ExklusivKarstadt Kaufhof dringt auf Zugeständnisse der Vermieter

Der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof wurde von der Corona-Krise und den Lockdowns schwer getroffen. Das Unternehmen musste vom Staat gestützt werdenimago images / Rainer Unkel

Die angeschlagene Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof dringt auf weitere Zugeständnisse der Vermieter ihrer Filialen. Das bestätigte eine Sprecherin des Unternehmens auf Anfrage von Capital. Demnach führt Galeria Karstadt Kaufhof derzeit „mit allen Vermietern“ Gespräche über Mietreduktionen, Mietstundungen oder teilweisen Mieterlass für die Monate, in der die Filialen aufgrund von Corona-Beschränkungen nicht voll öffnen könnten. Ziel dieser Gespräche sei es, eine Lösung für die „Aufteilung des wirtschaftlichen Schadens“ durch den Lockdown zu finden.

Galeria Karstadt Kaufhof wurde von der Corona-Krise schwer getroffen und musste Anfang des Jahres mit einem Kredit des staatlichen Rettungsfonds WSF in Höhe von 460 Mio. Euro gestützt werden – nachdem das Unternehmen 2020 bereits ein Schutzschirmverfahren durchlaufen hatte, in dessen Verlauf Filialen geschlossen wurden und Gläubiger auf Forderungen von mehr als 2 Mrd. Euro verzichteten. Inzwischen benötigt die Tochter des österreichischen Signa-Konzerns weitere Hilfen, möglicherweise auch seitens des Bundes. Man prüfe „weitere Finanzierungsmöglichkeiten“, teilte die Sprecherin mit. Wegen der neuerlichen Filialschließungen und anderer Corona-bedingter Einschränkungen in der zweiten Welle ist der Umsatz in den vergangenen Monaten stark zurückgegangen. Derzeit sitzt das Unternehmen auf Waren in einem Wert von rund 1 Mrd. Euro.

Die Krise bei Galeria Karstadt Kaufhof führt auch bei Mutterkonzern Signa zu Belastungen. Das Immobilien- und Handelsunternehmen des Investors René Benko ist Eigentümerin eines Teils der Filialen und somit auch von Zugeständnissen bei den Mieten betroffen. Zudem habe sich die Gruppe in diesem Jahr bereits mit „substanziellen Eigenmitteln“ an der Stabilisierung der Kette beteiligt, erklärte ein Signa-Sprecher.

Die neue Capital erscheint am 20. Mai

Gegenüber Investoren hat Signa davor gewarnt, dass die Auswirkungen der Corona-Krise im Handel auch auf das Immobiliengeschäft der Gruppe durchschlagen könnten. Die Pandemie erhöhe das Risiko, dass wichtige Mieter in die Insolvenz gehen oder nicht mehr in der Lage sein könnten, ihre vertraglichen Verpflichtungen zu erfüllen, heißt es in einem vertraulichen Signa-Anleiheprospekt aus dem November 2020, der Capital vorliegt. Dies könne das Unternehmen zwingen, die Mieten zu reduzieren, so dass die Mieterlöse „signifikant niedriger“ ausfallen könnten als erwartet. Zudem sei die Immobilientochter von Signa abhängig von drei Schlüsselmietern, darunter Galeria Karstadt Kaufhof und die KaDeWe-Gruppe, die Luxuskaufhäuser wie das KaDeWe in Berlin und das Hamburger Alsterhaus betreibt. Auch die KaDeWe-Gruppe leidet unter der Krise und nahm 2020 eine Staatsbürgschaft für einen Betriebsmittelkredit in Anspruch.

Anleiheprogramm läuft

Nach Recherchen von Capital werden im Laufe dieses Jahres bei Benkos Immobiliensparte Signa Prime Selection mehr als 1 Mrd. Euro an Krediten für bestehende Objekte oder laufende Entwicklungsprojekte fällig – unter anderem auch von deutschen Landesbanken und anderen Finanzinstituten. Auf Anfrage betonte ein Signa-Sprecher, das Unternehmen habe „den überwiegenden Teil“ der 2021 ablaufenden Kredite schon „refinanziert, verlängert oder wie geplant bereits zurückgeführt“. Zudem habe man im ersten Quartal „einzelne Tranchen“ aus einem seit November 2020 laufenden Anleiheprogramm von bis zu 500 Mio. Euro bei institutionellen Investoren platziert.

Das Immobilienvermögen der Signa Prime ist im vergangenen Jahr trotz der Corona-Krise auf nunmehr 16,6 Mrd. Euro gestiegen. Verantwortlich dafür waren nach Konzernangaben vor allem Zukäufe und Wertsteigerungen durch Fortschritte bei Entwicklungsprojekten. Der Wert des bestehenden Portfolios blieb demnach auf „stabilem Niveau“. Im Corona-Jahr 2020 fielen weniger als zehn Prozent der vertraglich fixierten Mietzahlungen aus. Die sogenannte Collection Rate – in der Pandemie eine zentrale Kennziffer in der Immobilienbranche – betrug nach Signa-Angaben 92 Prozent.

 


Die ausführliche Analyse zur Lage bei René Benkos Signa-Gruppe erscheint in Capital 6/2021. Interesse an Capital? Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes und GooglePlay