ExklusivKatar buhlt um deutsche Unternehmen

Skyline von Katars Hauptstadt Doha: Das Golf-Emirat reagiert auf die Blockade seiner NachbarstaatenGetty Images

Um die Folgen der andauernden Handelsblockade seiner Nachbarländer abzufedern, buhlt Katar verstärkt um Investitionen aus dem Ausland. „Wir sind dabei, unsere Lieferanten zu diversifizieren und setzen dabei auch auf deutsche Unternehmen“, sagte der Botschafter des Golfemirats in Berlin, Saoud Al-Thani, im Capital-Interview. Großes Interesse habe man insbesondere an Investitionen in vier Bereichen: bei Baumaterialien und Nahrungsmitteln sowie in der Chemie- und Pharmabranche.

Anfang Juni hatten Katars Nachbarstaaten Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain sowie Ägypten ihre diplomatischen und Handelsbeziehungen mit dem Emirat gekappt. Sie werfen der Staatsführung in Doha vor, Terrororganisationen zu unterstützen und Instabilität im Nahen und Mittleren Osten zu verbreiten. Unmittelbar nach Beginn der Blockade waren Katars Importe um 40 Prozent eingebrochen. Mittlerweile hat sich der öl- und gasreiche Kleinstaat aber auf die neue Situation eingestellt, indem er verstärkt auf andere Handelspartner setzt.

Vor der Blockade habe Katar den Großteil des Rohmaterials für seine Bauprojekte von seinen Nachbarstaaten bezogen, sagte Botschafter Al-Thani. Nun beziehe man das Baumaterial verstärkt aus der Türkei, dem Iran und Asien, aber auch aus Europa. Die neuen Lieferanten sollen damit sicherstellen, dass Katar sein umfangreiches Investitionsprogramm für den Bau- und Verkehrssektor wie geplant umsetzen kann und den Bauboom am Leben halten. Für die Modernisierung von Katars Infrastruktur wie Häfen, Flughäfen und öffentliche Verkehrsmittel hat die Staatsführung einen Expansionsplan mit einem Volumen von mehr als 200 Mrd. Dollar aufgelegt – auch im Hinblick auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2022, die der Ministaat ausrichten wird.

Katars Botschafter Saoud al-Thani: „Katar wird weiter in Deutschland investieren“ (Foto: Getty Images)

Auf den Bau der WM-Stadien habe der Konflikt mit den anderen Golfstaaten keinerlei Auswirkungen, sagte Al-Thani: „Die Stadien werden wie geplant fertig.“ Die zweite Arena werde in diesem Jahr eröffnet, die letzte 2020 – zwei Jahre vor Beginn des Turniers.

Nach eigenen Angaben hatte das Emirat vor Beginn der Handelsblockade auch die meisten Lebensmittel aus seinen Nachbarländern importiert. Bei Milchprodukten habe der Anteil bei 90 Prozent gelegen. Derzeit bemüht sich die Regierung, die lokale Produktion hochzufahren. Dabei setzt sie auch auf das Knowhow und die Investitionen europäischer Unternehmen. Mit seinen Handelspartnern will Katar in diesem Jahr zudem die Selbstversorgung mit Fleisch-, Fisch- und Geflügelprodukten erreichen.

Al-Thani, ein Mitglied der Herrscherfamilie, verwies auf Steueranreize und die Einrichtung neuer spezieller Wirtschaftszonen, mit denen die Regierung ausländische Unternehmen anlocken will. Katar könne als „Drehkreuz“ für die gesamte Region dienen, sagte er. Dabei setzt die Regierung darauf, mit Importen über den Seeweg die Blockade der Landgrenzen auszuhebeln. Im September wurde der riesige Seehafen Hamad Port offiziell eröffnet, eines der Prestigeprojekte der Staatsführung.

Großes Investitionsforum geplant

Al-Thani äußerte die Hoffnung, dass sich auch die deutsche Wirtschaft stärker als bisher in Katar engagiere – „nicht nur die großen Konzerne, sondern auch kleine und mittlere Unternehmen“, sagte er. Derzeit seien 200 deutsche Firmen in Katar tätig, die in den vergangenen zehn Jahren rund 80 Mrd. Dollar investiert hätten. Umgekehrt ist das Emirat längst auch ein wichtiger Player in der deutschen Wirtschaft. Über Staatsfonds und andere Investmentvehikel ist Katar Großaktionär bei Volkswagen und der Deutschen Bank und darüber hinaus an der Reederei Hapag-Lloyd und der Solarfirma Solarworld beteiligt.

„Katar wird weiter in Deutschland investieren“, sagte der Botschafter. Für Mitte des Jahres kündigte er ein großes deutsch-katarisches Investitionsforum an – nach dem Vorbild eines hochkarätig besetzten Wirtschaftstreffens im Jahr 2013. Damals nahmen auch Kanzlerin Angela Merkel und Katars Premierminister teil.