Alexander Tamas Geheimnisvoller deutscher Tech-Investor hilft Musk bei Twitter

Alexander Tamas spricht in ein Mikrofon, dass er in der Hand hält
Alexander Tamas auf einem Foto aus dem Jahr 2010
© Bloomberg
Alexander Tamas ist hierzulande kaum bekannt – der Investor hält sich lieber im Hintergrund. In Elon Musks Twitter-Übernahmeplänen spielt er jedoch eine wichtige Rolle: Tamas ist der drittgrößte externe Geldgeber

Elon Musks Übernahmeangebot für Twitter wird unterstützt von einer Reihe namhafter Investoren und bekannter Silicon Valley-Größen. Zu den weniger prominenten Mitstreitern gehört ein hierzulande kaum bekannter deutscher Technologieinvestor. Die in Dubai ansässige Investmentfirma Vy Capital hat 700 Mio. Dollar (654 Mio. Euro) für die Finanzierung von Musks Angebot für Twitter zugesagt und ist damit der drittgrößte externe Kapitalgeber für den möglichen Deal, bei dem auch Oracle-Gründer und Milliardär Larry Ellison und Sequoia Capital mitmachen wollen. Das geht aus Pflichtveröffentlichungen hervor.

Über Finanzierungsquellen von Vy oder die Art der Investitionen, die die Firma tätigt, ist wenig öffentlich bekannt. Die Webseite besteht aus einer einzigen Seite ohne Adresse und Kontaktdaten. Dabei summiert sich das von dem deutschstämmigen Gründer Alexander Tamas eingesammelte verwaltete Vermögen auf mehr als 5 Mrd. Dollar, zeigen offizielle Unterlagen und berichten mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Und nun mischt Vy also mit bei der geplanten Twitter-Übernahme durch Musk, die jetzt schon einen Platz in den Geschichtsbüchern sicher zu haben scheint, auch wenn sie wegen des Streits über Scheinkonten nicht zustande kommen sollte. Vys Kapitalzusage für die 44-Mrd.-Dollar-Transaktion übertrifft die von Brookfield Asset Management und Katar.

Tamas hat Kontakte zu namhaften Investoren. Bevor er Vy gründete, arbeitete er eng mit dem russisch-israelischen Milliardär Yuri Milner zusammen. Auch mit Musk pflegt er offenbar Geschäftsverbindungen. Laut Daten von Pitchbook hat Vy bereits in Musks Firma Boring investiert. Tamas hat auch Geld in den Raketenhersteller SpaceX des Tesla-Chefs und in das Neurotechnologieunternehmen Neuralink gesteckt. Laut Linkedin absolviert Benjamin Birchall, ein Sohn von Musks rechter Hand Jared Birchall, gerade ein Analysten-Praktikum bei Vy.

Ein Vertreter von Tamas lehnte eine Stellungnahme ab. Bei einem Besuch im Büro der Firma in Dubai vor kurzem war nur eine Assistentin anwesend, die sagte, der Rest der Mitarbeiter arbeite mobil. Einschließlich Tamas sind das etwa zehn in dem Emirat, laut Linkedin sind weltweit etwa 25 Personen für die Firma tätig.

In einem Dokument des Blankoscheck-Unternehmens Vy Global Growth aus dem Jahr 2020 hieß es, dass Vy über ein verwaltetes Vermögen von mehr als 2 Mrd. Dollar verfügt. Das hat sich seither mehr als verdoppelt. Es besteht aus einigen Fonds mit etwa 1 Mrd. Dollar an verfügbaren Geldern, so Personen, die mit den Aktivitäten des Unternehmens vertraut sind. Zu den Geldgebern sollen große amerikanische Stiftungen gehören.

Ein Twitter-Konto von Tamas gibt es seit März 2009. Das Profilbild ist dasselbe wie das seines Linkedin-Profils, das Banner zieren Star Wars Stormtroopers aus Lego. Von dem Konto wurde ein Tweet von Musk vom 21. April geliked, in dem er die Social-Media-Plattform aufforderte, im Rahmen des Streits über die Anzahl von Scheinkonten „alle echten Menschen“ zu authentifizieren.

Nachdem er für Goldman Sachs in London an Technologiegeschäften gearbeitet hatte, trat Tamas 2008 als Partner in Milners Investmentfirma DST Global ein, wo er lukrative Wetten auf Unternehmen wie Airbnb und Facebook einging, sowie damals schon eine Investition in Twitter. DST erwarb 2012 mit Tamas an Bord einen Anteil von vier Prozent am Berliner Online-Modehaus Zalando. Bis 2011 war er außerdem Managing Director bei der russischen Mail.ru Group.

Vor seiner Zeit bei Goldman war er Gründungsmitglied von Arma Partners, einem Unternehmen, das Firmen und Investoren im Technologiesektor zu Finanzierungsfragen berät.

„Menschlicher Supercomputer“

Tamas und sein früherer Goldman-Kollege Mateusz Szeszkowski gründeten Vy im Jahr 2013 mit der Vision, „in einige der weltweit führenden Unternehmen zu investieren und sie über Jahrzehnte zu besitzen“, wie es in einem offiziellen Dokument heißt.

Er leitet den Fonds jetzt zusammen mit John Hering, dem Gründer des Cloud-Software-Unternehmens Lookout, der Vy jedoch auf seinem Linkedin-Profil nicht erwähnt. Tamas und Hering halten die größten Anteile am Vy Global Growth, wie aus einer Mitteilung des Spacs hervorgeht. Ein weiterer Investor ist Javier Olivan, der in diesem Herbst Chief Operating Officer von Meta wird.

Zu den Vermögenswerten des Unternehmens gehörten Beteiligungen an der kanadischen E-Commerce-Plattform Shopify, dem Audience Tracker Comscore, dem Online-Kreditgeber Lendingclub und dem Spielehersteller Activision Blizzard. Es scheint, dass diese Beteiligungen bis 2018 aufgelöst wurden. Das Unternehmen hat auch in private Technologieunternehmen wie Blockchain.com und Reddit investiert.

Seine Expertise und sein Geschick beim Investieren veranlassten Risikokapitalgeber Ben Horowitz und Marc Andreessen, ihn als „Milners menschlichen Supercomputer“ zu bezeichnen. Der Emir von Dubai, Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum, berief Tamas in einen Beirat für die digitale Wirtschaft.

Anwalt der Redefreiheit

Tamas lebt derzeit in Europa. Wenn er in Dubai ist, leitet er Vy teilweise von einer palastartigen Villa im Viertel Al Barari aus, einem abgelegenen Vorort mit Luxuswohnungen, so die Personen. Die Firma hat ebenfalls ein Büro in der Bay Area von San Francisco.

Neben seiner Investitionstätigkeit gründete Tamas das Datenforschungsunternehmen Synaptic und unterstützt Forschung über künstliche Intelligenz am Future of Humanity Institute der Universität Oxford. Er scheint auch Musks Interesse an freier Meinungsäußerung zu teilen. „Was ich für falsch halte, ist die Idee, dass unsere Social-Media-Plattformen bestimmen sollten, was wir sehen können und was nicht“, sagte Tamas 2019 in einem Interview mit dem Berggruen Institute. Es sei gefährlich, wenn private Unternehmen bestimmen, was als freie Meinungsäußerung akzeptabel ist und was nicht.

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