KolumneKein Zurück zum Status quo ante für die Deutsche Bank

Bernd Ziesemer
Bernd ZiesemerCopyright: Martin Kress

Eine Verlobung endet nicht zwangsläufig mit einer Hochzeit. Aber wenn man sie wieder auflöst, bleibt in den meisten Fällen ein großer Scherbenhaufen zurück. Genau das Gleiche kann man über die Gespräche zwischen der Deutschen Bank und der Commerzbank sagen: Ein bloßes Zurück zum Status quo ante kann man sich nur schwer vorstellen. Scheitert der Deal, dann gehen beide Partner mit großer Sicherheit geschwächt aus dem Ganzen hervor. Und neue Strategien müssen her.

Die interessierte Öffentlichkeit diskutiert gegenwärtig vor allem die Gefahren eines Deals, der ja nur die Kombination zweier Schwächlinge sei. Man muss jedoch auch die Gefahren eines gescheiterten Deals mitbedenken. Die Aktien beider Institute dürften in diesem Fall weiter unter Druck geraten. Vor allem dürften die Risikoprämien steigen, die beide Banken zahlen müssen. Gegenwärtig schauen sich die beiden Partner gegenseitig in die Bücher. Brechen sie die Gespräche schnell wieder ab, dann kann man sich die Reaktion an den Märkten gut vorstellen. Man wird davon ausgehen, dass mindestens eines der beiden Institute weitere Leichen im Keller verbirgt; wahrscheinlich aber sogar beide Banken.

Die Börsenkapitalisierung der Deutschen Bank liegt gegenwärtig um mehr als die Hälfte niedriger als ihr Buchwert. Damit signalisiert die Aktie des Instituts: Mit weiteren hohen Verlusten der Bank ist zu rechnen. Die meisten Analysten vermuten, dass sie vor allem in ihrem Derivatebuch immer noch bisher unbekannte gefährliche Positionen mit sich herumschleppt. Bei der Commerzbank gehen die professionellen Beobachter davon aus, dass vor allem in ihrem großen Bestand an Staatsanleihen weitere hohe Risiken schlummern. Auch die Bewertung der Commerzbank liegt vor allem deshalb an der Börse um die Hälfte niedriger als ihr Buchwert.

Notfusion statt Hochzeit im Himmel

Zwar verfügen beide Banken über genug Liquidität, um allein über die Runden zu kommen. Und auch ihr Eigenkapital gilt – noch – als ausreichend. Doch bei beiden Banken hat man in der Vergangenheit gesehen, wie sich eine auskömmliche Position schnell ins Gegenteil verwandeln kann. Vor allem für die Deutsche Bank darf man daher annehmen, dass ein Abbruch der Verhandlungen mit der Commerzbank fast zwangsläufig neuen Kapitalbedarf auslösen würde – wenn nicht sofort, dann zumindest mittelfristig. Wer aber soll ihn decken?

Das erste Quartal dieses Jahres signalisiert bereits, dass es beide Banken sehr schwer haben dürften, ihre Ziele für 2019 zu erreichen. In der Berliner Politik war das der Hauptgrund, den Druck auf die beiden Institute zu erhöhen. Es geht nicht um eine Hochzeit im Himmel, die Schaffung eines nationalen Champions oder ähnliches mehr. Es geht schlicht darum, schwere Erschütterungen auf dem deutschen Finanzmarkt zu verhindern. Deshalb stand von Anfang der Begriff „Notfusion“ im Raum. Die Angst diktiert in der Politik das plötzliche starke Interesse an einer Fusion, nichts sonst.

Natürlich darf es trotzdem keinen Deal um jeden Preis geben. Und natürlich sind viele Argumente gegen eine Fusion richtig. Man muss fragen, ob das jetzige Management der Deutschen Bank wirklich die Kraft und die Rücksichtslosigkeit hat, den Abbau von Zehntausenden Arbeitsplätzen durchzuziehen. Aber die Gewerkschaften sollten sich keine Illusionen machen: So oder so kommt es zu weiteren harten Einschnitten in beiden Häusern. Solange sie – einzeln oder gemeinsam – nicht nachhaltig Geld verdienen, kann von sicheren Arbeitsplätzen keine Rede sein.


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