung die Kosten der Energiekrise nicht tragen können.

Dieser Artikel erschien zuerst auf ntv.de.


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