GastkommentarSharing Economy wird zur Wirtschaftsmacht


Peter Wippermann hat das Trendbüro gegründet und ist Professor für Kommunikationsdesign an der Folkwang Universität der Künste, EssenPeter Wippermann hat das Trendbüro gegründet und ist Professor für Kommunikationsdesign an der Folkwang Universität der Künste, Essen


Die Sharing Economy gibt uns einen Vorgeschmack auf die Netzökonomie von morgen in der Beziehungen wichtiger werden als Produkte. Das Internet mit dem Web 2.0 hat die Voraussetzungen für eine neue Wirtschaftsordnung geschaffen. Soziale Beziehungen wurden durch Facebook und anderen Community Plattformen zu Programmen, zu reiner Information. Soziale Beziehungen wurden zu Algorithmen, messbar, kalkulierbar und automatisierbar. Damit wurde es erstmals ökonomisch sinnvoll soziale Vernetzungen in den Mittelpunkt neuer Geschäftsideen zu stellen.

Der Siegeszug des mobilen Internets durch die schnelle Verbreitung von Smartphones beschleunigte diese Entwicklung. Vor dem Hintergrund des technologischen Wandels wird die Sharing Economy zum kulturellen und ökonomischen Gewinner der aktuellen digitalen Transformation unserer Gesellschaft.

Neu ist, dass die Privatperson zum wichtigsten Glied der Wertschöpfungskette wird. Sie wird sich auf idealistischen, kommerziellen und gesellschaftlichen Community Plattformen gleichzeitig engagieren. Immer aber wird jedes Mitglied der Sharing Economy die technischen Voraussetzungen von Hard- und Software mitbringen müssen, seine Zeit investieren und vor allem eine persönliche Dateneingabe machen, die viel über seine Privatsphäre verrät. Der Austausch von Informationen über Sehnsüchte und Verhalten in der Privatsphäre wird zur Ressource und zur unabdingbaren Teilnahme an dieser sich schnell entwickelnden digitalen Beziehungswirtschaft.

Gleichzeitig gibt es Schattenseiten, denn die Sharing Economy zerstört alte Geschäftsprinzipien der massenhaften Warenproduktion der Industriekultur und individualisiert die bisher kollektiv gesicherte Arbeitswelt. Deutlich wird das bei dem aktuellen Protest der Taxifahrer, die gegen neue Wettbewerber der Sharing Economy kämpfen, wie in diesem Fall gegen den global agierenden US-amerikanischen Limousinen-Service „Uber“. Sich auf alte Verordnungen der Industriezeit zu berufen, um ökonomischen Wandel durch juristische Hürden aufzuhalten oder doch zu verlangsamen hat noch nie funktioniert. Die Weberaufstände der Ludditen, die gegen die Industrialisierung ihrer vertrauten Arbeitswelt kämpften, sind vergleichbar mit dem sozialen Kampf, der dem Wandel zur Sharing Economy noch bevorsteht.  

Drei Modelle der Sharing Economy

Es gibt drei Modelle der Sharing Economy: das private Sharing von Konsument zu Konsument (P2P), neue Geschäftsmodelle zwischen Unternehmen und Konsumenten (B2C) sowie die Sharing Society, die in den Sharing Cities dabei ist zu entstehen und den Bürger als soziales, technologisches Wesen entdecken. Diese drei Sharing Angebote ergänzen und vernetzen sich. Sehr gut ist es im Bereich der Mobilität zu beobachten. Es war die Industrieidee den individuellen Besitz eines Autos zur Basis des ökonomischen Erfolges zu machen. In der Sharing Economy steht nun der Nutzen des Autos, also die Mobilität, im Zentrum des gemeinsamen Interesses von Produzenten, Community Plattformen, Nutzer und Städten.

Fangen wir mit dem P2P-Modell an. Nachbarn haben sich ihr Auto geliehen und das über das Internet organisiert, wie z.B. auf der Berliner Community Plattform „nachbarschaftsauto.de“. Der Vorteil war, dass der Besitz eines Autos nicht mehr die Voraussetzung für die individuelle Mobilität war. Die Nutzungskosten wurden unter den Privatpersonen ausgehandelt. Die Plattform zumindest in der Startphase ideell betrieben.

Daraus ist die Idee, der kommerziellen Angebote im B2C-Modell, entstanden. Traditionelle Autobauer, wie Mercedes, stiegen mit Car2go in das Carsharing Geschäft ein. Für das Unternehmen der Industriekultur war es eine Weiterentwicklung des Geschäftsmodells des Leasings, nur dass die Nutzungsdauer von Jahren auf Minuten verkürzt wurde. Ein Vorteil für Nutzer, sie mussten nur zahlen, wenn sie tatsächlich fahren wollen gleichzeitig entsteht ein ökonomischer Gewinn für das Unternehmen, denn kürzere Leasingzeiten können teurer sein und bringen bei häufiger Nutzung mehr Gewinn.

Das dritte Modell betrifft die Sharing Cities. Die Belastung durch mehr Autos in den Städten hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen, währenddessen stagniert der Ausbau von Straßen und Parkplätzen. Ein multimodaler Verkehr zwischen privaten und öffentlich rechtlichen Anbietern der Sharing Economy bietet einen neuen sinnvollen Ansatz die Stau- und Park-Probleme zu lösen. Hier ist das Modell des Mercedes Mobility Services richtungsweisend. Unter der neuen Mobilitätsmarke „moovel“ bietet das Unternehmen die nutzerorientierte Vernetzung aller Fahrangebote an: vom Bike Sharing, Mitfahrgelegenheiten, Peer2Peer Carsharing, Carsharing, Autoverleih, Taxi fahren bis zum Sharing Parking.

Airbnb ist milliardenschwer

Wie schnell und ökonomisch erfolgreich sich die Sharing Economy bereits entwickelt hat, lässt sich gut am Tourismus-Markt beobachten. Das amerikanische Unternehmen Airbnb wurde 2008 in Silicon Valley gegründet um Programmierern preiswerte private Unterkünfte zu vermitteln, notfalls auf einer Luftmatratze. Heute ist die Community Plattform für die private Vermittlung von Zimmern, Wohnungen und Häusern weltweit tätig und wird mir einem Unternehmenswert von 10 Mrd. US-Dollar von den Finanzmärkten bewertet.

Bis 2025 wird die Sharing Economy mit ihren neuen Unternehmen, nach Prognose der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers 335 Mrd. Dollar umsetzen. Der Sharing Economy gehört die ökonomische Zukunft in unserer Netzgesellschaft.