ExklusivHertha sucht weiteren Investor wie KKR

Fußball-Bundesligist Hertha BSC orientiert sich bei seiner Suche nach einem zweiten Investor am Finanzkonzern KKR, der schon seit 2014 bei den Berlinern engagiert ist. Vereinspräsident Werner Gegenbauer sagte dem Wirtschaftsmagazin Capital, der neue Partner solle „keine Einzelperson sein, die emotional reagiert“. Stattdessen verwies Gegenbauer als Vorbild auf Miteigentümer KKR, der als börsennotiertes Unternehmen transparent und berechenbar sei. Das Private-Equity-Unternehmen aus New York hatte sich 2014 mit knapp zehn Prozent an Hertha beteiligt – als erster Finanzinvestor in der Bundesliga.

Das Hertha-Management hatte bereits im vergangenen Jahr angekündigt, weitere Anteile verkaufen zu wollen, um stärker in die Mannschaft investieren zu können. Seitdem hat die Clubführung Gespräche mit mehreren potenziellen Partnern aus China und den USA geführt. Darunter befinden sich Finanzinvestoren wie die chinesische Beteiligungsfirma Fosun, die in den vergangenen zwei Jahren bei mehreren Bundesligaclubs vorgefühlt hatte.

Kontakte gab es auch mit einer Familie, der bereits ein Footballteam aus der US-Profiliga NFL gehört. Der zweite Anteilseigner soll wie KKR ein strategischer Partner sein, der sich nicht in Transfers oder Trainerfragen einmischt – anders als bei Clubs wie 1860 München oder dem HSV, wo Unternehmer nach ihrem Einstieg auch im operativen Geschäft mitreden und damit die Vorbehalte gegen Investoren nicht nur in den Fankurven verstärken.

Unternehmenswert mehr als 300 Mio. Euro

Hertha-Präsident Werner Gegenbauer mit Spielern vor der Kabine
Hertha-Präsident Werner Gegenbauer mit Spielern vor der Kabine
© Ériver Hijano

Nicht nur Hertha, auch andere Vereine sind derzeit auf der Suche nach neuen Einnahmequellen, um im finanziellen Wettrüsten der Liga bestehen zu können. Viele Fans insbesondere von Traditionsvereinen lehnen allerdings den Einstieg von vereinsfremden Investoren ab, weil sie darin einen weiteren Schritt zur Kommerzialisierung des Fußballs sehen. Für die Juni-Ausgabe hat sich Capital am Beispiel von Hertha BSC angeschaut, was ein branchenfremder Investor wie die „Heuschrecke“ KKR einem Bundesligisten bringen kann.

Hertha-Manager Michael Preetz sagte im Interview, für seine sportlichen Ambitionen benötige der Hauptstadtclub einen zweiten Investor: „Ohne finanzielle Hilfe von außen ist es nicht möglich, die Lücke zu den Spitzenclubs auf Dauer zu verringern oder sogar zu schließen.“ Über das Interesse potenzieller Partner sagte Preetz: „Es gibt in vielen Regionen der Welt viele Leute mit viel Geld, die nach reizvollen und rentablen Investitionsfeldern suchen. Der Fußball ist durch die stetig gewachsene Aufmerksamkeit und das wachstumsorientierte Umfeld sicher ein besonderes.“ Chinesische Unternehmen wie der Handelsriese Suning Commerce Group, Investmentfirmen und Einzelpersonen sind in letzter Zeit bereits bei mehreren europäischen Clubs eingestiegen – unter anderem bei Inter Mailand, AC Mailand, Atlético Madrid, Olympique Lyon, OGC Nizza, Aston Villa und den Wolverhampton Wanderers.

Hertha-Manager Michael Preetz will für die Europa League den Kader aufrüsten
Hertha-Manager Michael Preetz will für die Europa League den Kader aufrüsten
© Ériver Hijano

Von dem Verkauf eines zweiten Aktienpakets erhofft sich die Hertha-Führung einen höheren Erlös als bei dem Einstieg von KKR Anfang 2014. Damals hatte der Finanzkonzern für einen 9,7-Prozent-Anteil rund 18 Mio. Euro bezahlt. Insgesamt belief sich das KKR-Investment bei Hertha auf 61,2 Mio. Euro. Beim Einstieg des Private-Equity-Unternehmens war der Unternehmenswert der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA, in die der Verein schon 2002 seine Profiabteilung ausgegliedert hatte, auf 220,6 Mio. Euro taxiert worden.

Mittlerweile wird die Bewertung auf mindestens 300 Mio. Euro oder sogar deutlich mehr geschätzt. Tendenz weiter steigend – allein schon, weil der Club durch den neuen Fernsehvertrag der Deutschen Fußball Liga (DFL) in den kommenden Jahren mit deutlich wachsenden Umsätzen rechnen kann. „Wir haben ein absolut konjunkturunabhängiges Geschäftsmodell“, sagte Hertha-Finanzchef Ingo Schiller im Gespräch mit Capital.

Bei den TV-Einnahmen erwartet Schiller für Hertha ein „überproportionales Wachstum“, weil die Berliner dank der besseren sportlichen Ergebnisse in den beiden vergangenen Spielzeiten nun auch in der TV-Geldrangliste der DFL aufholen. In der Saison 2017/2018 wird Hertha nach Schillers Angaben mehr als 50 Mio. Euro aus dem TV-Pool der Liga kassieren – 20 Mio. Euro mehr als in der Saison 2016/2017 und ohne, dass den Mehreinnahmen irgendwelche Kosten gegenüber stehen.

Finanzchef Ingo Schiller erwartet ein
Finanzchef Ingo Schiller erwartet ein „überproportionales Wachstum“ bei den TV-Geldern
© Ériver Hijano

Capital 06/2017Die ganze Geschichte über die Rolle des Finanzinvestors KKR bei Hertha BSC und was die Bundesliga davon lernen kann lesen Sie in der Juni-Ausgabe von Capital. Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes, GooglePlay und Amazon