Lieferdienst Gorillas-Konkurrent Grovy ist pleite 

Der Lieferdienst Grovy wollte es mit Branchengrößen wie Gorillas oder Wolt aufnehmen. Nun ist er pleite
Der Lieferdienst Grovy wollte es mit Branchengrößen wie Gorillas oder Wolt aufnehmen. Nun ist er pleite
© Grovy Tech
Inflation und steigende Zinsen sorgen für immer weniger Finanzierungsrunden. Vor allem Lieferdienste sind betroffen. Jüngstes Opfer ist das Frankfurter Start-up Grovy, das nun Insolvenz anmelden musste

Der Frankfurter Schnellieferdienst Grovy ist pleite. Nach Informationen von Capital hat das Unternehmen Ende Mai einen Insolvenzantrag am zuständigen Amtsgericht gestellt. Eine Insolvenzverwalterin wurde bereits berufen. Wie es mit dem Unternehmen weitergeht und ob sich möglicherweise ein Käufer findet, ist unklar. Grovy-CEO Justin Adam wollte sich auf Anfrage nicht zur Insolvenz äußern.  

Der Insolvenzgrund ist offenbar einfach: Nach Capital-Informationen reichte das Geld nicht für die ambitionierten Wachstumspläne in Osteuropa. Erst im Dezember sicherte sich das Unternehmen eine Seed-Finanzierung in Höhe von 3 Mio. Euro. Zu den Investoren zählten damals der tschechische Frühphasen-VC Lighthouse Ventures und bekannte Szene-Köpfe wie Finn Age Hänsel und Fabian Friede (beide Ex-Rocket und Gründer der Sanity Group). In den vergangenen Wochen habe das Unternehmen versucht, weiteres Kapital für eine Series A-Finanzierung einzuwerben, heißt es aus dem Umfeld des Unternehmens. Der Deal schien so gut wie sicher, doch dann sei ein wichtiger Geldgeber weggebrochen. Offenbar war es den Gründern nicht gelungen, rechtzeitig neue Investoren aufzutreiben.  Außerdem sind wichtige Kooperation wie zuletzt mit Lieferando weggebrochen.  

Grovy nur das jüngste Beispiel 

Investoren haben im vergangenen Jahr Milliardensummen in 15-Minuten-Lieferdienste wie Gorillas, Flink und Getir gesteckt. Im Zuge des Geldregens schossen immer neue Player aus dem Boden. Die Zeichen standen auf Hyperwachstum, koste es was es wolle. Der Fall Grovy zeigt, dass nun die Qualitätsselektion begonnen hat.  

Denn, auch das wird am Beispiel Grovy deutlich: das Finanzierungsumfeld hat sich deutlich eingetrübt, Investoren pumpen deutlich weniger Geld in den Markt als im vergangenen Jahr. Capital hat Daten des Branchendiensts Dealroom ausgewertet, die genau das zeigen. Während Investoren von Oktober bis Dezember 2021 noch 6,5 Mrd. Dollar in deutsche Start-ups steckten, waren es im ersten Quartal 2022 nur noch etwa 3,2 Mrd. Dollar – ein Rückgang von rund 50 Prozent.  

Die Finanzierungsflaute trifft vor allem Start-ups, die bisher sehr viel Geld verbrennen, ohne wirklich profitabel zu sein. Auch steigende Finanzierungskosten durch höhere Zinsen spielen hier eine Rolle. Ergebnis ist eine gnadenlose Konsolidierung im Lieferdienst-Markt.

Übernahmen als weiteres Symptom

Die laufende Marktbereinigung zeigt sich nicht nur durch Insolvenzen, sondern auch durch Übernahmen: So schluckte das Berliner Start-up Flink jüngst den französischen Rivalen Cajoo, Gorillas kaufte den Pariser Lieferdienst Frichti und der US-Branchenprimus schnappte sich den finnischen Konkurrenten Wolt. Die Idee dahinter ist einfach und folgt dem Prinzip: „The winner takes it all“. Investoren spekulieren auf einen ruinösen Wettbewerb, an dessen Ende nur ein Unternehmen – das größte Unternehmen – steht. Diese Firma diktiert dann die Preise und erzielt hohe Gewinne. Der Börsenwert der Firma wäre entsprechend hoch – und der Gewinn für Investoren umso höher. So zumindest die Wette der Geldgeber. 

Andererseits müssen auch die großen Player gerade sparen. Nur zwei Monate nach der Übernahme von Frichti hat Gorillas in dieser Woche 300 Mitarbeitern in der Berliner Zentrale gekündigt. Zwar wurde der Hauptsitz im vergangenen Jahr formal nach Amsterdam verlegt, ein Großteil der Mitarbeiter saß aber weiter in Berlin. Die Kündigungswelle trifft nun fast die Hälfte der Belegschaft – sowohl in Berlin als auch in Amsterdam. „In diesen schwierigen Zeiten werden die Gewinner in unserer Branche bestimmt“, schrieb Gorillas-CEO Kagan Sümer in einem Brief an seine Mitarbeiter. Der Kahlschlag trifft alle Unternehmensbereiche, vor allem aber das Recruiting. Dort wo Mitarbeiter entlassen werden müssen, braucht es eben keine Neueinstellungen. 

Steigende Zinsen sorgen für Probleme

Auch Gorillas soll Probleme mit der Finanzierung haben. Aus Branchenkreisen heißt es, dass die laufende Finanzierungsrunde längst abgeschlossen sein sollte. Doch offenbar sind auch hier mehrere Investoren wieder abgesprungen – etwa, weil die Zinsen in den USA gestiegen sind. In solchen Zeiten werden Wertaktien attraktiver, da ihr Wachstum nicht vom Zinsumfeld abhängt. Da Lieferdienste aber genau für solche Wachstumswerte stehen, die negativ von steigenden Zinsen beeinflusst werden, fließt aktuell auch weniger Geld in die Branche.  

Gorillas will nun durch geringere Personalkosten so schnell es geht in die Gewinnzone kommen. Das wäre für risikoscheue Investoren wichtig, die in Unternehmen wie Wolt, Grovy und Co. oft nur riesige Geldverbrenner sehen. Gorillas könnte durch den Sprung in die Gewinnzone also tatsächlich noch seine Finanzierungsrunde sichern.  

Konkurrent Grovy hingegen hat diese Chance jetzt nicht mehr.  

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