GastkommentarSparkassen in Schieflage

Sparkasse
Sparkassenfiliale in Frankfurt (Foto: Frankfurter Sparkasse)

Andreas Buschmeier ist promovierter Volkswirt und Professor an der BA Fulda. Seit 2003 unterstützt er mit buschmeier-consulting Unternehmen bei ihrer Finanzkommunikation und ihrem Rating. Außerdem war er als Berater der europäischen Bankaufsichtsbehörden und der Bundesregierung tätigAndreas Buschmeier ist promovierter Volkswirt und Professor an der BA Fulda. Seit 2003 unterstützt er mit buschmeier-consulting Unternehmen bei ihrer Finanzkommunikation und ihrem Rating. Außerdem war er als Berater der europäischen Bankaufsichtsbehörden und der Bundesregierung tätig. Er betreibt den Blog „All about Banking“


In den letzten Tagen hat sich die FAZ ausführlich mit der Sparkassenorganisation beschäftigt. Am 02. Februar erschien ein Artikel mit der Überschrift „Wann schließen die ersten Sparkassen?“. Es wird berichtet, dass das aktuell extrem niedrige Zinsniveau den Sparkassen – und auch den Genossenschaftsbanken – große Schwierigkeiten bereite. Der Stuttgarter Bankenprofessor Hans-Peter Burghof spekuliert, dass die regionalen Institute ab 2018 „massive Probleme“ bekommen werden. Hauptproblem sei das Geschäftsmodell.

Die Gewinne der Institute hängen zum großen Teil vom Zinsüberschuss aus dem Einlagengeschäft ab. Diese Marge ist die Differenz zwischen den Zinsen, die die Kreditinstitute aus den von ihnen vergebenen Krediten erhalten und den Zinsen, die sie ihren Einlegern zahlen, deren Gelder sie zur Kreditvergabe verwenden. Und diese Marge schrumpft. Genau das Geschäftsmodell, das die Sparkassen weitgehend unbeschadet durch die Finanzkrise brachte, wird nun aufgrund der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) zum existenzbedrohenden Problem.

Großbanken trifft dieses Problem nicht im gleichen Ausmaß. Sie betreiben unterschiedliche Geschäfte und können daher Verluste in dem einen Bereich durch Gewinne in einem anderen Geschäftsfeld ausgleichen, ihre Erträge sind diversifiziert. Genau dieser Punkt ist auch mein Hauptargument gegen ein Trennbankensystem, das seit der Finanzkrise immer wieder gefordert wird.

„Zocken zur Wiederauferstehung“

Neben dem problembehafteten Geschäftsmodell wird den Sparkassen auch ihre Kostenstruktur zum Verhängnis. Sie müssen ihr teures Filialnetz mit vielen Mitarbeitern aus schrumpfenden Margen finanzieren. Selbst die Bankenaufsicht BaFin sieht sich bereits genötigt die Institute zu warnen. Sie sollten keine zu hohen Risiken eingehen, um neue Ertragsquellen zu erschließen. Diese Warnung ruft Erinnerungen an die 80er-Jahre wach. Damals waren die US-amerikanischen Savings & Loan Associations in extreme Schieflage geraten und versuchten, sich über hochriskante Geschäfte zu retten. Dieses Vorgehen ging als „gambling for resurrection“, also „Zocken zur Wiederauferstehung“, in die Lehrbücher ein.

Mitte Januar habe ich bereits in meinem Blog berichtet, dass der Präsident des Deutschen Sparkasssen- und Giroverbands (DSGV) Georg Fahrenschon die fehlende Kreditnachfrage seitens der Unternehmen bemängelt und die Gefahr eines „Investitionsstaus“ im Mittelstand sieht. Das sollte nicht verwundern, denn das Firmenkundengeschäft ist im Vergleich zum Einlagegeschäft mit Privatkunden für die Sparkassen noch einigermaßen ertragreich.

Die Hoffnung auf steigende Zinsen dürfte sich kurzfristig weder für Kreditinstitute noch für Anleger erfüllen. Es bleibt den Banken nur eine Senkung der Kosten. Gerade für die regionalen Sparkassen und Genossenschaftsbanken würde jedoch die Schließung von Filialen bedeuten, dass sie ihrer originären Aufgabe – Nähe zu den Kunden – nicht mehr nachkommen können und damit einen Teil ihrer Identität verlieren.

Staatliche Eingriffe sind nicht angebracht

Vor diesem Hintergrund sollte es nicht überraschen, dass der baden-württembergische Sparkassenpräsident Schneider eine staatliche Prämie für Sparer anregt (siehe FAZ). Da der Staat aufgrund der niedrigen Zinsen profitiere, solle er doch bitte den Sparern etwas davon zurückgeben. Schneider denkt dabei an das in den 50er-Jahren eingeführte Prämiensparen, bei dem nach sieben Jahren vom Staat eine Prämie auf einen vorher festgelegten Höchstbetrag gezahlt wird.

Aus Sparkassensicht ist das eine schöne Idee. Der Staat hilft den von niedrigen Zinsen gebeutelten Sparern und rettet gleichzeitig die Sparkassenorganisation. Und wo wir schon dabei sind: Warum sollte es nicht auch Prämien für Unternehmensanleihen geben? Wenn die niedrigen Zinsen der EZB schon nicht für eine höhere Kreditnachfrage seitens der Unternehmen sorgen, dann helfen vielleicht zusätzliche Staatsprämien.

Selbstverständlich halte ich solche staatlichen Eingriffe in marktwirtschaftliche Prozesse für nicht angebracht, trotz meiner Sympathien für das deutsche Bankensystem mit den drei Säulen Großbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Jedes Unternehmen muss meines Erachtens ohne staatliche Unterstützung überlebensfähig sein oder aus dem Markt austreten. Und dass Unternehmen weniger Kredite nachfragen und geringere Investitionen tätigen, lässt sich politisch und EZB-seitig nur bedingt beeinflussen. Einerseits existieren einige Unsicherheiten hinsichtlich der weltwirtschaftlichen Situation, die die Investitionslust der Unternehmen dämpfen. Andererseits finanzieren viele Unternehmen die von ihnen für sinnvoll erachteten Investitionen aus Eigenmitteln.

Es existieren Grenzen für die staatliche Einflussnahme auf wirtschaftliche Prozesse. Und das ist auch gut so.