SanktionenWie die USA Nordkorea vom Welthandel abschneiden

Symbolbild Kein Deal zu sehen
Der Handel mit Nordkorea gilt schon seit langer Zeit als heikel. Das Embargo ist heute noch effektiver.Getty Images

Es ist nicht leicht, unbemerkt 2000 Lastwagen um die halbe Welt zu schmuggeln. Der Fahrer des Industriellen Otto Wolff von Amerongen fährt deswegen 1951 extra von Köln nach Amsterdam, um dort einen Brief mit einem niederländischen Deckabsender in einen Briefkasten zu werfen.

Die Post geht zur Privatbank E. Ott & Co nach Zürich, die sie in die nordchinesische Hafenstadt Tianjin weiterexpediert. Dort nämlich verhandelt Otto Wolffs Vertrauter Gerhard Ludwig Flatow über die Lieferung besagter 2000 Lkw von Daimler-Benz nach Rotchina, das damals mit Nordkorea verbündet ist.

Das Risiko des Geschäfts ist gewaltig, deswegen verlangen die Deutschen Vorkasse. Zur Sicherheit soll das Geld über die Pariser Banque de l’Indochine in die Schweiz fließen, die Ware mit einem polnischen Frachter nach Hongkong kommen. So will man das Embargo der Amerikaner umschiffen, die seit dem Beginn des Koreakriegs 1950 die Ausfuhr kriegswichtiger Güter nach Nordkorea und in das verbündete Rotchina verbieten. Flatow macht in diesen Monaten durch solche Geschäfte hart am Rande der Legalität „mehrere Millionen Dollar“, wie ein anderer deutscher China-Kaufmann in einem Brief voller Neid bemerkt.

Der bisher unbekannte Vorfall von 1951 kann als Musterbeispiel für das Verhalten einiger deutscher Unternehmen in den vergangenen Jahrzehnten gelten. Viele dieser Fälle kommen erst jetzt ans Tageslicht, weil der US-Geheimdienst CIA seit einigen Jahren einschlägige Dokumente freigibt.

So lieferte etwa die Delta-Avia Fluggeräte GmbH aus dem Eifelörtchen Ochtendung 1983 sogar 87 Hughes-Hubschrauber aus den USA an die Nordkoreaner – wohl der spektakulärste Sanktionsbruch. 2002 flog der deutsche Unternehmer Hans-Werner Truppel in allerletzter Minute mit der Lieferung von 22 Tonnen Präzisionsröhren aus Aluminium auf, die für Nordkoreas Atombombenprogramm bestimmt waren.

Neue Technik, neue Gesetze

Die Fülle krummer westlicher Geschäfte mit der Kim-Diktatur galt lange als Beweis dafür, dass sich Sanktionen nicht durchsetzen lassen. Erst recht nicht, wenn eine Großmacht wie China hinter den Kulissen weiter liefert, was Nordkorea am dringendsten braucht. Und wenn ein Embargo selbst gegen den allerschlimmsten Paria der Weltgemeinschaft nicht funktioniert – wo dann?

Doch diese Sichtweise stimmt nicht mehr. Zum ersten Mal, seit Napoleon 1806 mit seiner Kontinentalsperre gegen Großbritannien das Zeitalter der Sanktionen einläutete, kann der Westen Diktaturen heute mit wirtschaftlichem Druck wirklich in die Knie zwingen.

Die Experten der Anwaltskanzlei Paul, Weiss in New York sprechen von „dramatischen Veränderungen“ im Kampf gegen Schurkenstaaten – ausgelöst durch neue amerikanische Gesetze, neue Strategien westlicher Geheimdienste und neue Techniken zur Überwachung der Sanktionen.