MarkenmomentFrosch – Verpackungen aus Plastikabfall

Die Verpackung für das Duschgel von Frosch besteht komplett aus Altplastik
Die Verpackung für das Duschgel von Frosch besteht komplett aus AltplastikFrosch

Wenn er wollte, könnte Reinhard Schneider in seinen Flaschen aus recyceltem Plastikmüll sogar Mineralwasser verkaufen – zumindest in den USA, wo auch die strenge Lebensmittelbehörde die neu entwickelten Behälter zugelassen hat. Schneider ist Inhaber der Putzmittelmarke Frosch. Zusammen mit Partnern wie dem Grünen Punkt hat er für seine Produkte die ersten Verpackungen aufgelegt, die zu 100 Prozent aus Altplastik produziert werden, ohne Rohöl. Die Unterschiede zu neuen Kunststoffverpackungen müsse man „mit der Lupe suchen“, sagt der Chef des Familienunternehmens Werner & Mertz, zu dem Frosch gehört.

Seit Frosch 1986 seine ersten Putzmittel verkaufte, hat sich die Marke mit Rezepturen aus rein natürlichen Wirkstoffen in der Ökonische positioniert. Anfangs mussten umweltbewusste Kunden noch Abstriche bei der Leistungsfähigkeit hinnehmen. Inzwischen seien die Frosch-Reiniger chemischen Produkten „ebenbürtig“, sagt Schneider. Der Weltmarktführer für Bio-Reinigungsmittel zählt heute zu Deutschlands großen Dachmarken – mit rund 20 Produktkategorien vom Waschmittel bis zur Handseife.

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Als jüngstes Produkt führte der Inhaber 2018 eine Duschgelserie ein – ein größerer Schritt für die Marke, die viele noch in erster Linie mit Putzmitteln verbinden, sagt Schneider: „Wer möchte unter der Dusche schon an Putzmittel denken?“ Der Unternehmenschef, der nach dem Studium eine Zeit lang als Produktmanager bei Nestlé arbeitete, hat die Frosch-Familie Schritt für Schritt erweitert. Mittlerweile ist die Marke nach seiner Auskunft in Deutschland auch Marktführer für dekorative Dufterfrischer. Von dort war der Weg dann nicht mehr ganz so weit zum Duschgel.

Verkauft wird auch dieses Hygieneprodukt in den selbst entwickelten Flaschen aus Plastikmüll. Bei diesen umweltfreundlichen Verpackungen sei seine Firma „Weltrekordhalter“, sagt Schneider, obwohl sie 160-mal kleiner sei als der Riese Procter & Gamble mit seinen Marken wie Meister Proper und Ariel. Fast 300 Millionen Flaschen aus Altplastik hat Frosch seit 2014 verkauft. Statt sich die Patente zu sichern, hat Schneider entschieden, die Technologie auch anderen Unternehmen zur Verfügung zu stellen: Lieber wolle man der „Pionier für einen neuen Marktstandard“ sein, als dass man eine Innovation „wegsperrt“.

Die Recyclingverpackungen sollen nicht nur Plastikmüll reduzieren, sondern auch Froschs Image als Naturmarke stärken. Dass Ökoprodukte im Trend liegen, kann Schneider an seinen Bilanzen ablesen. Der Umsatz wuchs zwischen Januar und August um 20 Prozent – in einem stagnierenden Gesamtmarkt. Bei Glasreinigern übernahm Frosch dadurch von der Henkel-Marke Sidolin die Marktführerschaft in Deutschland. Schneider erwartet, dass das Wachstum anhält, vielleicht auch durch weitere neue Produkte. Abfüllen lässt sich in seine Recyclingbehälter schließlich so einiges.

Unternehmen

Frosch wurde 1986 eingeführt – als Marke des Mainzer Familienunternehmens Werner & Mertz, zu dem auch Marken wie Erdal und Emsal gehören. Die Wurzeln des Unternehmens liegen im Jahr 1867, heute befindet es sich in vierter Generation in Familienhand. Zuletzt machte Werner & Mertz mit 1000 Mitarbeitern einen Umsatz von 399 Mio. Euro.

 


Der Beitrag ist in der Capital-Printausgabe 09/2019 erschienen. Die Serie Markenmoment erscheint jeden Monat in Capital. Interesse an Capital? Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes und GooglePlay