FinanzbranchePrivate Equity liefert in den USA kaum noch höhere Renditen

Leon Black (l.) und David Rubenstein im Gespräch auf der Superreturn 2019
Leon Black (l.) und David Rubenstein im Gespräch auf der Superreturn 2019Horst von Buttlar

Seit 2009 hat die Private-Equity-Branche keine höheren Renditen erwirtschaftet als vergleichbare US-Indizes. Während Übernahmefonds auf Zehnjahressicht im Schnitt 15,3 Prozent Rendite pro Jahr erwirtschaften, lieferte ein äquivalenter Index – der so genannte S&P 500 PME – 15,5 Prozent. Das ist ein Ergebnis des „Global Private Equity Reports 2020“ der Unternehmensberatung Bain & Company, der Capital vorab vorlag.

„Privates Beteiligungskapital übertrifft immer noch öffentliche Anlageklassen“, heißt es in der Studie. Es erziele „stabilere und zuverlässigere Renditen in allen wichtigen Regionen über mehrere Zeithorizonte.“ In den USA jedoch „hätten Renditen von privatem und öffentlichem Kapital begonnen zu konvergieren“. Auf Sicht von 15, 20 oder 30 Jahren ist das Bild eindeutig: Hier liefert die Branche höhere Renditen, sogenannte Prämien (Premiums). Auf Sicht von 30 Jahren waren es im Schnitt stolze 13,1 Prozent – während der Vergleichsindex nur 8,1 Prozent brachte. Auch in Europa und in Asien ist der Vorsprung der Private-Equity-Branche offenkundig. In den USA ist das Bild weniger eindeutig. „Eine Parität mit den öffentlichen Märkten ist nicht das, wofür PE-Investoren bezahlen“, heißt es in der Studie. Sie hätten „allen Grund, eine Prämie zu erwarten (…) Wenn alle Dinge gleich sind, bieten öffentliche Kapitalmärkte mehr Liquidität und geringere Kosten.“

551 Mrd. Dollar wurden 2019 investiert

Der „Global Private Equity Reports 2020“ von Bain & Company erscheint jedes Jahr vor der  „Superreturn” in Berlin, dem wichtigsten Treffen der Branche, das diese Woche stattfindet. Rund 3000 Teilnehmer werden in der deutschen Hauptstadt erwartet. Abgesehen von dem Renditemakel liegen insgesamt goldene Zeiten hinter der Branche. „Der Beat geht weiter“, heißt es in dem Bain-Report – trotz Brexit und Handelskrieg. Zwischen 2014 und 2019 erlebten Investoren die besten sechs Jahre ihrer Geschichte, in denen rund 3,2 Billionen Dollar in Transaktionen flossen.

Auch wenn das Jahr nicht an frühere Rekorde anknüpfen konnte: Insgesamt 551 Mrd. Dollar investierten Buyout-Fonds 2019, das waren weniger als 2018 (607 Mrd.) und soviel wie 2017. Das Geld floss in insgesamt 3600 Deals. Auch frisches Kapital strömte weiter reichlich in die Hände von privaten Investoren, um sich an Unternehmen, Infrastruktur oder Immobilien zu beteiligen: 894 Mrd. Dollar waren es 2019, der zweithöchste Betrag nach dem Rekordjahr 2017. Allein Übernahmefonds, die in Unternehmen investieren, konnten 361 Mrd. Dollar einsammeln.

„Die PE-Branche kann auf ein weiteres sehr gutes Jahr zurückblicken“, sagte Bain-Partner Rolf-Magnus Weddigen. „Doch für diesen Erfolg musste sie mehr denn je arbeiten. Der Anlagedruck ist enorm, der Wettbewerb hart und die Bewertungen sind höher denn je.“ So ist die Summe des Kapitals, das eingesammelt aber nicht investiert ist, auf 2,5 Billionen Dollar gestiegen – dieses sogenannte „Dry Powder“ ist mehr als doppelt so hoch wie vor zehn Jahren.

405 Mrd. Dollar für Exits

Solche Zahlen begleiten die verwöhnte Private-Equity-Branche seit vielen Jahren, weshalb die Stimmung auf der „Superreturn“ gewöhnlich zwischen angespannter Euphorie und gedämpfter Nervosität schwankt. Viele fragen sich, wie lange die Party noch weiter geht. Investoren haben seit Jahren viel Geld eingesammelt, investiert und verdient – auch weil immer mehr Kapital auf dem Globus nach Anlagemöglichkeiten sucht. Und so sind die Preise gestiegen, die für Unternehmen gezahlt werden – dank der hohen Bewertungen gibt es aber auch zahlreiche lukrative Exits. Die Summe der Veräußerungen lag 2019 bei 405 Mrd. Dollar, das waren etwas weniger als 2018 (414 Mrd. Dollar). Im Schnitt halten Private Equity-Investoren ihre Unternehmensbeteiligungen 4,3 Jahre, im Jahr 2016 waren es noch sechs Jahre.

Wenn Frauen auf Deals sitzen, sind die Ergebnisse besser

Die „neue Konvergenz“ bei 10-Jahres-Renditen wirft für die Branche indes Fragen auf: „Investoren haben in den letzten zehn Jahren aus einem einfachen Grund mehr als zwei Billionen US-Dollar in Buyout-Fonds investiert: Sie liefern“, heißt es in der Bain-Studie. Werde diese Konvergenz es nun „schwieriger machen, die nächsten zwei Billionen Dollar aufzubringen?“ Dafür müssten auch die Börsen ihre Rallye in dem Tempo fortsetzen, was natürlich bezweifelt werden kann.

Immerhin haben die Bain-Berater in Zusammenarbeit mit Oliver Gottschalg, Professor an der HEC School of Management in Paris, einige Erfolgsfaktoren für hohe Private-Equity-Renditen identifiziert. Gottschalg hat 1250 Deals analysiert. Zum einen seien Einzelpersonen wichtiger als die PE-Firma, so ein Ergebnis. „Der Effekt des einzelnen Managers ist zwei Mal so stark wie der Effekt der PE-Firma.“ Und wenn Frauen an dem Deal führend beteiligt sind, liefern sie um 12 Prozentpunkte höhere Ergebnisse (Internal Rate of Return, IRR) als Teams, bei denen nur Männer auf dem Deal saßen.