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Raffineriestandort „Heute ist ein guter Tag für Schwedt“

Blick auf die PCK-Raffinerie in Schwedt
Blick auf die PCK-Raffinerie in Schwedt
© IMAGO / Jochen Eckel
Der Bund hat die Kontrolle über die PCK-Raffinerie in Schwedt übernommen. Reicht das? Gewerkschafter Rolf Erler ordnet ein, was der Schritt für die Menschen vor Ort bedeutet – und was aus seiner Sicht noch folgen müsste

Seit Monaten bangen die Menschen in der Raffineriestadt Schwedt bei der Frage, wie es weitergeht, wenn ab Ende des Jahres kein russisches Öl mehr nach Deutschland fließt. Bislang war die Raffinerie mehrheitlich im Besitz des russischen Staatskonzerns Rosneft. Nun hat die Bundesregierung die Kontrolle übernommen und Rosneft Deutschland sowie die RN Refining & Marketing GmbH (RNRM) unter Treuhandverwaltung gestellt.

Zugleich kündigte sie ein Zukunftspaket für die klimaneutrale Transformation an. Für Schwedt stünden 825 Mio. Euro bereit, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz in einer Pressekonferenz am Freitag, in der er sich auch direkt an die Beschäftigten der Raffinerie wandte und sagte, niemand müsse Angst um seinen Arbeitsplatz haben. Wie kommt das vor Ort an? Rolf Erler, Bezirksleiter der Gewerkschaft IGBCE, gibt im Interview mit Capital einen Einblick.

Herr Erler, Sie sind seit Monaten in Schwedt und der Region unterwegs und bekommen die Sorgen der Menschen hautnah mit. Waren Sie erleichtert, als Sie erfuhren, dass der Bund die Kontrolle über die Raffinerie übernommen hat?

Natürlich. Die Veränderung der Eigentümerstruktur ist ein sehr wichtiger Schritt. Es gab ja zunehmend Signale, dass andere Unternehmen nicht mehr mit der Raffinerie zusammenarbeiten wollten. Das hätte in Zukunft zu immer mehr Blockaden geführt. Endlich liegen außerdem Fakten auf dem Tisch, die den Menschen Sicherheit geben. Der Bundeskanzler hat sich in der Pressekonferenz ja auch direkt an die Beschäftigten gewandt und zugesichert, niemand müsse Angst um seinen Arbeitsplatz haben.

Sie sind gerade in der Raffinerie in Schwedt. Wie ist die Stimmung dort?

Die Betriebsräte sind froh, dass nun Form annimmt, was sie zusammen mit uns als Gewerkschaft seit Monaten fordern, nämlich die Absicherung der Beschäftigten und dass Mittel für Infrastrukturprojekte bereitgestellt werden, um Schwedt und die Region in eine gute Zukunft zu bringen. Das ist für uns die Nachricht des Tages.

Und wie sieht es bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus?

Für viele wird das eine große Erleichterung sein. Aber bis eine echte Beruhigung und Aufhellung der Stimmung eintritt, müssen wohl noch ein paar Tage vergehen. Die Menschen müssen sehen, dass das, was jetzt angekündigt wurde, auch passiert.

Wie haben Sie die letzten Monate in Schwedt erlebt?

Das war schon eine sehr angespannte Stimmung, und zwar bei den Menschen in- und außerhalb der Raffinerie. Sie haben wirklich ganz, ganz große Sorgen um die Zukunft. Die Raffinerie ist das Herz und das Rückgrat von Schwedt. So hat es auch der Ministerpräsident Dietmar Woidke heute gesagt. Wenn das wegbricht, hat es Auswirkungen auf die gesamte Region. Die Sorgen hier waren also riesig, und es wurde viel in der Öffentlichkeit über die Zukunft der Raffinerie spekuliert. Das hat natürlich zu einer großen Verunsicherung geführt.

Was müssen aus Ihrer Sicht die nächsten Schritte sein?

Wir sind heute am Anfang eines Weges, der sicherlich noch länger sein wird und auf dem es auch mal einen Stolperstein geben kann. Wenn Ende des Jahres kein Öl mehr über die Druschba-Pipeline aus Russland nach Schwedt fließt, muss die Pipeline aus Rostock nach Schwedt „ertüchtigt“ werden. Das ist das Kernstück der Aufgaben. Und wir alle wissen, dass bei Bauprojekten etwas schief gehen kann, dass sie sich bisweilen verzögern. Wir werden auch klären müssen, was passiert, wenn weniger Öl in Schwedt ankommt und die Raffinerie nicht voll ausgelastet ist. Wir als Gewerkschaft fordern, dass alle das gleiche Geld wie jetzt verdienen. Es wird also Probleme geben, aber ich bin zuversichtlich, dass wir auf einem guten Weg sind. Nach Monaten der Sorge ist heute ein guter Tag für Schwedt.


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