KolumneFunklochland Deutschland

Uwe Horstmann
Uwe Horstmann

5G – das ist der neue Goldstandard im deutschen Mobilfunk. Hundertmal schneller als LTE. Ohne 5G ist an selbstfahrende Autos und kluge Kühlschränke zwischen Füssen und Flensburg nicht zu denken. Bis vergangenen Freitag konnten sich Mobilfunkbetreiber für die Auktion der 5G-Frequenzen bei der Bundesnetzagentur bewerben. Telekom, Vodafone und Telefónica (O2) – neben den üblichen Verdächtigen hat dieses Mal auch United Internet seinen Hut in den Ring geworfen.

Das dürfte die Preise treiben. Zwar nicht so hoch wie im Jahr 2000, als der damalige Finanzminister Hans Eichel die UMTS-Frequenzen für sagenhafte 50,8 Mrd. Euro versteigern ließ. Aber bis zu 5 Mrd. Euro erhofft sich Olaf Scholz schon von der Auktion, die in der zweiten Märzhälfte beginnen soll.

Geld, das den Mobilfunkbetreibern danach für den Ausbau des Netzes fehlt. Telekom-CEO Timotheus Höttges hat ja Recht, wenn er sagt, dass er jeden Euro nur einmal ausgeben könne. Neue Antennen, Genehmigungsverfahren, Glasfaseranschlüsse könnten sich auf bis zu 60 Mrd. Euro summieren.

5G wird teuer

Knackpunkt der Auktion ist die flächendeckende Versorgung. Denn was der Koalitionsvertrag noch windelweich formuliert, konkretisiert das umstrittene 178-Seiten strenge Pflichtenheft der Netzagentur insofern, als dass die Gewinner der Auktion bis Ende 2022 mindestens 98 Prozent der Haushalte pro Bundesland mit einer Datenrate von mindestens 100 Mbit/s versorgen müssen. Übersetzt heißt das nichts anderes, als dass es dafür etwa zehnmal so viele Sendemasten braucht wie heute. Mit 750.000 neuen Masten rechnet das Wissenschaftliche Institut für Infrastruktur und Kommunikation (WIK). Das wären zwei Masten pro Quadratkilometer oder allein für Berlin etwa 1800 zusätzliche Sendeanlagen. Klar, dass das teuer wird.

Infografik: 5G-Auflagen reichen nicht weit | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Mal ganz abgesehen davon, dass die Mobilfunkbetreiber noch immer damit beschäftigt sind, Deutschland mit 4G zu versorgen. Selbst die Telekom kommt nur auf eine LTE-Abdeckung von 75 Prozent – weniger als Polen oder Albanien. „Das ist für eine Industrienation wie Deutschland schlicht inakzeptabel“, klagte Friedrich Merz kürzlich beim Ludwig Erhard Gipfel im bayrischen Kreuth. Dem kann ich mich nur anschließen. Das Ziel von Olaf Scholz, mit der Versteigerung der Lizenzen möglichst viel Geld in die öffentlichen Haushalte zu bringen, ist zu kurz gedacht.

Stattdessen fällt der Bundesregierung auf Druck der USA viel zu spät auf, dass es vielleicht nicht die beste Idee ist, den Ausbau allein dem chinesischen Marktführer Huawei zu überlassen. Jetzt rächt sich, dass die Behörden den Netzausbau – trotz der Gefahr der Cyberspionage – zu lange vernachlässigt haben und seit Wochen um die Aussperrung der Chinesen streiten. Deutschland muss bis zur Versteigerung der Frequenzen im Frühjahr schleunigst die Führung übernehmen – notfalls auch mit einer staatlichen Netzgesellschaft. Die könnte dann auch den Aufbau von Sendemasten außerhalb der Ballungsräume bezahlen. Wer viel Geld einnimmt, kann die Funklöcher auf dem Land auch selber stopfen. Denn am Ende  geht es um die Sicherheit der Bürger und Institutionen und um die wirtschaftliche Zukunft des Landes.