ManagementDie Illusion vom Business‑Präsidenten

Mit Donald Trump ist erstmals ein Mensch zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt worden, der über keinerlei politische Erfahrung verfügt. Seine Distanz zu Washington war keine Schwäche, sondern wurde zum größten Vorteil im Wahlkampf. Mindestens ebenso wichtig aber war sein Ruf als Unternehmer, als Macher. Wann immer Trump-Anhänger gefragt wurden, was ihnen am Kandidaten gefalle, kam dieses Motiv auf: Wer sein eigenes Business-Imperium im Griff hat, der wird auch einen Staat erfolgreich führen können. Es ist genau das Bild, mit dem sich Trump im Wahlkampf am liebsten inszenierte.

Doch die These hat gravierende Mängel. Die Hoffnung, dass Trump zu einer Art Super-CEO der America Inc. werden kann, der das Land auf einen stabilen Wachtumspfad bringt, dürfte rasch enttäuscht werden.

Gescheiterter Millionenerbe

Die ersten Ereignisse unmittelbar nach der Wahl zeigen, dass Trump tatsächlich einen völlig anderen Politikstil mitbringt – der mit Elitenferne nur sehr wenig, mit unternehmerischer Deal-Wirtschaft hingegen sehr viel zu tun hat. Kaum war die Präsidentschaft im Sack, wurden Namen von der Wall Street und dem Private Equity-Bereich für Wirtschaftsposten im neuen Kabinett gehandelt. Trump empfing Geschäftspartner in seinen Bürogebäuden und scherte sich nicht die Bohne um irgendeine Trennung von Amt und privaten Interessen. Die Märkte sprangen auf das Signal an: Es setzte eine Aktien-Rally ein, die auch von der Erwartung getragen wurde, dass ein Präsident Trump die Bankenregulierung zurückschrauben und massiv in Infrastruktur investieren würde. Sogar der linke Kolumnist Paul Krugman schloss nicht aus, dass es erst einmal einen Trump-Boom in der Wirtschaft geben könnte.

Doch die Vorstellung vom Ober-CEO Trump ignoriert zwei wesentliche Dinge. Zum einen ist Trump eines sicher nicht: ein erfolgreicher Geschäftsmann. Er ererbte von seinem Vater ein gigantisches Vermögen, das heute wesentlich mehr wert wäre, wenn es einfach in Standard-Werte der New Yorker Börse investiert worden wäre. Trump investierte in Casinos und Immobilienprojekte, und die Liste des Scheiterns ist deutlich länger als die der Erfolge.

Vorbild Berlusconi?

Der künftige Präsident hat stattdessen eine Meisterschaft darin entwickelt, den Unternehmer zu spielen – so wie er schon jetzt kurz nach der Wahl den Präsidenten spielt. Es gelang ihm, sich erfolgreich als CEO und Unternehmer zu inszenieren. Dafür steht die Personen-Marke Trump. Nach Büchern, TV-Auftritten und Folgen der Reality-Show „The Apprentice“ assoziiert jeder Amerikaner mit dem Namen Trump Reichtum, Erfolg und Führungsstärke. Mit der Realität hat das wenig zu tun. Das Magazin Businessweek nannte Trump einmal den „Self invented Man“.

Völlig unabhängig von Trumps Fähigkeiten aber ist äußerst fraglich, ob das Konzept eines „Unternehmer-Staatschefs“ überhaupt funktioniert. In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit ist die Sehnsucht nach einer solchen Figur nichts Neues. Italien erlebte sie – und handelte sich mit Silvio Berlusconi eine wirtschaftspolitische Katastrophe ein. Auch in Mittel- und Osteuropa kamen nach der Zeitenwende von 1989 Regierungen ans Ruder, die dachten, sie könnten Staaten wie Unternehmen führen. Im heutigen Serbien saß in den 90er-Jahren ein Kabinett voller Leute, die zuvor bei der Unternehmensberatung Deloitte gearbeitet hatten – und jetzt die Zukunft ihres Landes mit Powerpoint-Präsentationen planten. Sie scheiterten krachend an der Realität.

Wirtschaft schafft Hierarchien ab

Es gibt gute Gründe dafür, dass Politik oft anders funktioniert als die Führung von Unternehmen. Das „Zähe“ im Regieren rührt von den Checks and Balances im System – der Opposition, der Justiz, den Medien, aber auch den gewollten Verlangsamern im politischen Betrieb. Sie verhindern, dass Entscheidungen übereilt oder zum Schaden wichtiger Interessengruppen getroffen werden. Echte Unternehmer in politischen Ämtern aber treibt das in den Wahnsinn. Sie verbringen oft einen Großteil ihrer Zeit mit dem Versuch, dieses System zu unterwandern – und schaden damit der Demokratie.

Auch wenn das manchen nervt und frustriert – dieselben Menschen würden diesen zähen Checks and Balances sicher nachheulen, wenn sie von einem starken Mann als Staatschef erst einmal beseitigt wurden.

Hinzu kommt noch etwas anderes: Ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, da ein autokratischer Unternehmertyp in den USA zum Präsidenten wird, kommt diese Art von Führungsstil in der Wirtschaft aus der Mode. Die Unternehmen werden umgepflügt von einem neuen Zeitgeist, der nach den Startups nun die Konzerne erfasst: weniger Hierarchie, mehr Freiheit, mehr Eigenverantwortung, mehr Demokratie in Unternehmen. Also so ziemlich das Gegenteil von Trump.

Vielleicht wird Präsident Trump am Ende also weniger der schillernde Erneuerer Amerikas werden, den sich viele herbeigewünscht haben. Sondern vielmehr derjenige, der das Wunschbild des durchregierenden Unternehmer-Präsidenten entzaubert. Ein für alle Mal.

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