ExklusivGehaltsprognose: Löhne entwickeln sich schwächer als im Vorjahr

Symbolbild Gehalt
Symbolbild GehaltGetty Images

Der Arbeitsmarkt in Deutschland ist stabil, die Arbeitslosenquote auf einem Rekordtief: Trotzdem sollen sich die Gehälter in diesem Jahr langsamer entwickeln als im Vorjahr. Das prognostizieren die Analysten der Vergütungsberatung Compensation Partner in ihrer Gehaltsprognose 2019, die Capital.de vorab vorliegt. „Wir gehen davon aus, dass sich die Gehälter zwar positiv, jedoch nicht mehr so stark entwickeln werden wie in den vergangenen Jahren“, so Geschäftsführer Tim Böger.

Die Analysten erwarten, dass die Nominallöhne um 2,9 bis 3,8 Prozent wachsen. Im Vorjahr rechneten sie noch mit 3,2 bis 4,4 Prozent. Die steigende Inflationsrate versetze der Entwicklung der Reallöhne einen zusätzlichen Dämpfer. So sei von einem Wachstum der Reallöhne um 1,0 bis 1,9 Prozent auszugehen.

Für die Gehaltsprognose haben die Experten unter anderem 482.172 Daten aus der Vergütungsdatenbank von Compensation Partner analysiert. Die Messungen fallen in der Regel volatiler aus, als die des Statistischen Bundesamts. Denn während dieses nur Gehälter bis zur Sozialversicherungsgrenze erfasse, berücksichtige Compensation Partner die Daten auf dem ganzen Markt, heißt es in der Gehaltsprognose.

Inflation und politische Unsicherheiten hemmen das Lohnwachstum

Für die prognostizierte Entwicklung identifiziert der Vergütungsexperte Böger unterschiedliche Ursachen: „Es gibt genug Gründe, dem Lohnwachstum nüchtern entgegenzublicken.“ Dazu zählen wirtschaftspolitische Faktoren wie eine schwächelnde Automobilindustrie, Exportrückgänge, Handelsbeschränkungen in den USA und ein möglicher Brexit. Auch die politische Konstellation in Deutschland mit ihren geschwächten Volksparteien spiele eine Rolle.

Zudem werde auf dem wettbewerbsintensiven deutschen Arbeitsmarkt um die Top-Fach- und Führungskräfte gerungen. „Einzelne dringend benötigte Experten werden sicher attraktive Gehälter erhalten, jedoch bei weitem nicht alle und auch nicht das bestehende Personal“, vermutet Böger. Kleine und mittlere Unternehmen würden in Folge unter Druck geraten und es werde schwieriger, interne Gehaltsstrukturen möglichst fair zu halten.

Kosten für Personalbeschaffung steigen

Grund zur Sorge besteht laut Böger allerdings nicht: „Verschiedene Wirtschaftsinstitute und unter anderem die Bundesagentur für Arbeit haben für 2019 ein fortlaufendes Wirtschaftswachstum und eine zunehmende Erwerbstätigkeit für Deutschland prognostiziert. Außerdem soll sich die Auftragslage für Unternehmen weiterhin positiv entwickeln.“

Die Experten von Compensation Partner glauben, dass davon in Zukunft vor allem ausgelernte und spezialisierte Fachkräfte profitieren. Dazu zählen studierte Ingenieure und IT-Experten genauso wie ausgebildete Handwerker und Meister. „Der Mangel an Fachkräften in Handwerksberufen führt zu höheren Preisen für deren Leistungen, was sich gleichzeitig positiv auf die Gehälter auswirkt“, so Böger. Gleichzeitig mache es die geringe Arbeitslosenquote für Unternehmen schwieriger an ausgebildetes Personal zu gelangen. Das könnte höhere Kosten für die Personalbeschaffung nach sich ziehen: „Eine Hochphase für Personalberatungen oder Headhunter beginnt.“