Hollywood Kein Batman für Russland: Wie die Filmbranche auf Putins Krieg reagiert

Werbung für den neuen Film „The Batman“ am Times Square in New York: In Russland wird der Film erst einmal nicht zu sehen sein.
Werbung für den neuen Film „The Batman“ am Times Square in New York: In Russland wird der Film erst einmal nicht zu sehen sein.
© IMAGO / Levine-Roberts
Fünf große Filmstudios pausieren die Veröffentlichung ihrer Filme in Russland, Netflix weigert sich, russische Propaganda zu senden. Wie sich die Filmbranche im Ukraine-Krieg positioniert

In russischen Kinos bleiben die Leinwände erst einmal dunkel – zumindest, wenn es um Hollywood-Filme geht. Kein neuer „Batman“-Streifen, kein neuer Zeichentrickfilm von Pixar und auch kein Spiderman-Spinoff: Gleich fünf große US-amerikanische Studios haben angekündigt, die Veröffentlichung ihrer Filme in Russland auszusetzen. Damit reagieren sie auf den von Präsident Wladimir Putin angezettelten Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Disney ging am Montag voran: „Angesichts der unprovozierten Invasion in der Ukraine und der tragischen humanitären Krise pausieren wir die Veröffentlichung von Kinofilmen in Russland“, teilte das Unternehmen in einem Statement mit. Betroffen sei unter anderem der Pixar-Film „Turning Red“, dessen Kinostart in Russland kurz bevorstand. Zukünftige Geschäftsentscheidungen werde man auf Grundlage der Entwicklungen treffen, heißt es von Disney weiter.

Ähnlich positionierte sich auch Warner Bros, betroffen ist hier unter anderem der Start des Films „The Batman“. Bei Sony wiederum wird der russische Kinostart von „Morbius“ verschoben, einem Spider-Man-Spinoff. „Unsere Gedanken und Gebete sind bei all denjenigen, die davon betroffen sind und wir hoffen, dass diese Krise schnell überwunden wird“, heißt es von Sony weiter.

Fünf große Studios positionieren sich

Paramount und Universal Pictures zogen nach: Bei Paramount sind unter anderem die Action-Komödie „The Lost City“ mit Sandra Bullock, Channing Tatum, Daniel Radcliffe und Brad Pitt betroffen und der Animationsfilm „Sonic the Hedgehog 2“.

Mit Disney, Warner Bros, Sony, Paramount und Universal haben sich fünf große Hollywood-Studios positioniert. Ihr Rückzug aus dem russischen Markt ist vor allem ein politisches Statement. Aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten dürfte die Entscheidung den Studios nicht allzu schwergefallen sein: Schätzungen zufolge machen die Ticketverkäufe in Russland im Durchschnitt rund drei Prozent der internationalen Bilanz aus – ein verschmerzbarer Verlust für Hollywood.

Dass sich die fünf Studios fast wortgleich in Stellung bringen, ist kein Zufall: Sie alle sind Mitglieder der Motion Picture Association, einer Interessenvertretung der Filmbranche, die sich ebenfalls an die Seite der Ukraine stellte: „Wir bringen unsere stärkste Unterstützung für die lebendige kreative Gemeinschaft der Ukraine zum Ausdruck, die es wie alle Menschen verdient, in Frieden zu leben und zu arbeiten“, hieß es von der Vereinigung.

Netflix wehrt sich gegen Propaganda

Netflix muss sich derweil aktiv gegen Einmischungsversuche der russischen Regierung wehren. Seit dem 1. März gilt für den Streaminganbieter eine neue Regelung, die auf dem sogenannten Vitrina-TV-Gesetz beruht. Demnach müssen alle Audio- und Videoangebote, die mehr als 100.000 Zuschauer pro Tag in Russland haben, 20 staatliche Fernsehkanäle ins Programm aufnehmen.

Darunter befinden sich Sport- und Unterhaltungssender, aber eben auch Nachrichtensender. Deren Propaganda dürfte gerade in der derzeitigen Gemengelage der Hauptgrund für Netflix gewesen sein, sich gegen die Regulierung zu stellen. Angesichts der derzeitigen Situation plane man nicht, die Fernsehsender dem Angebot hinzuzufügen, sagte eine Unternehmenssprecherin dem Stern.

Hinzu kommt, dass sich der Streaminganbieter damit wohl bei den eigenen Nutzern unbeliebt gemacht hätte: In den sozialen Medien drohten einige bereits an, ihr Netflix-Abonnement zu kündigen, sollte die Plattform die Sender aufnehmen.

Ukrainian Film Academy fordert Boykott

Wie wichtig es ist, auch die Filmbranche bei Sanktionen zu bedenken, unterstrich die Ukrainian Film Academy, ein Zusammenschluss von Branchenkennern: In einem eindringlichen Appell rief sie dazu auf, russische Filme zu boykottieren. Russland sei weiterhin im kulturellen Bereich aktiv, heißt es. Russische Filme würden auf internationalen Filmfestivals gezeigt und finanziell gefördert.

„Das Ergebnis dieser Aktivitäten ist nicht nur die Verbreitung von Propagandabotschaften und verzerrten Tatsachen. Sie stärken auch die Loyalität der russischen Kultur – der Kultur des Staates eines Aggressors, der einen ungerechtfertigten und unprovozierten Krieg in Mitteleuropa entfesselt hat“, heißt es in dem Aufruf. Selbst die bloße Anwesenheit russischer Filme im Programm von Filmfestivals erwecke die Illusion, Russland teile die Werte der zivilisierten Welt.

Die European Film Academy schloss sich dem Appell ihrer ukrainischen Kollegen an. Man werde russische Filme von der diesjährigen Verleihung des Europäischen Filmpreises ausschließen. Man erkenne zwar an, dass es auch russische Filmemacher gebe, die sich gegen den Krieg stellen. „Aber angesichts eines brutalen und ungerechtfertigten Angriffs müssen wir an der Seite unserer Schwestern und Brüder in der Ukraine stehen, deren Leben in Gefahr ist“, heißt es im Statement.

Tech-Konzerne gingen voran

Die Filmbranche ist nicht die einzige Branche, die angesichts des Ukraine-Krieges Stellung bezieht. Auch einige Tech-Konzerne stellten sich demonstrativ an die Seite der Ukraine. Google Maps stellte aus Sicherheitsgründen die Anzeige von Verkehrsinformationen in der Ukraine ab – sie hätten Russland möglicherweise als Informationsquelle über ukrainische Truppenbewegungen und Fluchtrouten dienen können.

Twitter deaktivierte Werbeanzeigen in der Ukraine und in Russland. Apple wiederum stellte den Verkauf seiner Smartphones und Computer in Russland gänzlich ein und verbannte die Apps russischer Staatsmedien außerhalb von Russland aus den App Stores.

Youtube verbot russischen Staatsmedien, Werbung zu schalten und entzog ihnen die Monetarisierung. Damit bekommen die Sender keine Werbeeinnahmen mehr. Facebook stufte die Inhalte der Staatsmedien herab, sodass Nutzern keine Empfehlungslinks mehr angezeigt werden, außerdem dürfen sie keine Werbung mehr schalten. In der EU wurden die Seiten der russischen Staatssender komplett gesperrt.


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