PorträtJared Kushner - der Trump‑Flüsterer

Auf der Siegesfeier in der Wahlnacht  gratuliert Jared Kushner (r.) Donald Trump. Links: Trump-Tochter Ivanka
Auf der Siegesfeier in der Wahlnacht gratuliert Jared Kushner (r.) Donald Trump. Links: Trump-Tochter Ivanka
© Getty Images

„Mein Schwiegervater ist ein unglaublich liebevoller und toleranter Mensch“, sagt Jared Kushner. „Seine Unterstützung ist unerschütterlich und kommt von Herzen.“ Der Unterschied zwischen ihm und all den Menschen, die seinen Schwiegervater attackierten, sei einfach, schreibt er: „Ich kenne ihn und sie ihn nicht.“ Über wen nur redet Kushner, dieser freundliche Mann mit den Grübchen, mit so warmen Worten?

Natürlich über Donald Trump.

Kushner, 35 Jahre alt, ist verheiratet mit Trumps Tochter Ivanka. Er gibt keine Interviews, in denen Journalisten nachhaken könnten, wie genau sich Trumps Liebe und Toleranz äußern. Interviews geben muss Kushner allerdings auch nicht, denn er besitzt selbst eine Zeitung. Dort kann er Leitartikel schreiben, etwa seine Trump-Lobrede aus dem Juni. Titel: „The Donald Trump I Know“ – eine flammende Verteidigung seines Schwiegervaters, des künftigen US-Präsidenten, gegen Attacken aller Art. „Ich sage den Menschen, dass Donald Trump ein Rorschachtest ist“, schreibt Kushner. „Die Leute sehen in ihm, was sie in ihm sehen wollen.“

„Ein brillanter junger Mann“

Kushner ist Trump kaum von der Seite gewichen in den Monaten vor der Wahl. Er hatte kein offizielles Amt im Trump-Team, aber er steckte hinter den wichtigsten Entscheidungen des künftigen Präsidenten. Trump, der sich mehr auf seine Familie verlässt als auf alle Berater, hat Kushner zu einem seiner engsten Vertrauten gemacht. „Er ist der mächtigste Mensch nach Trump selbst“, sagte ein Insider dem Onlinemagazin „Politico“. US-Medien nennen Kushner den „Trump-Flüsterer“. Donald Trump selbst nennt Kushner „einen brillanten jungen Mann“. Kush­ner gilt als der Einzige, der den volatilen Trump zur Ruhe bringen und bei Laune halten kann. Er kennt das von seinem eigenen Vater.

Ein Amt im Weißen Haus wäre die Krönung seiner steilen Karriere. Kushner ist Spross eines skandalgebeutelten Immobilienclans aus New Jersey. Mit 25 Jahren übernahm er die milliardenschwere Familienfirma und kaufte die Wochenzeitung „The New York Observer“. Mit 26 erwarb er ein glitzerndes gläsernes Hochhaus in Manhattan. Mit 28 heiratete er Ivanka Trump. Mit 35 verhalf er ihrem Vater zur Präsidentschaft.

Trump will unbedingt, dass Kushner mit ihm in der Regierung arbeitet. Er verlieh ihm den Titel Senior Advisor to the President of the United States. Ein Amt für den Schwiegersohn würde mit großer Sicherheit gegen die amerikanischen Gesetze verstoßen, die Vetternwirtschaft verhindern sollen. Doch Trump scheint das nicht zu kümmern. Kushner hat laut Medienberichten schon mit Anwälten darüber gesprochen. Bei Trumps erstem Treffen mit Barack Obama war Kushner dabei und spazierte mit Obamas Chief of Staff durch den Rosengarten des Weißen Hauses.

Politische Erfahrung hat er nicht. Seine Ernennung ist ein deutliches Zeichen, dass Trump vorhat, das Weiße Haus so zu führen wie sein Unternehmen: weitgehend ohne externe Berater und stattdessen mit Familienmitgliedern in den wichtigsten Positionen. Ihnen vertraut er, weil sie keine eigenen Machtpläne haben, sondern nur ein Ziel: den Patriarchen zu unterstützen. Kushner selbst sieht Loyalität als oberste Familienpflicht

Während des Wahlkampfs wuchs Kushners Bedeutung stetig. Er gilt als der Organisator der Onlinekampagne, die Trump die Unterstützung der rechten Internetgemeinde eingebracht hat. „Jared versteht die Onlinewelt auf eine Art, wie traditionelle Medienleute es nicht tun“, erklärte Eric Schmidt, ­Ex-Chef von Google, dem Magazin „Forbes“. „Er hat das Wahlkampfteam mit schmalsten Mitteln und neuer Technik zusammengestellt – und er hat gewonnen. Das ist eine große Sache.“